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Doch kein sächsischer Sonderweg im Sport

Der Corona-Lockdown trifft den Amateur- und Breitensport. Eine Ausnahme macht der Schulsport. Das es anders geht, zeigt Berlin. Wer als Profi gilt, ist Ansichtssache.

Bis auf wenige Ausnahmen sind die Sportplätze in Sachsen im November gesperrt. Der Amateur- und Freizeitsport soll komplett ruhen.
Bis auf wenige Ausnahmen sind die Sportplätze in Sachsen im November gesperrt. Der Amateur- und Freizeitsport soll komplett ruhen. © Jürgen Lösel

Dresden/Berlin. Die Lockdown-Beschlüsse von Berlin sind unmissverständlich, eigentlich. In Punkt fünf der Festlegungen, die Bundesregierung und Ministerpräsidenten beschlossen haben, heißt es unter anderem, dass Institutionen und Einrichtungen, die der Freizeitgestaltung zuzuordnen sind, bis 30. November geschlossen werden müssen.

Dazu gehören - das wiederum regeln die Absätze d, e und f - der Freizeit- und Amateursportbetrieb mit Ausnahme des Individualsports (allein, zu zweit oder mit dem eignen Hausstand) auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen, Schwimm- und Spaßbäder, Saunen und Thermen, Fitnessstudios und ähnliche Einrichtungen. Außerdem steht in Punkt sechs: "Profisportveranstaltungen können nur ohne Zuschauer stattfinden."

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Was aber heißt das genau? Wer ist Profi und wer nicht? Auslegungssache. Und genau so vollzieht sich das jetzt offenbar auch in der Praxis.

Klar ist allerdings eines: In Sachsen wird es die unter anderem vom Landessportbund geforderte Ausnahmeregelung für den Amateursport nicht geben. Der Freistaat setzt die von Bund und Ländern getroffenen Beschlüsse zum Sport direkt um. In der am späten Freitagabend veröffentlichten und ab 2. November geltenden neuen Corona-Schutzverordnung für Sachsen steht in Paragraf 4, dass Freibäder, Hallenbäder, Thermen, Saunen, Fitnessstudios und ähnliche Einrichtungen, soweit sie nicht medizinisch notwendiger Behandlungen dienen, sowie Anlagen und Einrichtungen des Freizeit- und Amateursportbetriebs zu schließen haben. Auch Tanzschulen gehören dazu.

Die Definitionen von "Profi" sind nicht einheitlich

Ausnahmen gelten wiederum für den Individualsport allein, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand. Das bedeutet konkret: Zum Beispiel Golf, Tennis oder auch Reiten sind weiterhin möglich. Und auch das private Sporttreiben in der Familie. Darüber hinaus ausgenommen vom Verbot sind Berufssportler und deren Wettkämpfe - die allerdings ohne Zuschauer stattfinden müssen. 

Laut sächsischer Corona-Schutzverordnung sind Profis, "für die ein Arbeitsvertrag besteht, der sie zu einer sportlichen Leistung gegen ein Entgelt verpflichtet und dieses überwiegend zur Sicherung des Lebensunterhalts dient, oder die dem Bundeskader (Olympiakader, Perspektivkader, Nachwuchskader 1) und Nachwuchskader 2 des Deutschen Olympischen Sportbundes oder dem Spitzenkader des Deutschen Behindertensportverbandes angehören oder die Kader in einem Nachwuchsleistungszentrum im Freistaat Sachsen."

Am Beispiel der Bobbahn in Altenberg sieht der neue Alltag nun vorerst so aus: Olympiasieger und Weltmeister Francesco Friedrich sowie die Mitglieder der deutschen Bob-Nationalmannschaft dürfen kommende Woche im Eiskanal wie geplant trainieren, das Training des sächsischen Rodel-Nachwuchses ist jedoch gestrichen. Und auch die Gäste-Bobfahrten sowie Ice-Tubing dürfen im November nicht stattfinden.

Der Schulsport bildet eine Ausnahme

Ausgenommen vom Sportverbot in Sachsen ist jedoch der Schulsport. Er wird auf Individualsport reduziert, Mannschaftssport im Unterricht soll es in den kommenden vier Wochen nicht geben, erklärt Kultusminister Christian Piwarz (CDU). 

Mit der neuen Corona-Schutzverordnung gehen die Hoffnungen vieler Sportinteressierte, von Verbänden und Vereinen auf eine Abweichung vom allgemeinen Sportverbot nicht in Erfüllung. Einen sächsischen Sonderweg wie ihn der Freistaat nach den Sommerferien beschritten hat, wird es diesmal nicht geben.

Das es anders geht, zeigt Berlin. Der dortige Fußballverband hat eine Ausnahme für Kinder bis zwölf Jahren durchgesetzt. Diese dürfen in festen Gruppen mit bis zu zehn Kindern und einem Betreuer im Freien trainieren.

