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Dresdens Footballer melden sich mit Kampfansage zurück

Die Dresden Monarchs planen mit 62 Spielern und erneuern ihre Kritik an der Konkurrenzliga. Der Präsident spricht von "Kannibalisierung in unserem Sport".

Von Alexander Hiller
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Im Disput – auch über die plötzliche Konkurrenzliga: Monarchs-Präsident Sören Glöckner (l.). und Cheftrainer Ulrich Däuber.
Im Disput – auch über die plötzliche Konkurrenzliga: Monarchs-Präsident Sören Glöckner (l.). und Cheftrainer Ulrich Däuber. © Ronald Bonß

Dresden. Am liebsten würden Sören Glöckner und Ulrich Däuber ausschließlich über den sich ankündigenden Start der German Football League (GFL) sprechen. Doch auch der Präsident und der Cheftrainer des Football-Erstligisten Dresden Monarchs kommen am derzeit dominierenden Thema in der übersichtlich aufgestellten nationalen Szene nicht vorbei: die semiprofessionelle European League Football (ELF).

Die wurde im November mit ziemlich viel Medien-Bohei angekündigt und in den letzten Monaten gewissermaßen aus dem Boden gestampft. Allerdings wurden bislang wenige Ankündigungen umgesetzt. So ist bis jetzt unklar, mit welchem Personal die sechs deutschen Teams, die Mannschaft aus Barcelona und die Wroclaw Panther eigentlich starten wollen – und das ziemlich parallel zur GFL. Dort wird aufgrund des begrenzten Spieler-Reservoirs offen von einer „Kannibalisierung in unserem Sport“ (O-Ton Glöckner) gesprochen. Doch die erste Aufregung hat sich gelegt.

Denn die Monarchs haben ihre Hausaufgaben ohne störende Nebengeräusche gemacht und bereiten sich auf eine spannende Saison – nach der wegen der Corona-Pandemie abgesagten Spielzeit im Vorjahr – vor. „Wir sind als Verein insgesamt sehr gut und gesund aufgestellt, abgesehen von den Risiken, die Corona nach wie vor verbreitet“, sagt Glöckner. Einige Sponsoren haben gar ihre Beträge aufgestockt, alle wichtigen Geldgeber seien wieder an Bord. „Wir gehen schlagkräftig in die Saison, wollen guten Football und ganz vorne mitspielen“, kündigt der Präsident an.

Für die GFL-Saison, die im Juni starten soll, stellte Ulrich Däuber einen mit 62 Spielern recht breiten Kader auf. „Von unseren Startingformationen haben wir einen Abgang – aus Studiengründen, der Rest des deutschen Kaders ist hiergeblieben“, unterstreicht Däuber. Die Tiefe des Kaders sei aufgrund einiger Neuzugänge sogar gewachsen. Die kommen unter anderem auch aus Leipzig. Die Messestadt, in der bisher dritt- und fünftklassiger Football gespielt wurde, ist aufgrund von Absagen anderer Aspiranten seit dieser Saison auch ELF-Standort: mit den Leipzig Kings.

„Ein Runningback aus Nürnberg ist nach Leipzig gezogen und wird jetzt für uns spielen“, erklärt Däuber. Dessen Präsident schlägt süffisant in dieselbe Kerbe. „Die besten Spieler aus Leipzig spielen in Dresden“, erklärt Glöckner. Tiefer will man sich mit der vermeintlichen Konkurrenz nicht beschäftigen: „Die Aufregung haben wir hinter uns gelassen, wir sind zu sehr mit dem beschäftigt, was wir vorhaben. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass die ELF nicht der richtige Weg ist.“

Die Monarchs planen mit zehn bis elf ausländischen Spielern, viele davon aus Europa. Zwei Planstellen sind bereits mit Amerikanern besetzt: Kyle James Carta-Samuels ist neuer Quarterback. Der Spielmacher wird begleitet von seinem Landsmann Kaulana Apelu für die Linebacker-Position. Neuzugang Andrew McElroy ist ebenfalls Amerikaner, besitzt aber auch den irischen Pass.

Mit einem weiteren Defensivmann aus den USA sind die Monarchs einig, der Vertrag ist aber noch nicht unterzeichnet. Allerdings hat sich mit AJ Wentland der beste Verteidiger der Liga aus Dresden verabschiedet, ein Angebot zur Verlängerung ausgeschlagen und stattdessen in Innsbruck angeheuert. „Bis auf diese Ausnahme haben wir alle Spieler bekommen, die wir haben wollten, an die ELF haben wir keinen verloren“, bestätigt Däuber und hält sein Team in diesem Jahr für titelwürdig. „Wir wollen in den German Bowl“, sagt er.

Der durchaus attraktive Kader konnte auch deshalb so zusammengestellt werden, weil sich der wirtschaftliche Schaden für die Dresdner durch den Ausfall der vergangenen Saison in Grenzen gehalten hat. Zunächst hatte Glöckner ein dickes Minus im sechsstelligen Bereich befürchtet. „Unsere Sponsorenausfälle waren sehr gering, zudem haben auch wir Bundeshilfen bekommen, sodass wir eine schwarze Null für das vergangene Jahr hinbekommen haben“, erklärte der Klubchef nun. Für diese Serie steht ein defensiv geplanter sechsstelliger Etat bereit, „mit einer Sechs vorn dran“, wie es Glöckner ausdrückt.