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Bayer macht Bundesliga-Blamage komplett

Erst verliert die TSG 1899 Hoffenheim ihr Euopa-Leage-Heimspiel gegen den norwegischen Meister Molde FK, dann zieht Bayer Leverkusen gegen Bern nach.

Young Boys' französischer Stürmer Theoson Jordan Siebatcheu (r) feiert den ersten Treffer seiner Mannschaft gegen Leverkusen.
Young Boys' französischer Stürmer Theoson Jordan Siebatcheu (r) feiert den ersten Treffer seiner Mannschaft gegen Leverkusen. © Ina Fassbender/AFP POOL/dpa

Von Holger Schmidt und Alexander Sarter

Leverkusen/Sinsheim. Die Berner Spieler hüpften im Strafraum im Kreis, die Leverkusener rannten schnurstracks in die Kabine: Die totale Blamage für die Fußball-Bundesliga in der Europa League ist perfekt. Bayer Leverkusen hat am späten Abend die Ehre der deutschen Eliteliga nicht gerettet und ist bereits in der Zwischenrunde des kleinen Europacups ausgeschieden. Die Werkself verlor gegen den Schweizer Double-Sieger Young Boys Bern nach dem 3:4 im Hinspiel auch im eigenen Stadion mit 0:2 (0:0).

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Damit ist im Achtelfinale keiner aus dem Bundesliga-Trio mehr vertreten. Zuvor waren der VfL Wolfsburg bereits in den Playoffs gegen AEK Athen und 1899 Hoffenheim am früheren Abend gegen Molde FK aus Norwegen ausgeschieden.

Für Leverkusen, das nur drei der letzten 13 Pflichtspiele gewann, ist es nach dem peinlichen Pokal-Aus beim Viertligisten Rot-Weiss Essen vor drei Wochen die nächste bittere Enttäuschung. Der zuletzt offen gelebte Traum vom ersten Titel seit 1993 ist diesmal schon Ende Februar ausgeträumt. Trainer Peter Bosz dürfte damit trotz gegenteiliger Bekenntnisse der Vereinsführung durchaus in Erklärungsnot geraten.

Ersatzkeeper Lomb patzt

"Das ist nicht unser Anspruch. Die Enttäuschung ist jetzt sehr groß", sagte Nationalspieler Jonathan Tah. "Es läuft nicht mehr so einfach wie in der Hinrunde. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass heute jemand von uns das Spiel nicht gewinnen wollte", fügte der Abwehrspieler beim TV-Sender Nitro hinzu.

Der etatmäßige Ersatztorhüter Niklas Lomb patzte beim 0:1 durch Jordan Siebatcheu (48.) wie schon vier Tage zuvor im Liga-Spiel beim FC Augsburg gravierend, als er eine abgefälschte Flanke aus der Hand fallen ließ. Für die Entscheidung sorgte Christian Fassnacht mit seinem Treffer vier Minuten vor dem Abpfiff. Für Bern und den von Borussia Mönchengladbach umworbenen Trainer Gerardo Seoane ist es derweil der erste Einzug in ein europäisches Achtelfinale seit 60 Jahren.

Die Gäste aus der Schweiz waren in der ersten Halbzeit die gefälligere Mannschaft. Bayer kam vor der Pause zu keiner wirklich nennenswerten Torchance. Für die außergewöhnlichste Szene sorgte unfreiwillig Bosz, der am Spielfeldrand einen Ball aufheben wollte, wegrutschte und sich danach mit einer wilden Geste selbst anfeuerte.

Bailey verpasst den Ausgleich

Bayer-Sportchef Rudi Völler schaute beim Pausenpfiff beschwörend nach oben. Doch statt mit Beistand von oben begann die zweite Halbzeit mit einem Schockmoment, als der schon im Hinspiel zweimal erfolgreiche Siebatcheu das erneute Lomb-Missgeschick nutzte und den Ball aus einem Meter per Kopf über die Linie drückte.

Bailey hätte fast spektakulär den Ausgleich erzielt, sein Hackenschuss aus vier Metern prallte Bern-Torhüter David von Ballmoos aber genau auf den Oberkörper (56.). Bosz brachte nun Lucas Alario als zweiten Mittelstürmer neben Patrik Schick. Sein Team rannte nun engagiert und wild, aber auch plan- und ideenlos an.

