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Schlechte Karten für Fußballfans

Nach der Insolvenz des größten deutschen Bezahlkarten-Anbieters bangen Dynamo-Anhänger um ihr Guthaben. Auch Konzertbesucher sind betroffen.

© dpa

Tobias Hoeflich

Kein langes Anstehen, keine Suche nach Münzen und Scheinen, kein Warten aufs Wechselgeld: Als innovativ und komfortabel pries Dresdens Stadionmanager Hans-Jörg Otto vor über sieben Jahren die neue Dynamo-Karte. Seit der Fußballsaison 2010/11 können Speisen und Getränke im Stadion nur noch damit gezahlt werden.

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„Wir sind überzeugt, dass die Fans die neue Dynamo-Karte positiv annehmen und damit schneller an Bier und Bratwurst kommen als bisher“, verkündeten die Betreiber des bargeldlosen Bezahlsystems damals. Doch viele Stadiongänger haben bis heute Vorbehalte - und sehen sie nun bestätigt. Die Payment Solution AG, nach eigenen Angaben Deutschlands größter Anbieter von Bezahlkarten, hat Anfang Mai einen Insolvenzantrag gestellt.

Funktionieren die Karten beim nächsten Heimspiel von Dynamo?

Wenn Sonntag Arminia Bielefeld im DDV-Stadion zu Gast ist, werden Zuschauer nicht mit der Karte zahlen können. Das teilte der Verein in einer Erklärung mit der Stadion-Projektgesellschaft am Donnerstag mit. In Dresden ist die Tochterfirma von Payment Solution, Hattrick Payment, für das Bezahlsystem verantwortlich. „Alle Kioske und Cateringstände haben wie gewohnt in vollem Umfang geöffnet und bieten das komplette Sortiment an Speisen und Getränken“, heißt es.

Bezahlt werden kann aber ausschließlich mit Bargeld. Das gilt auch für andere kommende Veranstaltungen im Stadion wie das Konzert von Robbie Williams oder die Football-Spiele der Monarchs. Dass die Erklärung erst so kurz vor dem letzten Saisonspiel gegen Bielefeld kommt, überrascht: Schon nach dem Heimspiel von Dynamo gegen 1860 München am 5. Mai teilte der Insolvenzverwalter der Stadiongesellschaft offenbar mit, dass der Einsatz der Karten beim Heimspiel gegen Bielefeld fraglich ist.

Wie kommt man an das Restguthaben meiner Karte?

Vorerst gar nicht. Da das Bezahlsystem am Sonntag ausgesetzt wird, kann auch das Guthaben nicht ausgezahlt oder die Karte zurückgegeben werden. Gut möglich, dass deren Besitzer ihr Geld verlieren: Wegen des laufenden Insolvenzverfahrens könne zurzeit „noch keine finale Aussage darüber getroffen werden“, ob und wie die Hattrick Payment GmbH das Guthaben auszahlt, heißt es in der Mitteilung von Verein und Stadiongesellschaft.

Welche Vereine sind noch von der Insolvenz betroffen?

Nicht nur im Dresdner DDV-Stadion werden mit dem Bezahlsystem von Payment Solution Essen und Getränke gekauft. Auch Zweitligakonkurrent Kaiserslautern hat es eingeführt, ebenso zum Beispiel die Erstligisten Hertha BSC Berlin, Eintracht Frankfurt und FC Augsburg. Dementsprechend verunsichert sind deren Fans.

Beim Heimspiel in Augsburg vergangenes Wochenende konnten Stadiongäste nur mit Bargeld zahlen. Auch bei den Heimspielen von Frankfurt und Berlin an diesem Sonnabend sind die Bezahlkarten nicht nutzbar. Weder können Fans damit etwas kaufen, noch sie zurückgeben oder sich ihr Guthaben auszahlen lassen. Das führte schon beim vergangenen Heimspiel von Frankfurt zu Ärger bei den Anhängern der Eintracht: Nachdem viele Fans ihr Guthaben sichern wollten, wurden nach der ersten Halbzeit die Stände geschlossen.

Ist das Guthaben im Fall einer Insolvenz verloren?

Weder Stadionbetreiber noch Vereine müssten für die Schäden haften, die den Fans entstehen. Dennoch haben betroffene Fußballclubs schon angekündigt, ihren Anhängern entgegenzukommen. „Wir lassen uns etwas einfallen, obwohl wir juristisch dazu nicht verpflichtet sind“, sagte Frankfurts Vorstandsmitglied Axel Hellmann. Hertha BSC hat ebenso erklärt, für finanzielle Schäden der Fans aufkommen zu wollen. Auch Kaiserslautern wolle Betroffenen „etwas Gutes“ tun. Ähnlich klingt das bei Dynamo Dresden und der Stadiongesellschaft: Gemeinsam werde man alle rechtlichen Möglichkeiten und Optionen prüfen, um Besitzern der Bezahlkarten „alternative Nutzungsmöglichkeiten vorhandener Restbeträge zu ermöglichen“.

Wie geht es nach dem Insolvenzantrag weiter?

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Laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz von der Kanzlei White & Case wird eine Sanierung der Unternehmensgruppe angestrebt. „Gespräche mit potenziellen Investoren werden bereits geführt.“

Erste Ergebnisse, wie der Geschäftsbetrieb weitergeht und was mit vorhandenen Guthaben geschieht, soll es jedoch voraussichtlich erst im Juli geben.