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Warum die Fußball-EM 2021 so speziell ist

Favoriten, Corona, Public Viewing – die wichtigsten Fragen und Antworten zu einer außergewöhnlichen Europameisterschaft.

Die letzten Vorbereitungen in der Fan-Zone in Glasgow laufen. Am Freitag startet die Euro 2021 mit dem Spiel zwischen Italien und der Türkei.
Die letzten Vorbereitungen in der Fan-Zone in Glasgow laufen. Am Freitag startet die Euro 2021 mit dem Spiel zwischen Italien und der Türkei. © dpa

Dresden. Fünf Jahre nach der bislang letzten Fußball-Europameisterschaft startet am Freitag die verschobene EM. Das Eröffnungsspiel bestreiten Italien und die Türkei, das Finale wird am 11. Juli in London ausgetragen. Die deutsche Elf wird am Dienstag gegen Weltmeister Frankreich in das Turnier starten.

Eigentlich sollte die Euro bereits im Sommer vorigen Jahres stattfinden, wurde aber aufgrund der Corona-Pandemie auf 2021 verlegt. Doch welchen Einfluss hat das Virus auf das Turnier? Welche Chancen haben die Deutschen? Wo werden die Spiele übertragen? Sächsische.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Warum heißt das Turnier offiziell „UEFA Euro 2020“?

Als im März 2020 die EM abgesagt werden musste, erklärte der europäische Fußball-Verband Uefa, dass das Turnier weiterhin Euro 2020 heißen werde. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass es weiterhin als Jubiläumsfeier zum 60-jährigen Bestehen – 1960 fand die erste EM statt – veranstaltet werden soll.

Entscheidend dürften aber wirtschaftliche Aspekte gewesen sein. Denn zum Zeitpunkt der Verlegung hatte die Uefa längst sämtliche Fanartikel und Werbemittel produziert und zahlreiche Verträge mit Großsponsoren geschlossen. Diese beinhalteten explizit den Titel „UEFA Euro 2020“.

Sponsoren und Partner hätten bei einer Namensänderung ihre Engagements überdenken und abspringen können, Fanartikel entsorgt werden müssen. Sächsische.de hat sich entschieden, das Turnier als EM 2021 zu bezeichnen, weil es in diesem Jahr ausgetragen wird.

Warum ist München der deutsche Spielort?

Die bayerische Landeshauptstadt hatte sich gegen den Mitbewerber Berlin durchgesetzt. In der Heimstätte des FC Bayern werden die drei deutschen Gruppenspiele und ein Viertelfinale ausgetragen. Erstmals wird die EM in elf Ländern gespielt, die Idee für ein paneuropäisches Turnier hatte im Juni 2012 der damalige Uefa-Präsident Michel Platini.

Anlässlich des 60-jährigen EM-Jubiläums sollte das Turnier in 13 Städten stattfinden. Brüssel wurde 2017 als Austragungsort gestrichen, zuletzt auch Dublin, nachdem die irische Regierung keine Garantie für Fans im Stadion geben konnte. In Spanien wurde Bilbao durch Sevilla ersetzt.

In welchem Modus wird das Turnier ausgetragen?

Die Vorrunde mit 24 Teilnehmern wird in sechs Vierer-Gruppen gespielt. Die Mannschaften auf den Plätzen eins und zwei kommen ins Achtelfinale. Außerdem qualifizieren sich die vier besten Dritten für die K.-o.-Runde. Bei Punktgleichheit gilt zuerst der direkte Vergleich, danach die Tordifferenz und die Zahl der geschossenen Tore.

Wer sind die Titel-Favoriten?

Der absolute Top-Favorit ist der amtierende Weltmeister und Vize-Europameister Frankreich. Auch den Engländern werden gute Chancen eingeräumt.

Für die „goldene Generation“ der Belgier dürfte es die letzte Chance auf einen großen Titel sein. Der Führende der Weltrangliste hat mit Spielern wie Kevin de Bruyne von Champions-League-Finalist Manchester City und Thibaut Courtois von Real Madrid Weltklasse-Fußballer in seinen Reihen.

Portugal als noch amtierender Europameister und Spanien, das Deutschland vor einem halben Jahr mit 6:0 geschlagen hat, gehören zum erweiterten Kreis der Titelanwärter.

