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Darum blamiert sich Dynamo beim Schlusslicht

Die Dresdner verlieren 0:2 und bleiben dennoch Tabellenführer. Schlimmer noch als das Ergebnis ist das Auftreten. Eine Analyse und die Reaktionen.

Marvin Stefaniak (M.) vergibt in der ersten Halbzeit die große Chance zur Führung. Er ärgert sich, Hachings Keeper Jo Coppens feiert seinen Reflex.
Marvin Stefaniak (M.) vergibt in der ersten Halbzeit die große Chance zur Führung. Er ärgert sich, Hachings Keeper Jo Coppens feiert seinen Reflex. © Foto: Picture Point/Sven Sonntag

Noch ist nichts entschieden, 21 Punkte sind bis zum Saisonende zu vergeben. Die gängige Floskel der Fußballbranche hat wieder Konjunktur. Beim Tabellenletzten der 3. Liga rettet man sich mehr denn je in diese Formulierung, um den sicher erscheinenden Abstieg nicht schon als besiegelt benennen zu müssen. Aber auch beim Tabellenführer verweisen sie darauf, dass noch sieben Spiele zu absolvieren und dabei jene 21 Punkte zu verteilen sind.

Beide haben recht, der Spitzenreiter ebenso wie das Schlusslicht. Das Unglaubliche aber im Spiel von Dynamo Dresden bei der Spielvereinigung Unterhaching am Sonntag: Es ist während der gesamten Partie nicht ersichtlich, wer welche Position in der Tabelle einnimmt. 0:2 verliert Dynamo das ungleiche Duell bei den Randmünchnern, die lediglich eines ihrer vergangenen 16 Spiele gewinnen konnten. Und dann gelingt ihnen ausgerechnet gegen den Ligabesten das Unerwartete und, aus Dresdner Sicht noch schlimmer, das Hochverdiente. „Es ist total schwer, dafür Worte zu finden“, sagt Dynamo-Kapitän Sebastian Mai.

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Die Konkurrenten patzen ebenfalls

Um es kurz zu machen: Tabellenführer Dresden blamiert sich beim Tabellenletzten Unterhaching – und macht damit das Wochenende der Überraschungen perfekt. Dass gleich beide Verfolger patzen, geht als faustdicke Überraschung durch: Rostock mit einer 0:2-Heimniederlage gegen den abstiegsbedrohten 1. FC Magdeburg, Ingolstadt beim 2:2 gegen den nicht minder gefährdeten FC Bayern München II samt Gegentreffer in der Nachspielzeit. „Wir haben die Konferenz im Bus geschaut, und jeder weiß, was das bedeutet. Jeder kann die Tabelle lesen“, meint Cheftrainer Markus Kauczinski vor dem Anpfiff am Sonntag.

Danach sagt er, dass die Ergebnisse der anderen nicht die Hauptrolle spielen, „sondern unsere eigene Leistung“. Und die ist die größte Überraschung des gesamten Drittliga-Wochenendes, wenngleich eine durchweg negative. „Wir sind nicht aufgetreten wie ein Spitzenreiter“, bilanziert Mai, der zudem die fünfte Gelbe Karte sieht und am kommenden Samstag im Heimspiel gegen Duisburg gesperrt ist.

Zu den vielen personellen Sorgen – insgesamt acht Spieler haben in Unterhaching verletzungsbedingt gefehlt – kommen inzwischen zunehmend echte Leistungsprobleme. Am Ende steht bei Dynamo neben der insgesamt siebenten Saisonniederlage erneut die Null, zum dritten Mal in Folge bleibt die einst beste Offensive der Liga ohne eigenen Treffer. Dabei hat Kauczinski die Anfangsformation gleich auf vier Positionen verändert. Dass Jonathan Meier ersetzt werden muss, ist klar. Der junge Mann von der linken Außenbahn leidet mindestens an muskulären Problemen, die genaue Diagnose steht aus.

