merken
PLUS Sebnitz

99-Jährige schildert den 13. Februar 1945

Käthe Häntzschel hat die Bombardierung Dresdens überlebt. Die Erlebnisse beschäftigen die Sebnitzerin bis heute. In einem Video erzählt sie davon.

Auf Youtube erzählt Käthe Häntzschel aus Sebnitz wie sie den 13. Februar 1945 in Dresden erlebte.
Auf Youtube erzählt Käthe Häntzschel aus Sebnitz wie sie den 13. Februar 1945 in Dresden erlebte. © Screenshot SZ

Es ist ein Erlebnis, das sie bis zum heutigen Tage tief bewegt, sagt Käthe Häntzschel, besonders jetzt im Februar, wenn sich der Bombenangriff auf Dresden wieder einmal jährt. Am 13. Februar 1945 kehrte der vom nationalsozialistischen Deutschland entfachte Zweite Weltkrieg mit aller Gewalt auch nach Dresden zurück. Die historische Altstadt wurde bei der Bombardierung komplett zerstört, 25.000 Menschen starben.

Die Sebnitzerin Käthe Häntzschel war damals als junge Frau Anfang 20 beim Reichsarbeitsdienst und wohnte in der Nähe des Großen Gartens in Dresden. Am Abend des 13. Februar 1945 war gerade eine frühere Kollegin bei ihr zu Besuch, es gab Hefeklöße, die Freundinnen hatten sich viel zu erzählen. Erst als die Sirenen zum zweiten Mal ertönten, begaben sie sich in den Luftschutzkeller.

njumii – Das Bildungszentrum des Handwerks
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.

njumii ist der Ausgangsort für individuelle Karrieren. Im Handwerk. Im Betrieb. Im Mittelstand. In der Selbstständigkeit.

Im Keller konnten sie nicht lange bleiben. Zwei Männer waren nach draußen gegangen und hatten entdeckt, dass das Haus bereits brannte. Als sie nach draußen traten, sahen sie das Inferno. "Es war ein heftiger Sturm, ein Feuerschein und ein Gejammer - man kann es sich gar nicht vorstellen", erzählt die heute 99-jährige Käthe Häntzschel.

Die zweite Angriffswelle erlebten Käthe Häntzschel und ihre Freundin Gerda im Freien. Die zweite Welle sei noch schlimmer gewesen als die erste. "Bomben, Bomben, Bomben und eine Feuerbrunst." Die beiden jungen Frauen blieben unter einem Baum stehen und begannen zu beten.

Das Gespräch mit der Zeitzeugin hat der Sebnitzer Pfarrer Lothar Gulbins im vergangenen Jahr geführt und auf Video aufgezeichnet. Eigentlich war es nur für die Konfirmanden-Freizeit der Kirchgemeinde Sebnitz-Hohnstein gedacht. Mit der Erlaubnis von Käthe Häntzschel hat Pfarrer Gulbins das Video nun anlässlich des 13. Februars auf den YouTube-Kanal der Kirchgemeinde hochgeladen. Dort sollen in den kommenden Wochen weitere kurze Filme erscheinen von Menschen, die aus ihrem Leben berichten.

Käthe Häntzschel und ihre Begleiterin schafften es, als der Angriff abgeklungen war, schließlich zu Fuß bis nach Pirna. Von dort fuhren sie in überfüllten Zügen nach Bad Schandau und weiter bis nach Sebnitz, wo sie um fünf Uhr abends am Folgetag ankamen. Die Kraft für ihren Weg aus der brennende Stadt schöpften die beiden vor allem aus ihrem Glauben an Gott. "Das gab uns immer wieder Kraft, wenn's mal nicht weiter gehen wollte", erzählt die 99-Jährige.

Weiterführende Artikel

13. Februar: „Werden wir morgen noch leben?“

13. Februar: „Werden wir morgen noch leben?“

Sie sind achtzig Jahre und älter, haben den Krieg erlebt. Wie geht es ihnen jetzt in der Corona-Zeit? Fünf Menschen erzählen von Entbehrungen, Ängsten und Hoffnungen.

Multimedia-Essay: Dresden, 13. Februar 1945

Multimedia-Essay: Dresden, 13. Februar 1945

Die größte Katastrophe der Stadt samt Vor- und Nachgeschichte: Hier erzählen wir sie in Bildern, Texten und Interviews mit Zeitzeugen.

"Wenn der 13. Februar kommt, das wühlt immer wieder auf", sagt Käthe Häntzschel. Ihren Glauben an Gott konnte die Ereignisse dieser Nacht jedoch nicht erschüttern. Im Gegenteil - ihr Glaube wurde dadurch gestärkt, erklärt die Sebnitzerin in dem Video.

Mehr Nachrichten aus Sebnitz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Sebnitz