Auch Fußball-Regionalliga darf nicht mehr spielen

Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) meldete indes bereits am Freitagnachmittag, dass der Spielbetrieb ab 2. November komplett und bis auf Weiteres ruhen muss. Das betrifft auch die Regionalliga, in der unter anderem die sächsischen Klubs Lok und Chemie Leipzig sowie der Chemnitzer FC, Bischofswerda und Auerbach vertreten sind. Laut NOFV bestand bis zuletzt die Hoffnung, dass die Bundesländer des Nordostens zumindest die Regionalliga der Männer als halb- bzw. semiprofessionell einstufen und damit der Spiel- oder zumindest der Trainingsbetrieb fortgesetzt werden könnte.

Diese Hoffnung beruhte nicht zuletzt auf der Definition "Profi" des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), der folgendes formuliert: "Nach DOSB-Verständnis fallen alle Kaderathlet*innen (OK, PK, NK 1 und 2) sowie die 1.-3. Ligen in allen olympischen und nicht-olympischen Sportarten, die vierte Liga im Männerfußball sowie nationale und internationale Sportveranstaltungen an denen professionelle Sportler*innen teilnehmen in diesem Fall unter die Definition Profisport." 

Die genauen Festlegungen in den Corona-Schutzverordnungen der jeweiligen Bundesländer sind nun jedoch andere, und daher stellt nicht nur der NOFV ernüchtert fest: Die Unterbrechung des Spielbetriebes ist die einzig logische Konsequenz.

"Die Regionalliga Nordost gilt als erste Amateurspielklasse und muss somit ebenfalls pausieren", sagt NOFV-Präsident Erwin Bugar, und er gesteht: "Selbst bei Bestätigung einer Weiterführung von politischer Seite hätten wir uns über den Spielbetrieb intensive Gedanken machen müssen, denn eines haben uns die Vereine bereits im Sommer klargemacht: Geisterspiele sind für die Vereine wirtschaftlich nicht tragbar und definitiv nicht gewollt."

Dynamos Pokalspiel gegen Leipzig fällt erst mal aus

Die nächsten Wochen, heißt es weiter in der Verbandsmitteilung, werden für die Vereine einmal mehr zu einer großen Belastung. "Der Amateursport ist sowohl im Erwachsenenbereich als auch im Jugendbereich eine wichtige Säule der Gesellschaft. Er kann und darf für das Entstehen von Infektionsketten nicht verantwortlich gemacht werden", betont Bugar. Der NOFV wolle gemeinsam mit den Vereinen alles in seiner Macht Stehende tun, damit der Ball frühestmöglich wieder rollt. Auch damit sind die Fußballer nicht allein. Ähnliche Aussagen gibt es von DOSB, Landessportbund sowie diversen Spitzensportverbänden.

Fakt aber ist: Unterhalb der 3. Liga wird in Sachsen ab 2. November kein Fußball mehr gespielt, und es darf auch nicht trainiert werden. So und nicht anders sind die  neuen Corona-Beschlüsse zu interpretieren. Der sächsische Fußball-Verband hatte dies bereits am Donnerstag bekanntgegeben. Betroffen ist demnach ebenfalls der Fußball-Sachsenpokal, konkret die Partie von Dynamo Dresden beim Oberligisten International Leipzig. Ursprünglich sollte am 18. November in Torgau gespielt werden, doch die Leipziger haben das Spiel mittlerweile abgesagt.

Bundesligen anderer Sportarten spielen weiter

Keine Spielunterbrechung gibt es indes in der 2. Volleyball-Bundesliga, wenngleich nun ohne Zuschauer weitergespielt werden muss. Auch wenn beispielsweise im Team des VC Dresden derzeit keine Berufssportler spielen, zählt die Liga zum semiprofessionellen Bereich, dessen Spielbetrieb unter strengen Vorgaben aufrechterhalten werden darf. Allerdings gelten ab sofort verschärfte Corona-Bedingungen. Das heißt unter anderem, dass sich sämtliche Spieler und Mannschaftsbeteiligte vorher einem Corona-Schnelltest unterziehen müssen.

Nicht betroffen vom Lockdown sind natürlich auch die Bundesliga-Volleyballerinnen des Dresdner SC genauso wie die Zweitliga-Handballer um Elbflorenz Dresden und den EHV Aue. Auch der Saisonstart in der zweiten Eishockey-Liga, der DEL 2, mit den Füchsen Weißwasser, den Dresdner Eislöwen und den Eispiraten Crimmitschau soll wie geplant am 6. November stattfinden.

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Der Deutsche Olympische Sportbund und sein Präsident Alfons Hörmann hoffen ungeachtet der aktuellen Entwicklung auf eine schnelle Aufhebung des Verbots im Freizeit- und Amateurbereich. "Wir werden mit aller Kraft dafür arbeiten, dass die Einschränkungen baldmöglichst zurückgefahren werden. Wir werden Bund und Länder in die Pflicht nehmen, entsprechende Hilfsprogramme für den Sport zu öffnen und aufzusetzen", sagt Hörmann in einer am Freitag veröffentlichten Video-Botschaft.

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