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So geht private Flutvorsorge

Das große Hochwasser vor fünf Jahren gerät schon wieder in Vergessenheit. Gefährlich, sagt ein Verein und bietet Hilfe an.

© Marko Förster

Von Thomas Möckel

Pirna. Gemächlich döst die Elbe derzeit vor sich hin, der Wasserstand sinkt seit Tagen, er nähert sich einer neuen Niedrigmarke. Der Pegel Schöna meldet am Donnerstagmittag 1,04 Meter, der Pegel in Dresden 88 Zentimeter. Vor fünf Jahren, am 6. Juni 2013, zeigte der Strom hingegen seine gewaltige Seite, der Pegel in Schöna maß 10,65 Meter, der Höchststand in Pirna lag bei 9,66 Meter. Vielen ist das gar nicht mehr so bewusst.

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Obwohl erst fünf Jahre her, ist diese Flutkatastrophe selbst von den Betroffenen schon weit entrückt, konstatiert der Verein Arche Nova aus Dresden, der sich um Menschen in Not kümmert. Nach dem Hochwasser 2013 halfen die Engagierten hauptsächlich Vereinen beim Wiederaufbau, in Pirna profitierten beispielsweise der Ruderverein sowie die Kita Spieloase von den Spenden. Zugleich warb die Arche bei den Spendenempfängern und anderen Betroffenen, für den Wiederholungsfall selbst Vorsorge zu treffen.

„Doch die Eigenvorsorge ist ein schweres, abstraktes Thema und gerät schnell mal in den Hintergrund“, sagt Bianka Ruge, Referentin für Fluthilfe und Katastrophenvorsorge des Vereins. Daher sei es schwierig, die Menschen zu überzeugen, sich damit auseinanderzusetzen. Messbar ist das sogar in Zahlen: Als Arche Nova im Frühjahr 2018 an der Pirnaer Volkshochschule Kurse zur Eigenvorsorge anbot, meldete sich kein einziger. Bei der Arche geht man jetzt auf die etwas härtere Tour, um Gehör zu finden.

Mit dem provokanten Spruch „Das nächste Hochwasser kommt bestimmt – zu wenige interessiert’s!“ tourt der Verein nun mit einem Floß die Elbe von Pirna nach Dresden hinab, um abermals auf die Bedeutung der Vorsorge aufmerksam zu machen. „Es ist wichtig, dass das Thema Hochwasser nicht aus den Köpfen verschwindet“, sagt Bianka Ruge. Auch wenn Vorsorge das Wasser nicht aufhalten kann, hilft sie doch, sich im Ernstfall besser zurechtzufinden.

Laut Ruge basiert die Eigenvorsorge auf drei wesentlichen Komponenten: bauliche Vorsorge, möglichst ein Versicherungsschutz sowie ein Notfallplan. Hauptsächlich bei Letzterem kommt Arche Nova ins Spiel. Aus der Erfahrung von nunmehr drei Flutkatastrophen innerhalb von elf Jahren – 2002, 2006 und 2013 – entwickelte der Verein einen Vorsorgeplan. Er gibt potenziellen Flutopfern eine Art Leitfaden an die Hand, damit sie bei einem neuen Hochwasser nicht die gleichen Verluste wie beim letzten Mal erleiden.

Die Vereinsarbeit mündete in dem Handbuch „Katastrophenmanagement im Verein“, das gleichermaßen auch für Privatpersonen oder Betriebe anwendbar ist. Das Handbuch enthält beispielsweise Merkblätter zur Gefahrenanalyse für alle möglichen Szenarien – Hochwasser, Starkregen, Sturm, Schnee, Trockenheit, Feuer. Ergänzt wird der Leitfaden mit einer Checkliste, wie sich Katastrophen bewältigen lassen und was man konkret davor, währenddessen und anschließend tun kann – beispielsweise, wichtige Unterlagen sichern, Notvorräte anlegen, sich nicht selbst in Gefahr bringen und erst aufräumen, wenn sämtliche Gefahrenquellen beseitigt sind. Zudem beinhaltet die Vorsorgemappe Checklisten, die man selbst ausfüllen kann, sei es die Reihenfolge, in der Aufgaben zu erledigen sind, eine Liste von Verantwortlichen, eine Übersicht benötigter Werkzeuge und Fahrzeuge. Weiter hinten lassen sich auf einer Liste wichtige Notfallnummern und Kontakte notieren, danach lassen sich wichtige Dokumente abheften.

Für Bianka Ruge hat eine einmal sorgsam angelegte Vorsorgemappe, die ja in ihren Grundzügen dauerhaft gilt, vor allem eine psychologische Komponente. „Wer sich so etwas zurechtlegt, weiß, dass er für den Katastrophenfall vorbereitet ist“, sagt sie. Das nehme einen Großteil der Panik und beuge dem Gefühl vor, Katastrophen hilflos ausgeliefert zu sein. Es sei äußerst wichtig, einen Plan zu haben, was im Ernstfall in welcher Reihenfolge zu tun ist. „So lassen sich auch manche Schäden gering halten“, sagt Ruge.

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Viele Vereine, die Arche Nova beim Wiederaufbau finanziell unterstützte, haben inzwischen einen solchen Notfallplan. Darüber hinaus berät der Verein aber auch alle anderen Interessenten – egal, ob Verein oder Privatperson – zum Thema Eigenvorsorge vor Hochwasser und hilft, die Checklisten zu erstellen. Wer mag, kann sich das Katastrophenmanagement-Handbuch bei der Arche besorgen, für den Ordner in Papierform nimmt der Verein eine symbolische Aufwandsentschädigung von 15 Euro. Den Vorsorgeplan sowie die Checklisten gibt es aber auch kostenlos auf der Internetseite des Vereins unter dem Stichwort „Katastrophenvorsorge“. Zudem will ARche Nova im November dieses Jahres noch einmal Vorsorgekurse an der Pirnaer Volkshochschule anbieten. Die mehrstündigen Einheiten kosten etwa 30 Euro.

www.arche-nova.org