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Scharfe Sache aus Hartha

Der bekannte Marder-Senf wird jetzt in Hartha produziert. Der DA sprach mit Geschäftsführer Reiko Wagner.

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© Dietmar Thomas

Hartha. Reiko Wagner, Geschäftsführer der Marder GmbH, und der bisherige Hersteller von Marder Senf Dieter Lange waren sich schnell einig. Doch es hat Monate gedauert, bis alle bürokratischen Hürden genommen waren, um mit der Senfproduktion zu beginnen. Jetzt kommt die schärfste Sache im Altkreis Döbeln aus Hartha – mit traditionellem Geschmack und neuer Verpackung. Produziert wird im Firmensitz von Wagner’s Catering. Dafür wurden entsprechend den Vorschriften Räume ausgebaut. Die Marder GmbH wurde als Lebensmittel-Produktionsbetrieb zertifiziert.

Herr Wagner, warum haben Sie sich entschlossen, die Traditionsmarke Marder-Senf zu kaufen und zu produzieren?

Ich habe mich schon im Jahr 2008 für die Herstellung des Marder-Senfes interessiert. Damals stellte Matthias Ernst die Produktion ein. Dieter Lange vom Party- und Speiseservice in Mügeln erwarb die Anlagen, die Rezeptur und die Namensrechte. Nun ist Dieter Lange im Januar in den Ruhestand gegangen. Ihm war es wichtig, dass die Marke erhalten bleibt, der Senf in der Region produziert, und die Tradition fortgesetzt wird. Weil Dieter Lange wusste, dass ich schon damals Interesse hatte, rief er mich an. Wir kamen schnell zusammen. Ich übernahm die Technik, die Markenrechte und das Traditionsrezept. Außerdem hat mich Dieter Lange sozusagen angelernt. Viele Stunden und Tage verbrachte ich in der Produktionsstätte in Mügeln. Hier lernte ich die Kniffe der Senfherstellung. Dieter Lange und die Mitarbeiter seiner Firma gaben mir gute Tipps.

Aus der Geschichte der Firma

Am 1. Mai 1886 gründete August Marder in Döbeln das Familienunternehmen Marder-Speisesenf. August Marder übergab die Firma an seinen Sohn Paul. Dessen Sohn Hans war ab 1972 der Firmeninhaber.

Ab dem 1. Dezember 1985 leitete nicht mehr ein Mitglied der Familie Marder, sondern der Schwiegersohn von Hans Marder Matthias Ernst die Geschicke des Betriebs.

Produktionsstätten waren in Neugreußnig, Großbauchlitz, Sörmnitz, ab 1. April 1997 in Waldheim.

Zum Tag der Sachsen 2004 in Döbeln war der Marder-Senf von den Besuchern zum beliebtesten Produkt gekürt worden.

Matthias Ernst stellte die Produktion von Marder-Senf im Oktober 2008 ein.

Anlage, Rezeptur und Namensrechte für die Produktion kaufte im Dezember 2008 der Mügelner Tiefkühlkost- und Partyservice von Dieter Lange.

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Bei der Technik, der Marke und dem Rezept setzen Sie auf Tradition. Warum haben Sie sich dafür entschieden, die Optik der Becher zu verändern?

Auch ein gutes sächsisches Traditionsprodukt muss im Design mit der Zeit gehen. Der Name, der Marderkopf und auch die Farben Gelb, Rot und Schwarz sind geblieben. Der Wiedererkennungswert ist auf jeden Fall gegeben. Deutlich ist jetzt zu erkennen, dass es sich um Senf handelt. Der Druck auf den Bechern hat klare Strukturen. Hinzu kommt, dass die Handetikettierung, so wie bisher, nicht mehr zeitgemäß ist. Die Etikettierung wird jetzt im derzeitig modernsten, dem IML-Verfahren, durchgeführt. Die neuen Becher haben jetzt auch bei der 200-Milliliter-Variante einen Henkel. Sollte doch einmal der Korb für den Einkauf nicht ausreichen, können die Becher leicht transportiert werden. Auch die Wiederverwendung der Becher ist so in einer größeren Vielfalt möglich. Ich sage immer, so ein Becher hat fünf Leben.

Haben Sie auch die Kunden übernommen? Und wie wollen Sie mit Werbung neue gewinnen?

Ich habe alle Kunden übernommen. Wegen des guten Zuspruchs ist es gelungen, auch schon einige Neukunden zu akquirieren. Wir verschicken den Marder-Senf in den verschiedenen Abpackungen und Schärfen deutschlandweit. Es gibt sehr viele private und gewerbliche Kunden. Die gewerblichen Kunden kommen aus der Gastronomie, Fleischverarbeitung und Feinkostbranche. Den Marder-Senf haben wir auch schon nach Spanien, Österreich und Holland verschickt.

Meist sind es Leute aus der Region, die auf die Traditionsmarke schwören. Wir hören immer wieder, dass der Marder-Senf ein beliebtes Mitbringsel für diejenigen ist, die sozusagen mit ihm groß geworden sind. Zurzeit haben wir eine Werbekampagne „Marder-Senf auf Reisen“ angeschoben. Diese wird auch auf unserer Internet- und Facebook-Seite veröffentlicht. Freunde, Bekannte und Liebhaber des Marder-Senfs sollen sich mit einem Becher im Urlaub oder bei einem Ausflug fotografieren lassen. Es soll möglichst zu sehen sein, wo derjenige sich aufhält. Einige Fotos haben wir schon und veröffentlichen diese demnächst. Das bisher am weitesten entfernteste Foto ist in China entstanden. Außerdem haben die Leute die Möglichkeit, uns ihre besten Rezepte mit Marder-Senf per E-Mail oder auf dem Postweg zukommen zu lassen, die wir dann ebenfalls auf unserer Internetseite veröffentlichen.

Ist die Herstellung des Marder-Senfes schwierig und kann immer derselbe Geschmack getroffen werden?

Senf ist ein Naturprodukt. Bei der Herstellung von Marder-Senf werden nur ausgesuchte Senfsaaten verwendet. Diese variieren im Quellverhalten und den Schärfegraden. Es dauert einige Tage, bis aus den Körnern Marder-Senf entsteht. Dafür ist viel Handarbeit notwendig. Produziert wird je nach Auftragslage. Zurzeit wird der Senf in der scharfen und mittelscharfen Variante hergestellt.

Es fragte: Sylvia Jentzsch