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Warum Minister Piwarz weiter die Monarchs kommentiert

Seit Jahren sitzt Sachsens Kultusminister am Mikrofon bei Dresdens Footballern. Das Wochenende wird doppelt spannend für den Politiker.

In der Halbzeitpause riskiert Christian Piwarz auch mal einen Blick weg vom Spielgeschehen.
In der Halbzeitpause riskiert Christian Piwarz auch mal einen Blick weg vom Spielgeschehen. © Matthias Rietschel

Dresden. Für den Mann hinter dem Mikrofon stehen zwei aufregende Tage bevor. Christian Piwarz ist seit 2002 Mitglied eines aufsehenerregenden Fanprojekts der Footballer der Dresden Monarchs. Seit 19 Jahren kommentiert der aktuelle Kultusminister des Freistaates für Radio Monarchs – den Livestream für durchschnittlich 1.500 Internet-User.

Sein Hobby lässt sich der 46-jährige CDU-Politiker auch am Samstag nicht nehmen, selbst wenn tags darauf die Bundestagswahl ansteht. „Die Wahl an sich ist doch ganz entspannt“, sagt er. Sicher hofft er das auch.

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Seinen Beruf blendet der ehrenamtliche Präsident des American Football-Verbandes Sachsen (seit 2005) aber am Samstag ohnehin aus. Dann will der Edelfan seine Monarchs zum zweiten Mal nach 2013 in das Finale um den German Bowl kommentieren. Der Nordmeister empfängt im Play-off-Halbfinale im letzten Spiel vor der Renovierung des Steyer-Stadions die Saarland Hurricanes. Das erscheint, zumindest von der Papierform, eine lösbare Aufgabe für die Hausherren zu sein. Und es spricht einiges für das sächsische Team um Cheftrainer Ulrich Däuber.

Mit der Einweihung ihres modernen Nachwuchsleistungszentrums an der Bärnsdorfer Straße vor knapp einer Woche sind die Monarchs auch in Sachen struktureller Entwicklung ein Vorreiter im deutschen Football. „Ich kenne keinen Verein in Deutschland, der so etwas hat. Einige Klubs verfügen zwar über ein eigenes Trainingsgelände, aber derart ausgebaut kenne ich es nirgendwo. Das zeigt auch den Anspruch, den die Monarchs haben“, sagt Christian Piwarz und schickt hoffnungsvoll hinterher: „Jetzt muss es halt nur noch sportlich klappen. Nie war die Chance so gut, wie in diesem Jahr.“

Nur im Zweifel geht der Beruf vor

In der Mannschaft von Ulrich Däuber haben alle Import-Spieler, die in Dresden also auch ein paar Euro verdienen, sportlich genau das geleistet, was sich der Trainerstab von ihnen erhofft hatte. „Das hatten wir vorher auch noch nie. Es passt halt in dieser Saison“, sagt der 46-jährige.Den Spagat zwischen öffentlichen Aufgaben und Auftritten als Kultusminister und der Zeit für sein liebstes Hobby am Monarchs-Mikrofon will Piwarz auch künftig meistern. „Ich mache das, solange es mir weiterhin Spaß macht und die Leute hier mich noch wollen“, erklärt er lachend. Und es bleibt eine Frage der exakten Planung. Der Kalender von Piwarz ist voll.

„Sollte sich etwas überschneiden, geht der Beruf logischerweise vor, aber man darf ja auch mal Mensch sein nebenher. Bis jetzt hat das auch ganz gut funktioniert“, sagt er. Football war für ihn seit jeher ein wichtiger, ein erdender Ausgleich. „Football hat mir unwahrscheinlich viele positive und natürlich auch schwere Momente bereitet“, sagt er und meint damit in erster Linie das regelmäßige Scheitern der Dresden Monarchs im Meisterschafts-Halbfinale. Das soll beim erst zweiten Heim-Halbfinale der Vereinsgeschichte (nach 2013) nun natürlich anders werden.

Wer den Kommentator in der Halbzeitpause beobachtet, erlebt einen freundlichen, nahbaren und unaufdringlichen Arenabesucher, der im Steyer-Stadion meist nur „Piwi“ genannt wird. „Ich bin hier nicht der Herr Minister oder der Politiker, sondern man kennt und nennt mich bei meinem Spitznamen, das empfinde ich als sehr angenehm. In der Football-Familie sind wir überwiegend per du, da gibt es sehr flache Hierarchien, das ist sehr schön“, bekräftigt Christian Piwarz.

Es funktioniert nur im Team

Er setzt auch bei der Live-Kommentierung auf Teamgeist. Techniker Matthias Held oder Co-Kommentator Thomas Aust sowie die Kameraleute sind gleichwertige Mitglieder des Fanprojekts. „Es funktioniert nur, wenn jeder an seinem Platz seinen Job macht“, sagt er.

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Wenn die Spieler ihren Job auf dem Feld dann noch richtig erledigen, dürfte dem zweiten German-Bowl-Finale nach 2013 nichts im Wege stehen. Denn Monarchs-Trainer Ulrich Däuber hatte bereits vor dem locker gewonnenen Viertelfinale gegen die Allgäu Comets (50:13) erklärt: „Wer Meister werden will, der muss an uns vorbei.“ Sein Team ist sportlich das vielleicht beste in der gesamten Vereinsgeschichte. Dann könnte sich Kommentator Piwarz den 9. Oktober – den Tag des Endspiels – ganz dick im Kalender anstreichen. Wenn er das nicht bereits getan hat.

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