merken

Stürze, Angst und trotzdem eine Medaille bei der Bob-WM?

Die Oberbärenburgerin Stephanie Schneider spricht über ihr Gefühls-Chaos auf der schnellsten Bahn der Welt.

Stephanie Schneider ist erleichtert - aber nicht entspannt. Denn Whistler ist Whistler. © Robert Michael

Duplizität der Ereignisse bei der Bob-WM im kanadischen Whistler: Wie der Pirnaer Francesco Friedrich fährt die Berlinerin Mariama Jamanka im ersten Lauf auch Bahnrekord, ist den Minuten später gleich wieder los, um sich im zweiten Lauf umso eindrucksvoller zurückzumelden und die Führung zu übernehmen. Mit Anschieberin Annika Drazek liegt die Olympiasiegerin zur Halbzeit an der Spitze - und das mit 0,13 Sekunden Vorsprung auf Titelverteidigerin Elena Meyers Taylor aus den USA.

Dieser Zweikampf ist zu erwarten gewesen, genauso wie das Duell Friedrich gegen den Kanadier Kripps bei den Männern. Die Überraschung des Samstagvormittags (Ortszeit) ist vielmehr der dritte Platz der Oberbärenburgerin Stephanie Schneider, die von Ann-Christin Strack angeschoben wird und im Training gleich dreimal gestürzt war. Mit 0,47 Sekunden liegt sie zwar klar hinter Platz eins zurück, hat allerdings mit 0,34 Sekunden auch einen deutlichen Vorsprung auf den vierten Rang.

Anzeige
Symbolbild Anzeige

Bierstadt und Boomtown!

Von wegen „graue Maus“: Radeberg hat allen Grund, selbstbewusst zu feiern! Es gibt zwei augenzwinkernde Bonmots, die in Radeberg die Runde machen. 

Von ihrem Gefühls-Chaos im schnellsten Eiskanal der Welt erzählt die 28-Jährige danach im Gespräch mit sächsische.de.


Stephanie, was sagen Sie zum Zwischenstand?

Puh... Ich freue mich schon ein bisschen, aber es ist leider nur der erste Tag - und die WM hat zwei. Es werden ja mittlerweile alle wissen, dass meine Trainingswoche hier nicht glorreich verlaufen ist. Deshalb bin ich jetzt ganz geerdet. Denn das ist halt Whistler, da kann alles passieren.

Sie spielen auf Ihre drei Stürze im Training an. Mit welchem Gefühl sind Sie in den Wettkampf gegangen: Angriff oder Sicherheit?

Weder noch. Ich hatte ehrlich gesagt noch kein richtiges Konzept für Kurve zwölf. Die Basis war da, aber ich konnte das noch nicht umsetzen. Mein Gefühl war daher sehr gemischt - und der erste Lauf ziemlich nervenaufreibend.

Wenn Sie von gemischten Gefühlen sprechen, meinen Sie damit auch Angst?

Definitiv. Denn wenn man sich auf dieser Bahn bei Geschwindigkeiten von mehr als 140 km/h seiner Linie nicht sicher ist, spielt sich innerlich einiges ab.  Deshalb muss ich den ersten Lauf nicht noch einmal haben. 

Ist von den Stürzen etwas hängengeblieben?

Drei Stürze hinterlassen schon ihre Spuren. Im Ziel habe ich mich einfach gefreut. Die Zeiten sind letztlich egal, Hauptsache die Fahrten sind ordentlich. Mehr will ich eigentlich gar nicht. Mich freut es, dass Mariama vorne liegt. Und auch Anna (sie meint die achtplatzierte Köhler, d.A.) hat sich gut verkauft.  Als German-Bob-Ladies werden wir morgen noch mal angreifen. 

Heißt das, ein bisschen riskanter fahren?

Also ich definitiv nicht. Das überlasse ich Mariama. Sie verkauft sich hier mega, sie hat's echt drauf. Das freut mich. Wir anderen machen aber auch unser Ding, und dann schauen wir, was am Ende rauskommt. 

Die entscheidenden Läufe drei und vier finden am Sonntagabend ab 22 Uhr deutscher Zeit statt.