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Der misslungene Start von Dresdens Volleyballerinnen

Mit Niederlagen zu Beginn hat der DSC-Trainer gerechnet. Aber gleich zweimal so deutlich? Ein Stimmungsbild aus der Kabine.

Ob die Gedanken der DSC-Volleyballerinnen um das gleich entstehende Foto oder das nächste Spiel kreisen?
Ob die Gedanken der DSC-Volleyballerinnen um das gleich entstehende Foto oder das nächste Spiel kreisen? ©  Ronald Bonss

Dresden. So wirklich ausgelassen ist die Stimmung bei diesem besonderen Anlass nicht. Doch wer die Volleyballerinnen des Dresdner SC beim alljährlichen Mannschaftsshooting nicht himmelhoch jauchzend, sondern zu Tode betrübt wähnt, der irrt.

Dabei ist der Start in die neue Saison für die Mannschaft von Trainer Alexander Waibl alles andere als optimal verlaufen. 0:3 im Supercup gegen Schwerin, 0:3 zum Bundesliga-Auftakt in Potsdam.

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Genau das hatte Waibl befürchtet – spätestens, nachdem feststand, dass sein Team aufgrund einer vom Gesundheitsamt Dresden auferlegten 14-tägigen Quarantäne die letzten sieben Vorbereitungspartien auf die neue Spielzeit nicht würde bestreiten können. Am 3. September musste die DSC-Mannschaft in häusliche Quarantäne. Nach einer Partie gegen Chemik Police in Polen wurde eine gegnerische Spielerin positiv auf Covid-19 getestet.

Waibl empfand das für sein Team als Wettbewerbsverzerrung, ohne das so offen auszusprechen. Deshalb hat der 52-Jährige die Vorbereitungsphase inoffiziell um drei, vier Wochen verlängert und offiziell einen holprigen Saisonstart vorausgesagt. Der ist nun eingetreten.

„Ein Prozess, der schmerzhaft wird“

„Es ist schon schwierig, gleich zweimal mit 0:3 zu verlieren. Das ist natürlich hart“, bestätigt Angreiferin Emma Cyris trotz der vermeintlich mildernden Umstände. „Wir wussten, dass es nicht einfach wird, gerade, weil wir in der Quarantäne waren und nicht so viele Testspiele hatten wie die anderen Vereine“, sagt die 19-Jährige.

Denn in den letztlich abgesagten Vorbereitungsspielen wollte Waibl Prozesse anstoßen, die er erst jetzt unter Wettkampfbedingungen nach- und aufholen kann. „Die Vorbereitung dient dazu, für Fehler die Sinne zu schärfen. Das führt dazu, dass die Spielerinnen unsicherer werden und sich der Fokus auf Fehler verschiebt. Das ist in der Vorbereitung normal, aber nach zwei Wochen nicht mehr nötig“, erklärt der dienstälteste Cheftrainer in der Volleyball-Bundesliga der Frauen. „Wir sind jetzt aber in der Phase, in der ich Fehler ansprechen muss. Ich kann ja nicht sagen: Das ist jetzt halt so.“

Er muss nun also während der Pflichtspiele vermehrt korrigieren und eingreifen. „Mir ist nicht bange, aber das ist ein Prozess, der am Anfang schmerzhaft sein wird“, sagt Waibl. Er weiß aber, dass es sich lohnt, jetzt geschlossen durch die kleine Talsohle zu gehen, die, wenn die Quarantäne tatsächlich der entscheidende Grund dafür ist, nicht einmal selbst verschuldet ist.

Der DSC hat bereits im Supercup mehrfach sein großes Potenzial angedeutet, aber eben nur das. Übrigens ist Chemik Police, der mehrfache polnische Meister, ebenfalls mit zwei Niederlagen in seine Saison gestartet. „Die Saison wird gut werden. Wir werden um Meisterschaften spielen. Das ist sicher, wenn wir es coronabedingt denn dürfen“, sagt der DSC-Trainer. 

Jedenfalls lässt sich der Kader des Pokalsiegers nicht aus der Ruhe bringen, auch wenn das nun spielfreie Wochenende für den DSC zur Unzeit kommt. Die ursprünglich für Samstag geplante Partie gegen Stuttgart war auf Wunsch des übertragenden Spartensenders Sport 1 auf den 4. November verlegt worden. 

Stattdessen spielt das Waibl-Team nun erst wieder am 17. Oktober in Suhl. „Wir müssten jetzt unbedingt spielen. Wir brauchen Wettkämpfe“, hadert Waibl. Stattdessen hat er seine Schützlinge von dienstags bis freitags je zweimal pro Tag im Training gefordert. Auch am Samstag steht eine Einheit an.

Erste Gespräche auf der Heimfahrt

„Wir wollen jetzt im Training hart arbeiten und dann in Suhl die ersten Punkte einfahren“, betont Cyris. Die Mannschaft hat sich an der Aufarbeitung der beiden Niederlagen aktiv beteiligt. „Es gab schon auf der Heimfahrt aus Potsdam im Bus die ersten Gespräche unter uns Mädels. Wir haben das gut weggesteckt“, sagt Angreiferin Lena Stigrot, die in den ersten beiden Partien als Kapitänin fungierte.

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Waibl meint, dass es für die menschliche Qualität seines Kaders spricht, dass dieser gewisse Dinge bereits reguliert. „Es werden jetzt viele interne Prozesse angestoßen, bei denen man sich trifft und darüber redet: Wie kannst du mir helfen, dass ich mich stabiler fühle“, erklärt der gebürtige Schwabe. „Das ist im Teamsport notwendig, aber an sich machst du das eben vier Wochen eher.“ 

Am Ende sind die Fotos und Filmchen alle im Kasten – mit lächelnden Protagonistinnen. Sie wissen eben auch: Entscheidend ist, was am Saisonende rauskommt, nicht am Anfang.

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