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Ferkelmast geht Anwohnern auf die Nase

Eine Bürgerinitiative im Stolpener Ortsteil Langenwolmsdorf wehrt sich gegen Massentierhaltung. Jetzt stinkt es gewaltig. Und das ist nur der Anfang.

Die Schweinemastanlage in Langenwolmsdorf bei Stolpen.
Die Schweinemastanlage in Langenwolmsdorf bei Stolpen. © Daniel Schäfer

Mit der ehemaligen Schweinemastanlage in Sichtweite begeben sich einige Langenwolmsdorfer und Stolpener jetzt auf eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit, könnte man meinen. 

Bei ihnen stinkt es gewaltig ums Haus, so wie schon zu DDR-Zeiten oder wie bis vor drei Jahren. Denn 2017 wurde die ehemalige Schweinemastanlage geschlossen. Gleichzeitig aber an den niederländischen Landwirt Marten Tigchelar verkauft. Nach gestankfreien drei Jahren ließ dieser kürzlich den Komplex, nun mit 2.000 Ferkeln, in Betrieb genommen. 

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Das Schweinesteak vom Grill mag gut schmecken, zu Lebzeiten ist das, was der Fleischlieferant von sich gibt, kein Genuss. Gunter Michel ist einer der betroffenen Nachbarn. Der Rentner wohnt seit 50 Jahren in Sichtweite zur Anlage und er wie auch seine Nachbarn waren froh, dass der Betrieb seinerzeit eingestellt wurde. "Diese drei Jahre waren eine Zeit, in der wir unbeschwert im Freien auf der Terrasse und im Garten den Feierabend genießen konnten", sagt er. Und keine Frage, der Duft, der um sein Haus weht, stinkt und sticht in der Nase, lässt das Atmen schwer werden. "Wird so mein Recht auf eine angemessene Gewährung von Lebensqualität umgesetzt?", fragt er entrüstet. Noch schlimmer wird es, wenn der Wind aus Süd-Westen komme oder auch bei Windstille.  Denn da sammeln sich der gesamte Gestank und alle sonst noch giftigen Abgase im Tal. 

Plan für Erweiterung umstritten

Das Ganze ist erst der Anfang. Für die Einstallung der jetzt 2.000 Ferkel brauchte der Landwirt keine Genehmigung. Es will aber noch weit mehr Ferkel züchten. Die Rede ist von 14.500 bis gut 18.000 Ferkeln mit einem Vierteljahr Mastzeit. Allerdings benötigt der Agrar-Investor für einen umfangreichen An- und Umbau der Anlage einen Bebauungsplan.

An dem wird nun schon seit reichlich zwei Jahren gearbeitet. Und es existieren noch einige Ungereimtheiten. Kritik gab es bislang nicht nur an der Anzahl der geplanten Ferkel im Stall, sondern auch am Abstand zur Wohnbebauung. Der müsste 240 Meter sein. In der Tat sind es aber nur an die 80 Meter bis zum nächsten Wohnhaus. Ursprünglich wollte der Investor auch eine Abluftreinigungsanlage einbauen. Doch er hat seine Pläne geändert. Bereits Ende 2019 verkündete er, dass er nun doch keine Abluftreinigungsanlage einbauen werde, so wie er es ursprünglich vorgesehen hatte. Er nehme davon Abstand und begründete das mit Investitionsrisiken aufgrund der derzeit geführten öffentlichen Diskussion um das Unternehmen. Stattdessen wird Tigchellar die bisherige offene Güllelagune weiter nutzen. Sachsen ist eines der wenigen Bundesländer, in denen diese Technik noch geduldet wird.

Egal ob mit alter Güllegrube oder neuer oder auch Abluftreinigungsanlage, der Gestank wird sich weiter in Stolpen und Langenwolmsdorf ausbreiten. Nicht nur dagegen, sondern vor allem gegen die Massentierhaltung protestiert die Bürgerinitiative "Keine Schweinemastanlage in Stolpen" seit April 2019. Anlass für deren Gründung war eine Havarie am 8. und 9. April 2019. Da lief Gülle über Langenwolmsdorfs Wiesen und in den Dorfbach hinein. Die Bürgerinitiative stellte Anzeige bei der Polizei. Inzwischen liegt der Vorgang schon seit Längerem auf dem Tisch der Staatsanwaltschaft in Dresden. Von dort heißt es, dass die Bearbeitung noch eine Weile dauern, der Vorgang aber vor Gericht kommen werde.

Monatlich Geruchsbögen ausfüllen

In der zuständigen Umweltbehörde im Landratsamt geht man aber davon aus, dass durch die Wiederinbetriebnahme der Anlage keine gesundheitlichen Gefahren für Anwohner und Gäste ausgehen. Konkret heißt das, dass laut Prüfung die gesetzlichen Grenzwerte nicht überschritten werden. Das sehen die Betroffenen anders. Nach acht Wochen Wiederinbetriebnahme könne man aber noch keine Rückschlüsse ziehen. Der Zeitraum wäre viel zu kurz. 

Die Geruchsemissionen, die von der aktuellen Anlage ausgehen, sind tatsächlich schwer messbar. Um Anhaltspunkte über die Geruchsbelästigung zu bekommen gibt das Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge daher Geruchserfassungsbögen aus, die von den Anwohnern ausgefüllt werden können. Diese erfassen die subjektive Einschätzung der Gerüche. Die Bürgerinitiative ruft nun die Betroffenen dazu auf, diese Bögen kontinuierlich, über den Zeitraum von einem Jahr hinweg auszufüllen. Die Bögen sind monatlich auszufüllen und an das Landratsamt zu senden. 

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