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Eine der Jüngsten macht beim DSC die Musik

Emma Cyris tanzt bei den Dresdner Volleyballerinnen aus der Reihe. Ihren Mitspielerinnen gefällt das, aber nicht immer.

Viele Talente schlummern in der jungen Frau: Emma Cyris, Tochter eines Dachdeckers, könnte sich auch diesen Beruf für sich vorstellen.
Viele Talente schlummern in der jungen Frau: Emma Cyris, Tochter eines Dachdeckers, könnte sich auch diesen Beruf für sich vorstellen. © photoarena

Dresden. Wenn man es bis auf die Spitze treibt, könnte man sogar sagen, Emma Cyris tanzt bei den Volleyballerinnen des Dresdner SC ein bisschen aus der Reihe. Die 19-Jährige schwört auf Techno – und vertritt damit nicht ganz den Massengeschmack im Team.

Dennoch ist Cyris gewissermaßen zur DJane beim DSC aufgestiegen. Die gebürtige Hallenserin verwaltet eine virtuelle Playlist mit diversen Titeln, für die Mitspielerinnen ihre Wünsche einbringen können. Cyris stellt ihre mobile Box zu den Trainingseinheiten auf, und darauf läuft dann so ziemlich alles hoch und runter, was die aktuellen Musik-Charts so hergeben. Das letzte Wort hat aber Cyris.

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„Für manche ist halt auch mal was Ruhiges dabei, das ist fürs Training aber nicht so optimal“, erklärt sie grinsend. Für die Angreiferin müssen die Beats hämmern – wenngleich Techno in den 1990er-Jahren die Hochzeit erlebte, als an Cyris noch nicht zu denken war. „Ich habe da viel von meinem älteren Bruder mitbekommen. Aber ich muss sagen“, erzählt sie und muss wieder lachen, „meine Mutter hat Scooter in die Familie gebracht. Damit bin ich aufgewachsen.“ Die deutsche Techno-Band um Frontmann H.P. Baxxter zählt zu den erfolgreichsten Vertretern ihrer Zunft.

Joker Bra hilft bei der Fokussierung

Mit ihrem Faible für die harten Elektronik-Beats kommt Cyris nicht immer an. Sie weiß jedoch, wann es genug ist. „Manchmal nervt es die Mädels. Manche Songs muss ich auch nach zehn Sekunden wieder abstellen.“ Weil Cyris offenbar dann doch häufig die richtige Mischung findet, darf sie auch vor Pflichtspielen die Hits aussuchen, die den Stimmungspegel des Teams so richtig nach oben treiben. „Da suche ich schon ein paar Lieder aus, die uns motivieren oder von denen ich weiß, die finden alle toll.“ Aktuellstes Beispiel: „Paradise“ von Joker Bra. „Da finden alle noch mal den Fokus“, meint Cyris.

Im Team gilt sie als Partymaus, die ein Zungenpiercing und immer einen kessen Spruch auf den Lippen trägt. Auf diversen Techno-Festivals gilt sie bereits als Stammgast – dieses Jahr natürlich ausgenommen. „Es fehlt schon ein bisschen. Aber was will man machen? Ich möchte ja auch, dass die Sache schnell vorbei ist. Da müssen wir jetzt alle durch“, sagt sie achselzuckend. Ein Festival- und Partybändchen trägt sie stets am linken Unterarm, verbirgt die Stoffteile aber im Spiel mit einem schwarzen Ärmel.

Doch die Vorliebe für Musik ist das eine, noch größer ist ihr Können als Volleyballerin. Cyris gilt auf ihrer Position als eines der hoffnungsvollsten deutschen Talente. So hat sie ihr Trainer Alexander Waibl bei der Unterzeichnung ihres Dreijahresvertrages vorgestellt. Damit muss man als Teenager erst mal zurechtkommen. „Ich denke darüber nicht groß nach, das wäre auch falsch, da macht man sich viel mehr Druck“, sagt sie. Als einstige Spielführerin der Jugend-Nationalmannschaft wisse sie ohnehin um die Ansprüche und Hoffnungen, die man mit ihrem Namen verbindet.

Von fünf auf drei vorgerückt

Nach ihrem ersten Jahr in Dresden ist Cyris offenbar noch etwas ernsthafter geworden, bewusster. Das hat auch damit zu tun, dass sie beim DSC nicht mehr nur Angreiferin Nummer fünf ist. Hinter den etablierten Nationalspielerinnen Lena Stigrot und Jennifer Janiska ist sie vorgerückt an drei. Das erhöht die Spielanteile und den Lerneffekt.

„Ich wollte die Herausforderung annehmen, gegen Stigi und gegen Jenni zu kämpfen und mich mindestens gegen eine durchzukämpfen. Ich glaube, ich sollte das Vertrauen von Alex als Chance nutzen“, sagt Cyris und betont, wie wichtig die beiden älteren Kolleginnen für sie sind. „Ich denke, dass ich hier auch persönlich gewachsen bin, bei unserem gut gemischten Team lernt man dazu. Ich bin keine Jugendliche mehr.“

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Sie muss vor allem in der Annahme stabiler werden, das weiß sie. Von ihr bereits Kontinuität auf hohem Level zu verlangen, wäre zu viel. Cyris sagt, dass sie sich entwickeln wolle und weiter dazulernen. Und dass sie die Dinge jetzt ernster nehme. Zugleich aber betont sie: „Ich bin ein lockerer Typ, das wird sich nie ändern.“ Genauso wie ihre Vorliebe für Musik.

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