merken
PLUS Sebnitz

Gedenkstein für Vertriebene eingeweiht

Nach Kriegsende 1945 fanden Deutsche aus den grenznahen Gebieten in Hinterhermsdorf Zuflucht. Daran wird jetzt erinnert.

Gedenkstein an der Buchenparkhalle: Dank an die Menschen der Region.
Gedenkstein an der Buchenparkhalle: Dank an die Menschen der Region. © Steffen Unger

An der Buchenparkhalle in Hinterhermsdorf erinnert seit Kurzem ein Gedenkstein an Ereignisse vor 75 Jahren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fanden hier zahlreiche Vertriebene aus den grenznahen Städten und Dörfern der damaligen Tschechoslowakei eine erste Zuflucht. Viele lagerten in den umliegenden Wäldern, manche fanden in den Mühlen des Kirnitzschtals ein vorübergehendes Obdach.

Mit dem Kriegsende fiel das 1938 von Nazi-Deutschland annektierte Sudetenland an die Tschechoslowakei zurück. Die dort lebenden Deutschen mussten ihre Häuser oft überstürzt verlassen. Unter anderem wurden Bewohner aus der Gegend um Česká Kamenice (Böhmisch-Kamnitz ) und Benešov nad Ploučnicí (Bensen) in Richtung Hinterhermsdorf eskortiert. 

Stars im Strampler aus Sebnitz
Stars im Strampler aus Sebnitz

So klein und doch das ganz große Glück: Wir zeigen die Neugeborenen aus der Region Sebnitz.

"Die einheimische Bevölkerung hier in Hinterhermsdorf gab Beistand, so gut sie konnte, war jedoch mit der Anzahl der Menschen total überfordert", schreibt Sieglinde Vendolsky, eine Zeitzeugin, die heute in Königstein im Taunus lebt. 

Am 5. September wurde ein Gedenkstein eingeweiht, der an diese Ereignisse erinnern und den Dank an die Bevölkerung von Hinterhermsdorf und Umgebung zum Ausdruck bringen soll. Erste Verbindungen zwischen den Vertriebenen und dem heutigen Česká Kamenice wurden vor 30 Jahren geknüpft. "Es war ein beginnender Brückenschlag, der Vertrauen auf beiden Seiten gefestigt hat", schreibt Sieglinde Vendolsky. Die Schirmherrschaft für den Gedenkstein hat schließlich die Sudetendeutsche Landsmannschaft - Landesverband Berlin übernommen, finanziert wurde er über Spenden.

Zur Einweihung der Gedenkstätte spielten das Jugendblasorchester Sebnitz und eine Jazz-Gruppe aus Česká Kamenice. Es sprachen der Beauftragte des Freistaates Sachsen für Vertriebene und Spätaussiedler Jens Baumann, der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU), ein Vertreter der Stadt Česká Kamenice, Rudolf Fischer von der Sudetendeutschen Landsmannschaft sowie der 91-jährige Zeitzeuge Oswald Kittel, der seine detaillierten Erinnerungen schilderte. (SZ)

Mehr zum Thema Sebnitz