„Auch wenn alle Experten Frankreich, Belgien oder sogar Portugal für die Favoriten halten, sehe ich Deutschland weiterhin auf Augenhöhe mit diesen Mannschaften“, sagte Ungarns Nationaltorhüter Peter Gulacsi, der bei RB Leipzig spielt, über die Chance für das Team von Joachim Löw.

Welchen Einfluss hat Corona auf das Turnier?

Drei Spieler mehr durften nominiert werden. Die Teams bewegen sich in einer Blase. Doch trotz Sicherheitsvorkehrungen sind diese nicht dicht, wie positive Fälle bei Spanien und Schweden zeigen. Die Spanier haben deswegen sogar einen B-Kader mit 17 Spielern gebildet, der sich in einer eigenen Blase aufhält und im Fall einer Team-Quarantäne zum Einsatz kommen könnte.

Um spielen zu können, braucht eine Mannschaft mindestens 13 Spieler, darunter einen Torwart, die negativ getestet sind. Sind es Profis, die neu zum Kader hinzukommen, muss die gleiche Anzahl aus dem ursprünglichen Aufgebot gestrichen werden.

Kann eine Mannschaft keine 13 gesunden Spieler stellen, wird die Partie abgesagt und innerhalb von 48 Stunden nachgeholt. Ist eine Austragung auch dann nicht möglich, wird die Partie 0:3 gegen die betroffene Mannschaft gewertet. Können beide Teams aufgrund von Corona keine 13 Spieler stellen, entscheiden die Juristen der Uefa über die Wertung.

Sind Zuschauer bei den Spielen in den Stadien zugelassen?

Ja, Uefa-Präsident Aleksander Čeferin hatte von den Ausrichterstädten verlangt, die Rückkehr in die Stadien zu garantieren. Überall gehen nun die Tore auf – zwischen 20 Prozent (München) und 100 Prozent (Budapest) der Kapazität werden genutzt.

Der Regelfall ist der vom Eröffnungsspiel zwischen Italien und Türkei in Rom, wo etwa jeder vierte Platz belegt sein soll. Die Bilder von der Stimmung auf den Rängen sind für die Uefa enorm wertvoll – gerade auch gegenüber den Sponsoren. „Fußball ohne Fans ist nicht dasselbe, und es ist sehr wichtig, sie zurück zu haben“, betont Turnierchef Martin Kallen.

Wird es Public Viewing in deutschen Städten geben?

Durch die sinkenden Infektionszahlen ist gemeinsames Fußballschauen wieder möglich. Doch eine Atmosphäre wie bei vorherigen Turnieren wird wahrscheinlich nicht entstehen.

So wird es dieses Mal keine Fanmeile am Brandenburger Tor in Berlin geben. In Sachsen gilt die Regel, dass keine Testpflicht nötig ist, wenn der notwendige Abstand eingehalten werden kann. Wo das nicht möglich ist, muss ein negativer Test vorgezeigt werden. „Die Obergrenze ist bei 999 Personen festgelegt“, erklärte Sozialministerin Petra Köpping am Dienstag. Was drüber hinaus geht, müsse als Großveranstaltung angemeldet werden. Für jede Veranstaltung muss beim Gesundheitsamt ein Hygienekonzept vorgelegt werden.

In Dresden werden zum Beispiel alle Spiele, die im Free-TV laufen, auf einer LED-Leinwand neben der Ballsport-Arena an der Weißeritzstraße übertragen. Wo die Dresdner die Spiele sonst noch verfolgen können.

Welche TV-Sender übertragen die EM 2021?

Das ist nicht mehr so einfach wie früher. 41 von 51 EM-Partien laufen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Die ARD beginnt mit dem Eröffnungsspiel in Rom und zeigt 21 Partien. Das ZDF überträgt 20 Begegnungen und beendet das Turnier mit dem Finale in London. Auch die Partien der deutschen Nationalmannschaft laufen im Ersten oder Zweiten.

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Die Telekom zeigt über Magenta-TV als einziger Sender alle 51 Spiele live, davon zehn Begegnungen exklusiv. Dafür hat der Sender ein namhaftes Expertenteam gebildet, zu dem unter anderem Michael Ballack gehört. Wer alle Spiele der EM verfolgen möchte und nicht schon zu den rund vier Millionen Kunden von Magenta-TV gehört, muss zahlen. Das Angebot lässt sich über das Internet buchen, was nach Telekom-Angaben in der günstigsten Variante zehn Euro pro Monat kostet. (mit dpa/sid)

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