Peinlicher Auftritt der TSG 1899 Hoffenheim

Zwei Stunden vorher hieß es bei den Profis der TSG 1899 Hoffenheim: Nichts wie weg vom Ort der Blamage. Binnen weniger Sekunden waren alle Profis der TSG Hoffenheim nach dem peinlichen Europa-League-Aus mit hängenden Köpfen in die Kabine verschwunden. Nur der bediente Trainer Sebastian Hoeneß verharrte noch eine Zeit lang in Schockstarre auf der Bank.

Der Coach konnte nicht fassen, dass der Fußball-Bundesligist den erstmaligen Einzug in ein Europacup-Achtelfinale verpasst hatte. Die maßlos enttäuschenden Kraichgauer unterlagen im Zwischenrunden-Rückspiel 0:2 (0:1) gegen den viermaligen norwegischen Meister Molde FK.

Moldes doppelter Torschütze Eirik Ulland Andersen (l) kämpft um den Ball mit Hoffenheims Sebastian Rudy.
Moldes doppelter Torschütze Eirik Ulland Andersen (l) kämpft um den Ball mit Hoffenheims Sebastian Rudy. © Hoffenheim scheitert an Molde FK

"Irgendwie sollte es nicht sein. Es ist Wahnsinn, dass man nach den beiden Spielen nicht weiterkommt", sagte TSG-Kapitän Oliver Baumann bei DAZN: "In der zweiten Halbzeit war es ein Tick zu wenig. Wenn man es am Ende sieht, ist das Aus doch verdient."

Eirik Ulland Andersen (20. und 90.+4) traf zweimal für den krassen Außenseiter Molde.

Nur zu Beginn deutlich überlegen

Nach dem 3:3 (3:1) im Hinspiel galten die nach wie vor personell gebeutelten Hoffenheimer trotz des Ausfalls von zehn Profis als klare Favoriten auf den Einzug in die nächste Runde. Nun jedoch geht die Auslosung am Freitag ohne die TSG über die Bühne.

"Ein Weiterkommen wäre für uns als Klub, für uns als Team und für mich persönlich ein großer Erfolg", hatte Hoeneß vor der Partie gesagt: "Dann hätten wir etwas Historisches geschafft."

Beim Geisterspiel in Sinsheim waren die Gastgeber zu Beginn deutlich überlegen. Die Hoffenheimer, die mit fünf Siegen aus sechs Partien, 16 Punkten und 17:2 Toren die zweitbeste Gruppenphase eines Bundesligisten hatten, schnürten die Norweger in deren Hälfte ein. Florian Grillitsch vergab die erste Möglichkeit (5.).

Kurz darauf hatte Bayern-Leihgabe Chris Richards die Führung auf dem Kopf. Der Verteidiger konnte aber ebenso wenig vollstrecken wie Munas Dabbur Sekunden später (beides 15.). Die mangelhafte Chancenverwertung wurde umgehend bestraft. Ulland Andersen traf beim ersten gefährlichen Vorstoß der Gäste.

Ideenlos im Angriff

Der Rückstand verunsicherte die Hoffenheimer, die für mehrere Minuten komplett ihre Linie verloren. Dabbur hätte für Beruhigung sorgen können, der Israeli scheiterte aber per Kopf an Moldes starkem Torwart Andreas Linde (29.). Bis zur Pause fiel den Kraichgauern nicht mehr viel ein, um das Abwehrbollwerk der Norweger zu überwinden.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs war es erneut Dabbur, der an Linde scheiterte (48.). Kurz darauf brachte Hoeneß seinen zuletzt angeschlagenen Star Andrej Kramaric (56.). Der kroatische Vizeweltmeister sollte die Wende bringen.

Kramaric belebte zwar auch das statische Offensivspiel, ein Treffer gelang den Hoffenheimern aber auch nach über einer Stunde nicht. Den Gastgebern fehlten im Angriff vor allem Ideen und Tempo. Nach 65 Minuten agierte die Hoeneß-Elf zunehmend nervös und kopflos. Kramaric verzog in der 72. Minute einen Schuss aus der Distanz nur knapp. (sid)

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