merken
PLUS Sport

Dresdens große Hoffnung kämpft um die Karriere

Eiskunstläuferin Lea Johanna Dastich ist verletzt, mal wieder. Erneut muss nun ein berühmter Arzt helfen. Aufgeben will die 20-Jährige noch lange nicht.

Einer ihrer letzten Wettkämpfe: Lea Johanna Dastich bei der deutschen Meisterschaft im Dezember 2017.
Einer ihrer letzten Wettkämpfe: Lea Johanna Dastich bei der deutschen Meisterschaft im Dezember 2017. © dpa/Fabian Sommer

Dresden. Für ihre Sportart ist Lea Johanna Dastich jetzt im besten Alter. Doch die 20-Jährige vom Dresdner Eislauf-Club hat seit knapp zwei Jahren keinen Wettkampf mehr bestritten – oder vielmehr, nicht mehr bestreiten können. Die EM-16., eines der hoffnungsvollsten Talente im deutschen Eiskunstlauf, plagt eine hartnäckige Verletzung am rechten Fuß, die zunächst nur als Entzündung diagnostiziert wurde. Als sich kaum Verbesserungen einstellten, wendeten sich Dastich und ihre Trainerin Anett Pötzsch, Olympiasiegerin von 1980, an Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt.

Der langjährige Mannschaftsarzt von Bayern München und der Fußball-Nationalmannschaft, jahrzehntelang bereits eine medizinische Instanz weit über Deutschland hinaus, stellte eine Blockade im Fuß fest, die sich ständig entzündete. Das Problem galt im Frühjahr 2020 als gelöst. Dastich begann wieder mit dem Training, immer verbunden mit Physiotherapie und Terminen beim Osteopathen. „Ich habe mich viel besser gefühlt und über den Sommer versucht, mich mit sehr hoher Intensität wieder ranzutrainieren“, erzählt die Dresdnerin, die in Mannheim lebt und dort am Bundesstützpunkt trainiert.

Anzeige
Sie suchen den perfekten Arbeitgeber?
Sie suchen den perfekten Arbeitgeber?

Das therapeutische Gesundheitszentrum von PPS Medical Fitness in Dresden bietet modernste Möglichkeiten. Hier bringt Arbeiten Spaß und Erfüllung.

20-Jährige wagt kleines Comeback

Vor vier Wochen kehrten nun jedoch die Probleme zurück. „Die Ärzte hätten es erkennen müssen“, sagt Trainerin Pötzsch. Und Dastich stellt einigermaßen ernüchtert fest: „Der Schmerz ist so wie vorher. In der vergangenen Saison war mein Fußgelenk komplett unbeweglich, das ist es jetzt aber nicht mehr.“ Deshalb wagte sie kürzlich ein kleines Comeback – in ihrer Heimatstadt Dresden beim Zwingerpokal. Sie absolvierte zwar nur das Kurzprogramm, die Kür ließ sie sicherheitshalber weg. „Das war vorher so geplant, weil in der Trainingswoche davor die Schmerzen noch schlimmer geworden waren. Wir haben alles dafür getan, dass ich noch irgendwie trainieren kann, weil uns klar war: Ich will mal wieder einen Anfang irgendwie haben“, sagt Dastich.

Ob das Kurz-Comeback ein realistischer Hoffnungsschimmer oder eher ein letztes Aufbäumen war, lässt sich vermutlich erst in ein paar Wochen abschätzen. Fakt ist: „Ich bin jetzt wieder bei Dr. Müller-Wohlfahrt in Behandlung. Wir müssen sehen, dass wir das in den Griff bekommen“, sagt Dastich. An das drohende Karriereende mag sie jedenfalls keinen Gedanken verschwenden. „Ich habe mir zwischendurch schon Sorgen gemacht, vertraue aber den Ärzten, die haben mir auch versichert, dass sie das wieder hinbekommen“, sagt sie.

Dem Abitur folgt Medizinstudium

Die unfreiwilligen Pausen zuletzt hat die junge Frau dennoch genutzt – für einen ganz persönlichen Sieg. Dastich schloss ihr Abitur ab, und das mit der Gesamtnote 1,2. Im Oktober begann sie nun ein Medizinstudium in Mannheim, eine zusätzliche Herausforderung, die es auszubalancieren gilt. „Ich habe noch hohe Ambitionen im Sport, weiß aber, dass Gesundheit das Wichtigste ist“, betont Dastich.

Für Olympia 2022 machte sie sich Hoffnungen. Doch das Ziel ist inzwischen meilenweit weg. „Die Qualifikation dafür ist noch über ein Jahr hin. Man muss realistisch sein und sagen, dass es in dieser Saison schwer wird, ganz nach oben zu kommen. Aber nächste Saison ist das möglich“, sagt Dastich und ergänzt leise: „Wenn die Gesundheit mitspielt.“ Erst mal muss sie um die Rückkehr in die deutsche Spitze kämpfen. „Ihr größter Wunsch ist: Endlich schmerzfrei zu sein“, weiß ihre Trainerin.

Hoffen auf die Meisterschaft

Die Schwierigkeiten in ihren Programmen hat sie heruntergesetzt. Auch, weil Arzt- und Physiotherapiebesuche derzeit so wichtig sind wie das tägliche Training. „Ich bekomme Spritzen mit Hyaluronsäure, die dem Gelenk hilft, als Puffer bei Belastungen dienen“, erklärt Dastich. „Doktor Müller-Wohlfahrt hofft und glaubt, dass es wieder gut wird. Aber das braucht einfach Zeit“, sagt ihre Trainerin, und die 60-Jährige betont: „Sie muss jetzt aufholen, das ist das Problem. Die Substanz hat auf jeden Fall gelitten, die Situation ist auch mental sehr schwierig“, sagt Pötzsch, stellt aber klar: „Wir denken trotzdem positiv.“

Und an den nächsten Schritt: den Start bei der deutschen Meisterschaft in Hamburg. Die soll am 18. und 19. Dezember stattfinden, wenn das möglich ist. Vielleicht spielt die Pandemie ihr sogar in die Karten. „Absehbar kann in dieser Saison kaum jemand seine Fähigkeiten nachweisen“, sagt Pötzsch.

Mehr zum Thema Sport