merken
PLUS Sport

Biathletin Herrmann: „Lieber eingeschränkt als gar nicht“

Die ehemalige Weltmeisterin denkt bei der deutschen Meisterschaft in Altenberg schon an den Winter und klingt dabei fast trotzig.

Mit Maske wartet Denise Herrmann in Altenberg auf die Siegerehrung. Sie wird Dritte im Einzel.
Mit Maske wartet Denise Herrmann in Altenberg auf die Siegerehrung. Sie wird Dritte im Einzel. © Matthias Rietschel

Altenberg. Die Medaillen, die auf einem Kissen gereicht werden, müssen sich die Biathletinnen selbst um den Hals hängen. Mit einer Maske stehen sie auf dem Siegertreppchen im Altenberger Biathlon-Stadion, winken und schnappen sich auch die bereitgelegten Blumensträuße und Präsentbeutel selbst. Das sonst obligatorische Autogrammschreiben und Selfieschießen fällt diesmal aus. Rund 500 Zuschauer sind gekommen, klatschen und schwenken Fahnen mit Bildern ihrer Lieblinge drauf, doch sie müssen Abstand halten. Es sind die ersten deutschen Biathlon-Meisterschaften unter Corona-Bedingungen.

„Der Wettkampf bleibt zwar der gleiche, aber das ganze Drumherum ist schon ein bisschen speziell“, findet Denise Herrmann, die im verkürzten Einzelwettbewerb über 12,5 Kilometer, der auf Skirollern ausgetragen wird, auf Platz drei kommt. Fünf Schießfehler verhindern ein besseres Ergebnis. Siegerin Janina Hettich und die Zweitplatzierte Maren Hammerschmidt verfehlen jeweils nur eine Scheibe. „Die fünf Fehler sind ärgerlich. Im Weltcup hat man damit nicht viel zu melden“, erklärt Herrmann.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Die Weltcup-Saison soll Ende November im finnischen Kontiolahti beginnen. Soll. Wie es tatsächlich kommt, weiß derzeit niemand. Über die ersten drei Stationen will der Vorstand der Internationalen Biathlon-Union (IBU) bei einer Sitzung am 28. November entscheiden. Wer derzeit nach Finnland einreist, muss dort erst mal 14 Tage in Quarantäne.

„Das Wichtigste ist, dass überhaupt Rennen stattfinden können“, findet Herrmann. „Mit Zuschauern wäre es schöner. Es macht den Biathlon schließlich aus, dass man von den Emotionen getragen wird, aber lieber eingeschränkt als gar nicht.“

Bis jetzt blieben die Skijäger weitestgehend verschont von pandemiebedingten Einschränkungen. Zwei Weltcups wurden im vergangenen Winter vor leeren Rängen ausgetragen, das Finale in Oslo komplett abgesagt. „Aber sonst?“, überlegt Hermann kurz. „Ich konnte den für April gebuchten Urlaub nicht antreten. Das ist natürlich Jammern auf hohem Niveau.“ Die 31-Jährige fliegt zusammen mit ihrem Freund, dem ehemaligen Skilangläufer Thomas Wick, gern in die Karibik. Statt unter Palmen lag sie diesmal in der Wahlheimat Ruhpolding auf dem Sofa. „Ich konnte mal so richtig Frühjahrsputz machen, tief in den hintersten Schubladen kramen.“

Kritik am Herunterfahren der Dopingkontrollen

Bis Ende Juni wurde auf Lehrgänge, also aufs Reisen, verzichtet, die für August geplante Sommer-WM in Ruhpolding abgesagt. Das Training aber läuft nach Plan. Auf Corona-Tests verzichtet der Deutsche Skiverband (DSV). „Wir machen das nur bei Verdachtsfällen, also bei Erkältungssymptomen“, erklärt Bernd Eisenbichler, der Sportliche Leiter der Biathleten.

Anders sieht es bei den Dopingkontrollen aus. Die waren weltweit nahezu komplett eingestellt worden, was viele Athleten scharf kritisieren, weil sie fürchten, dass dies ausgenutzt wird. „Ich sehe das auch als großes Problem“, meint Eisenbichler. „Bei uns in Deutschland wurden die Dopingtests inzwischen hochgefahren. Da läuft es wieder normal. Ich hoffe, dass es anderswo genauso ist, weiß es aber nicht.“

Die Ungewissheit ist groß in diesen Wochen und Monaten. Das spürt man auch bei den Meisterschaften in Altenberg. Es ist der erste Wettkampf seit dem vorzeitigen Saisonende im Februar überhaupt. Das Männerteam aus der Schweiz mit dem aus Thüringen stammenden Trainer Jörn Wollschläger ist angereist und die Mannschaft aus Tschechien. Auch die Letten wollten als Gaststarter antreten. Das verhinderten jedoch in letzter Minute die Corona-Vorschriften.

Weiterführende Artikel

Biathlet Peiffer: „Notfalls unter einer Käseglocke“

Biathlet Peiffer: „Notfalls unter einer Käseglocke“

Der Olympiasieger spricht im Interview über die Corona-Folgen für die Biathleten, die Abhängigkeit vom TV und das Doping-Hickhack ums Staffel-Gold.

Ski-Weltcup soll trotz Corona stattfinden

Ski-Weltcup soll trotz Corona stattfinden

Noch sind die Rennen im Dezember in Dresden weit weg, doch schon jetzt gehen die Planungen los. Und die Weltcupmacher hoffen auf Zuschauer.

Herrmann holt sich den zweiten Titel

Herrmann holt sich den zweiten Titel

Der Vorsprung im Verfolgungsrennen ist enorm. Bei den Männern meldet sich ein alter Bekannter zurück.

Zinnwalder Arena besteht Corona-Test

Zinnwalder Arena besteht Corona-Test

Die Deutschen Meisterschaften im Biathlon beweisen, große Sportveranstaltungen sind möglich. Sogar mit Zuschauern. Und doch bleibt die Atmosphäre gedämpft.

Es könnte ein Vorgeschmack sein auf den Winter. Der Notfallplan der IBU sieht mehrere Weltcups an einem Ort vor, um das Reisen und die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Gedanken machen sich darüber auch die Athleten. „Man überlegt schon, wie es wird – ganz sicher nicht wie immer. So realistisch sollte man sein“, sagt Herrmann. Auf der anderen Seite sei es „nicht gerade motivierend, jeden Tag darüber nachzudenken, wie es wäre, wenn die Saison ausfällt. Für mich ist das Ziel nach wie vor sehr präsent: die WM im Februar in Pokljuka.“ Sie klingt dabei fast trotzig.

Dass irgendwie alles anders ist als gewohnt, zeigt sich auch bei den Ergebnissen der Männer: Johannes Donhauser siegt vor Dominic Schmuck. Beide sind noch nie im Weltcup gestartet.

Mehr zum Thema Sport