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Stolpen: Schweinegülle, nächster Akt

Vor zwei Jahren lief Gülle aus der ehemaligen Schweinemastanlage. Wie das passieren konnte, soll am 23. November vor Gericht geklärt werden.

In der ehemaligen Schweinemastanlage bei Stolpen werden jetzt 4 500 Ferkel gemästet.
In der ehemaligen Schweinemastanlage bei Stolpen werden jetzt 4 500 Ferkel gemästet. © Daniel Förster

Bereits am 12. Oktober sollte vor dem Amtsgericht in Pirna geklärt werden, weshalb am 8. und 9. April 2018 Gülle aus der damals stillgelegten Schweinemastanlage auslaufen konnte. Der Prozess musste verschoben werden. Am 23. November wird die Verhandlung nachgeholt. Für die Bürgerinitiative "Keine Schweinemastanlage in Stolpen" heißt das, dass sie endlich Klarheit darüber bekommen könnten, warum an diesen beiden Tagen Gülle in den Langenwolmsdorfer Bach gelaufen ist.

Allerdings ist die Gerichtsverhandlung nur in weiterer Akt im Drama um die ehemalige Schweinemastanlage im Stolpener Ortsteil Langenwolmsdorf. Zu DDR-Zeiten wurden hier bis zu 6.000 Schweine gezüchtet. Die letzten Tiere wurden 2017 ausgestallt und die Luft war wieder sauber. 

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Mastanlage soll deutlich größer werden

Später kaufte der niederländische Schweinezüchter Marten Tigchelaar die Anlage. Derzeit mästet die Stolpen AGRO GmbH hier im Takt von drei Monaten 4.500 Schweine. Tigchelaar will die Anlage erweitern, um künftig 14.500 Ferkel zu mästen, ebenfalls im Drei-Monats-Takt. Inzwischen hat der Investor beim Landratsamt eine Vorlage eingereicht zur Vorbereitung eines Genehmigungsverfahrens nach Bundesimmissionsschutzgesetzt für die Erweiterung der Anlage auf 14.480 Plätze. Ihren Sitz hat die Gesellschaft in Striegistal, Ortsteil Pappendorf. Dort hält Tigchelaar Zuchtsauen und in einem weiteren Betrieb bereits Ferkel. Offenbar ein lohnendes Geschäft.

Anwohner und BUND wehren sich gegen große Ferkelzucht

Für die Erweiterung in Stolpen will der Eigentümer alle Stallgebäude mit einer Abluftreinigungsanlage ausstatten und einen abdeckbaren Güllebehälter errichten. Gegen die 4.500 Ferkel und die Erweiterungspläne wehren sich die Bürgerinitiative "Keine Schweinemastanlage in Stolpen" sowie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Ziel müsse es sein, dass alle heute geltenden Umweltauflagen wie Mindestabstand zur Wohnbebauung oder Schutz vor Geruchsbelästigung berücksichtigt werden. Aus Sicht von Bürgerinitiative und des BUND Sachsen ist die erweiterte Anlage nicht genehmigungsfähig.

Darüber hinaus ist die Betriebserlaubnis für die Schweinemast in der Anlage am 9. März 2020 erloschen. Die 4.488 Ferkel darf er weiter dort mästen. Die Bürgerinitiative und der BUND Sachsen forderten jetzt erneut die Schließung.

Tote Fische im verseuchten Bach

Doch zunächst geht es in der Verhandlung darum, weshalb am 8. und 9. April 2018 Gülle von der ehemaligen Schweinemastanlage in den Langenwolmsdorfer Bach gelaufen ist. Was war passiert? Anwohner merkten an beiden Tagen, dass ein penetranter Güllegeruch in der Luft lag. Auf dem Langenwolmsdorfer Bach hatten sich Schaumkronen gesammelt. Sie gingen der Sache auf den Grund. Als Quelle der Verunreinigung konnten ein Rohr, von der Mastanlage kommend, sowie Spuren eines Fassanhängers auf der Wiese unterhalb des Betriebes ausgemacht werden.

Von dort floss die Gülle in das kleine Bächlein unterhalb der Wiese, durch einen Teich zum Langenwolmsdorfer Dorfbach und dann weiter nach Altstadt. Im Anschluss hatten die Anwohner Proben genommen.  Die Untere Wasserbehörde des Umweltamtes wurde informiert. In Stolpen-Altstadt wurden dann sogar tote Fische im Bach entdeckt. Warum das passieren konnte, müssen die Richter am 23. November klären. Mitglieder der Bürgerinitiative sind als Zeugen geladen. 

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Inwieweit der Ausgang des Verfahrens Einfluss auf den Weiterbetrieb der Anlage hat, ist noch offen. Das Landratsamt kündigte bereits an, falls es zu einer Verurteilung wegen einer Umweltstraftat komme, dann prüfe man die Zulässigkeit des Anlagenbetreibers.

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