Paul Will, Heinz Mörschel und Philipp Hosiner finden sich indes einsatzbereit auf der Ersatzbank wieder. „Weil wir in den letzten Spielen nicht so überzeugend agiert haben. Dann ist das die letzte Möglichkeit. Jetzt müssen eben mal die anderen ran“, begründet Kauczinski, der später auch anklingen lässt, im Training „schon andere Seiten aufgezogen“ zu haben. Stattdessen im Spiel: Niklas Kreuzer, Julius Kade, Marvin Stefaniak sowie Agyemang Diawusie, zuletzt eingewechselt Ende Januar bei der 0:1-Niederlage in Mannheim.

Genutzt hat es nichts, eher im Gegenteil. Dabei ist es Stefaniak, der die zwei einzigen, aber zugleich auch zwei sehr gute Chancen nicht nutzen kann. In der 15. Minute steht der auf der Spielmacherposition aufgebotene Rückkehrer frei vor Hachings Torwart Jo Coppens, der den Schuss mit der Fußspitze um den Pfosten lenkt. Nach 22 Minuten ist der nächste Versuch von der Strafraumgrenze zu unplatziert – und damit kein Problem für Coppens.

Ein Ausdruck von Ratlosigkeit? Dynamo-Trainer Markus Kauczinski sah von der Seitenlinie aus wenig Erbauliches, kritisierte aber nicht alles.
Ein Ausdruck von Ratlosigkeit? Dynamo-Trainer Markus Kauczinski sah von der Seitenlinie aus wenig Erbauliches, kritisierte aber nicht alles. © Foto: Jan Huebner

Mehr Möglichkeiten gibt es nicht, denn Dynamo tut sich einmal mehr schwer in der Offensive. Der Schwung der ersten Minuten (verbunden mit insgesamt fünf Eckbällen) ist spätestens nach einer halben Stunde weg. Die Gastgeber machen das Spiel auf sehr einfache, effektive Weise: Sie gewinnen die Zweikämpfe. Die Führung in der 40. Minute ist deshalb fast folgerichtig. Die Flanke von Markus Schwabl verwertet Stephan Hain per Kopf zum 1:0. In der zweiten Halbzeit das gleiche Bild, obwohl Kauczinski wieder personell reagiert und abermals überrascht. Dass Diawusie, beim 5:0-Testsieg gegen Carl Zeiss Jena noch Doppel-Torschütze, in der Kabine bleibt, ist abzusehen, dass mit Christoph Daferner auch der Top-Stürmer (zehn Tore, sieben Vorlagen) nicht weitermachen darf, kommt unerwartet. Damit, begründet Kauczinski danach, habe er ein Zeichen setzen wollen, „weil ich nicht zufrieden war. Ich wollte die Spieler wachrütteln“.

Die Wechsel zeigen keinerlei Wirkung

Mit Pascal Sohm und Luka Stor im Angriff ändert sich im Prinzip nichts, auch wenn der Trainer das kämpferische Auftreten der zweiten Halbzeit lobt. Es kommt vielmehr noch schlimmer, in der 57. Minute fällt das 0:2. Der Elfmeter, den Christoph Greger verwandelt, ist eine korrekte Entscheidung, nachdem Dynamos Jüngster Ransford-Yeboah Königsdörffer seinem Gegenspieler auf den Fuß tritt. Bezeichnend ist allerdings, dass Dynamo die Situation fast schon teilnahmslos hinnimmt. Kein Aufschrei, keine Proteste, keine Reaktion.

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Danach wechselt Kauczinski erneut doppelt: Will und Mörschel kommen für die enttäuschenden Stark und Stefaniak. Es ist ein positionsgetreuer Tausch, unverändert ist allerdings auch der Spielverlauf. Zwar haben die Dresdner ein wenig mehr Spielanteile – Chancen aber nicht, auch wenn sie sich nun deutlich öfter im oder nahe dem Hachinger Strafraum aufhalten. „Wir haben alles probiert, am Ende auch mit der Brechstange. Die ersten 20, 25 Minuten und auch die zweite Halbzeit waren okay, die Körpersprache in Ordnung“, betont der Cheftrainer, und er sagt: „Es wird jetzt stürmischer für uns.“ Auch Kauczinski weiß: Dass Dynamo weiter die Tabelle anführt, ist im Moment wenig beruhigend.

Das Spiel gibt es zum Nachlesen hier im Liveticker.

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