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Sächsische Schweiz: Antonov ist gelandet

Erik Herbert baut aus einem Russenflieger eine pfiffige Herberge in Altendorf. Da wird es schon vor der Eröffnung spektakulär.

Kommt eine Antonov am Haken geflogen. So geschehen im Sebnitzer Ortsteil Altendorf.
Kommt eine Antonov am Haken geflogen. So geschehen im Sebnitzer Ortsteil Altendorf. © Steffen Unger

Altendorf zur Mittagszeit. Ans Essen denkt hier heute keiner. Großes hat sich angekündigt. Der Altendorfer Erik Herbert lässt eine Antonov AN2, im damaligen Ostblock auch liebevoll Tante Anna oder weniger schmeichelhaft Kastendrachen genannt, an ihren neuen Standort "einfliegen".

Das Spektakel wollen sich Medien wie auch Einwohner nicht entgehen lassen. Schließlich kommt es nicht alle Tage vor, dass sich jemand ein Flugzeug in den Garten stellt. Darin sollen einmal Urlauber übernachten. Kenner wissen, es ist der größte einmotorige Doppeldecker der Welt. Saechsische.de hat den komplizierter "Überflug" in Altendorf begleitet.

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Landung gelungen. Der Flieger steht nun an seinem neuen Standort, Obere Dorfstraße 1 in Altendorf.
Landung gelungen. Der Flieger steht nun an seinem neuen Standort, Obere Dorfstraße 1 in Altendorf. © Steffen Unger

Am schwierigsten war der Überflug vom Zwischenparkplatz Sebnitzer Straße 6 auf den endgültigen Standort, dem darunterliegenden Grundstück Obere Dorfstraße 1.

Dafür war eigens ein Schwerlastkran aus Radeberg angerollt. Schon das Einrangieren des monströsen Gerätes war nichts für schwache Nerven, hier mussten Profis ran. Wochen vorher wurde alles genau ausgemessen, die Flugbahn bestimmt. Schließlich musste auch ein Gebäude überwunden werden. Gegen 12.30 Uhr wurde der Kranarm langsam ausgefahren, per Hand gesteuert schwebte er wenige Minuten später über dem Dach des Flugzeugs.

Erik Herbert befestigt dann die Traversen. Etwas aufgeregt ist er schon. Schließlich könnte jede Menge schiefgehen und im schlimmsten Fall das Flugzeug abstürzen. Gleich mehrere Gebäude wären dann in Gefahr. Marketing-Unternehmer Herbert scheint der geborene Optimist zu sein. "Wird schon alles klappen", sagt er. 12.53 Uhr hängt der Flieger am Haken. Langsam hebt ihn der Kran an. Das Heck neigt sich gefährlich nach links. Per Seil wird es wieder in die richtige Lage gebracht. Der Flug kann beginnen.

Der Russenflieger hebt ab, ganz ohne Tragwerk

Inzwischen haben sich Schaulustige entlang der Oberen Dorfstraße eingefunden. Die sind begeistert bis skeptisch. "Ich finde es eine coole Idee, mal eine ganz andere Übernachtungsmöglichkeit. Warum nicht?", sagt ein junger Mann. Eine etwas ältere Dame schüttelt dagegen den Kopf. In einem Flugzeug wolle sie nicht schlafen.

Noch immer schwebt die Antonov hoch oben am Haken. Ganz langsam erreicht sie ihren vorbestimmten Platz. Die Betonplatte wurde schon vor Wochen gegossen. Passgenau senkt sich der Kran. Das Heck des Fliegers kommt den kleinen Fenstern im Haus darunter ziemlich nahe. Hier ist alles dicht bebaut, kaum Platz für solche Aktionen.

Stopp. Die Leute vom Fernsehen brauchen noch eine Einstellung vom Schwebezustand. Also nochmal leicht nach oben. Inzwischen hat auch ein Team von einem russischen Fernseh-Sender mit Standort in Berlin Position bezogen. Für sie ist die Aktion von ganz besonderem Interesse. Denn das Flugzeug ist eine russische Maschine, gebaut nach dem Zweiten Weltkrieg für zivile und militärische Zwecke. In unseren Breiten war sie zuletzt vor allem bekannt durch Einsätze in der Land- und Forstwirtschaft.

Eigentümer Erik Herbert entfernt die Ketten des Kranes. Er kann nun mit dem Innenausbau der AN2 beginnen. Im Sommer soll alles fertig sein.
Eigentümer Erik Herbert entfernt die Ketten des Kranes. Er kann nun mit dem Innenausbau der AN2 beginnen. Im Sommer soll alles fertig sein. © Steffen Unger

In Altendorf wartet nun eine ganz neue Bestimmung auf den Flieger. Die Antonov AN 2 wird zum Mini-Hotel für vier Personen umgebaut. Eigentlich sollte der Innenausbau schon begonnen haben. Rückschläge sind bei einem solch großen Projekt aber vorprogrammiert. Dass er coronabedingt gleich in zwei Lockdowns gerät, konnte Erik Herbert vorher nicht ahnen. Mitten in der Krise setzt er nun unbeirrt sein Tourismusprojekt fort. Es werde ja auch mal besser. In den letzten Wochen zählte er dann aber doch auf die Sekunde genau, wann denn nun endlich die Antonov in seinem Grundstück aufgestellt werden kann.

Die neu Art, in der Sächsischen Schweiz zu urlauben

Immerhin möchte er spätestens im Sommer die ersten Feriengäste in seinem Russenflieger-Hotel wohnen lassen. 399 Euro soll eine Nacht kosten. Dafür können die Gäste nicht nur Fliegeratmosphäre atmen, sondern auch den Ausblick auf die Sächsische Schweiz genießen. Die Sächsische Schweiz entwickelt sich als Urlaubsregion immer weiter, und von Dresden bis Altendorf sind es nur wenige Autominuten. Also ideal, hier eine außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit anzubieten, sagte sich Erik Herbert.

Außergewöhnlich ist auch die Geschichte, wie er zu dem Flugzeug gekommen ist. Erik Herbert wollte eigentlich eine Ferienwohnung einrichten und hat dazu das Nachbarhaus Obere Dorfstraße 1 gekauft. Beim näheren Hinsehen merkte er jedoch schnell, das wird nichts. Der Zustand des Hauses ist schlecht. Da er selbst Pilot ist, kam ihm die Idee, doch ein Flugzeug in den Vorgarten des neu erworbenen Grundstücks zu stellen und es als Feriendomizil auszubauen.

Auf der Suche nach dem passenden Flieger wurde er in Polen fündig. 5.000 Euro hat die Maschine gekostet. Alle Vorarbeiten wurden auch dort geleistet. Alle Teile wurden geschliffen und neu lackiert. Der Motor wurde komplett gereinigt und die Innenausbauten soweit entfernt, sodass nur der Rumpf übrig geblieben ist.

Viel Platz für Erik Herberts weitere Visionen. Vor ihm liegt jetzt noch ein ganzes Stück Arbeit. Auf seinem Grundstück wird der alte Flieger zum Luxuscamper umgebaut. Mit allem Komfort, wie der Altendorfer sagt.

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