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Sport

Ein Millionen-Publikum für Dresden

Der Rugby-Cricket-Verein organisiert ein internationales Turnier, das weltweit viele Zuschauer findet. Wie es dazu kommt.

Das Finale der European-Super-Series geriet in Dresden zu einer internen Berliner Angelegenheit. Der Britannia CC gewann das Turnier.
Das Finale der European-Super-Series geriet in Dresden zu einer internen Berliner Angelegenheit. Der Britannia CC gewann das Turnier. © Ronald Bonß

Von Adrian Leyser

Dresden. Ein kleiner grüner Rasenplatz mit zwei weiß markierten Kreisen im Dresdner Sportpark-Ostra erregt die Aufmerksamkeit der Spaziergänger. In Dresden war die European-Super-Series zu Gast. Ein Cricket-Turnier, das zum zweiten Mal in der sächsischen Landeshauptstadt ausgetragen wurde.

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Der Vorsitzende des Rugby-Cricket-Verein Dresden, Severin Weiß, ist darauf stolz, erneut Ausrichter zu sein. „Die Stadt unterstützt uns bei solchen Turnieren besonders gut. Der Platz hier ist einer der gepflegtesten in Deutschland“, nennt Weiß einen Grund, warum Dresden für die Serie attraktiv ist. Auch Kiel hatte sich beworben.

Am zwölftägigen Turnier nahmen zehn Teams aus Berlin, Magdeburg, Chemnitz und Dresden teil – weshalb der Name des Wettbewerbs zunächst etwas irreführend ist. Viel Europa ist bei den jeweiligen Stationen – ab Montag in Holland – nämlich nicht drin, sondern jeweils nur nationale Teilnehmer. Bei den Spielern der jeweiligen Mannschaften fällt in Dresden aber auf, dass kein deutscher Spieler im Aufgebot steht.

„Die Spieler kommen unter anderem aus Indien, Pakistan und Bangladesch, arbeiten oder studieren hier und sind Mitglied bei den Vereinen“, sagt Weiß. Cricket zählt in Deutschland eher zu den Randsportarten. Während in Europa nur wenige Menschen daran Interesse und Begeisterung finden, zählt es in den südasiatischen Ländern zu den beliebtesten Sportarten.

Auch bei der European-Super-Series ist das Interesse groß. Beachtlich sind die Zuschauerzahlen in Indien. Der Cup wird online in die Welt gestreamt und von zwei Kommentatoren auf Englisch begleitet. In den zwölf Tagen, an denen das Turnier stattfand, verfolgten laut Angaben der Organisatoren knapp 1,5 Millionen Zuschauer täglich live die Spiele in Dresden. Insgesamt kann ein Cricket-Spiel knapp acht Stunden dauern. In Dresden wurde aber eine kürzere Variante gespielt, die somit mehr Spannung garantieren soll. Dadurch dauert eine Partie 90 bis 120 Minuten.

Betrüger in die Schranken gewiesen

Die European-Super-Series entstand vor knapp zwei Jahren. „Der Ursprung war 2019, als wir das erste Mal für das Turnier angefragt wurden“, erklärt Severin Weiß. Es stand zwischenzeitlich wegen der Corona-Pandemie auf der Kippe, konnte aber im August 2020 doch ausgetragen werden. „Das Besondere daran war, dass es im vorigen Jahr eines von ganz wenigen weltweiten Turnieren war, die zu der Zeit ausgetragen wurden“, sagt Weiß. Dadurch erzielte es ein enormes mediales Interesse, besonders in den Commonwealth-Ländern war die Beachtung sehr hoch.

Aber nicht nur Fans finden ihren Gefallen am Cricket-Sport. Im vergangenen Jahr lockte das Turnier auch einige Betrüger nach Dresden. „Man hat sich – auch bedingt durch Covid-19 – auf ein so kleines Turnier gestürzt. Es kamen Leute aus Prag, die in Dresden untergebracht wurden und auf den Unterschied zwischen Live-Spiel und Übertragung gewettet haben“, erklärt Weiß. Die Zeitspanne zwischen Aktion und Bild betrug damals zwischen 30 und 60 Sekunden. So konnten die Wettbetrüger mit einem Komplizen vor Ort setzen, bevor die Szene in der Übertragung zu sehen war.

Das lag an einer technischen Schwierigkeit. Die Daten der Wettanbieter waren um bis zu einer Minute hinter dem Geschehen zurück, sodass noch Wetten platziert werden konnten, obwohl die eigentliche Live-Aktion schon abgeschlossen war.

In diesem Jahr wurde dieser Masche ein Riegel vorgeschoben und die Präventivmaßnahmen ausgeweitet. „Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen Übertragung und Live-Geschehen, somit können diese Wetten nicht mehr erfolgen“, sagt Weiß. Auch die Spieler wurden vor dem Turnier sensibilisiert und darauf hingewiesen, dass jegliche Verbindung zu Manipulation und Korruption direkt zum Ausschluss führt und zur Anzeige gebracht wird. In diesem Jahr gab es laut Weiß keine Vorfälle.

Seine gastgebenden Dresdner beendeten das Turnier auf Rang vier. Im kleinen Finale unterlag Dresden gegen den BSC Rehberge. Der Britannia CC – ein Verein aus Berlin – behielt im Endspiel gegen den Berlin Cricket-Club die Oberhand.

Der Rugby-Cricket-Verein Dresden, den es als Zusammenschluss seit 2007 gibt, ist auch abseits der European-Super-Series erfolgreich. Die Dresdner haben erstklassige Bedingungen und das Team im Sportpark-Ostra ein eigenes Cricketfeld, was in Deutschland sehr selten ist. Auf dieser Basis entwickelt sich auch sportlicher Erfolg. Die Herren-Mannschaft spielt in der Bundesliga und konnte schon einige Male den Meistertitel sichern. 2016 wurde der RCD vom Deutschen-Cricket-Bund zum Klub des Jahres ausgezeichnet, womit außer dem sportlichen Abschneiden die strukturelle Entwicklung gewürdigt wird.

Seit dem Winter 2018 gibt es auch ein Cricket-Frauenteam. Insgesamt sind derzeit in Dresden 35 Spielerinnen und Spieler aktiv. Nachwuchs wird gesucht, gleich welcher Altersklasse oder Nationalität. Cricket versteht sich als Integrationssportart.

Mehr Informationen zum Cricket-Sport in Dresden finden Sie hier.

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