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Wieso sich Dynamos Torwart keine Krise einreden lässt

Beim Drittligisten ist auch Schlussmann Kevin Broll in die Kritik geraten. Doch im Interview sagt er: „Selbstzweifel sind ein gefährlicher Gegner.“

Ruhe bewahren und nach vorn schauen: Das fordert Dynamos Torwart Kevin Broll nach der zuletzt enttäuschenden Leistung von sich und der Mannschaft.
Ruhe bewahren und nach vorn schauen: Das fordert Dynamos Torwart Kevin Broll nach der zuletzt enttäuschenden Leistung von sich und der Mannschaft. © Jürgen Lösel

Plötzlich scheint der starke Rückhalt zu schwächeln. Kevin Broll steht beinahe sinnbildlich für Dynamos Formkurve zum Saisonbeginn: Tendenz fallend. Seinen Patzer bei der 0:3-Niederlage gegen Bayern II in München hat der Torwart direkt nach dem Schlusspfiff eingeräumt, aber das war zuletzt nicht die einzige Szene, in der er mindestens unglücklich aussah.

Im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung äußert sich der 25-Jährige selbstkritisch, ordnet es aber zugleich sachlich ein.

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Kevin Broll, erst hoch gelobt, nun kritisiert: Wie beurteilen Sie den Start für die Mannschaft und sich persönlich?

Es war abzusehen, dass es Rückschläge geben wird, allerdings hat keiner erwartet, dass es so schnell passiert. Vielleicht tut es aber sogar gut, gleich wieder mit beiden Füßen auf dem Boden der Tatsachen zu landen. In den ersten Spielen haben wir gut gearbeitet, gegen Bayern II hat es nicht gereicht. Wir sind keine Überflieger-Mannschaft, auch ein Absteiger aus der zweiten Liga verliert mal ein Spiel. Dafür ist die 3. Liga zu ausgeglichen. Man muss immer ans Limit gehen.

Sie haben direkt nach dem Abpfiff gesagt: Wir reden von Männer-Fußball und zeigen Kindergarten. War es tatsächlich ein Problem der Einstellung?

Das kann man für die erste Halbzeit so sehen, aber wenn wir nach der Pause unsere Chancen nutzen, kann es ganz anders ausgehen. Es hat immer ein Stückchen gefehlt, was jeden geärgert hat, aber wir sind noch mal zurückgekommen. Vielleicht waren wir wirklich vom Kopf her nicht ganz auf der Höhe wie in den ersten Spielen. Man darf aber auch nicht verkennen, dass es die Bayern gut gemacht haben, begünstigt durch einen Fehler von mir zum 0:2.

Wie ist die Mannschaft intern mit der Enttäuschung umgegangen?

Natürlich war jeder gefrustet und erst mal mit seiner eigenen Leistung beschäftigt. Trotzdem müssen wir als Team nach einer Niederlage erst recht zusammenstehen. Es bringt nichts, sich gegenseitig zu zerfleischen. Ich trage zwar das Herz auf der Zunge, aber darüber möchte ich jetzt nicht mehr sprechen. Es ist passiert, wie es jeder Mannschaft passieren kann. Deshalb muss man es nüchtern einordnen: Okay, das war schlecht, also machen wir es wieder besser. Für mich war das direkt danach abgehakt.

Können Sie eigene Fehler genauso schnell abhaken?

Ja, mittlerweile schon. Ich bin nicht mehr der Teenager. Mir war sofort klar, dass ich bei dem Tor nicht gut ausgesehen habe. Ich wollte zwei Sachen auf einmal machen, das funktioniert halt nicht. Wir Männer sind sowieso weniger gut multitaskingfähig. Nein, Spaß. Man muss sich zu hundert Prozent auf das konzentrieren, was vor einem liegt – das ist Magdeburg, das Derby.

Trotzdem nachgehakt: Es war nicht die einzige Szene, für die Sie kritisiert werden. Beim Tor gegen Mannheim und dem direkt verwandelten Freistoß in München waren Sie am Ball, konnten die Gegentore aber nicht verhindern. Wie stehen Sie zu Ihrer eigenen Aussage: Wenn der Torwart dran ist, kann er ihn halten?

Ja, das ist unglücklich gelaufen. Gegen Waldhof war es ein strammer Schuss. Im Video sehe ich, dass ich nicht optimal stehe, aber der Ball senkt sich im letzten Moment. Das ist keine Entschuldigung. Ich dachte in dem Moment selber: So ein Mist, was war jetzt schon wieder los? Aber das gibt es. Der Freistoß von Fiete Arp war gut geschossen, ich war mit der ganzen Hand dran. Wenn der Bewegungsablauf stimmt, habe ich ihn vielleicht.

Sind Sie mental stark genug, sich keine Formkrise einreden zu lassen?

Ja, klar. Die Dinge muss man abhaken. Wir haben als Mannschaft nicht gut ausgesehen in der ersten Halbzeit, von daher passt meine Leistung leider dazu. Trotzdem haben wir uns wieder reingekämpft, Mentalität war da. Bloß das Ding wollte vorn nicht rein, es hat ein Tick gefehlt – genau wie bei mir: Ich war dran, der Ball ging trotzdem hinter die Linie. Aber es ist eine so lange Saison, da macht man das wieder wett.

Sie haben in München ja auch einen Elfmeter gehalten, der gut geschossen war, um mal über das Positive zu reden.

Er hat lange gezögert, ich habe auch lange gewartet und mich im letzten Moment für die richtige Ecke entschieden. Aber ich will nicht den Helden spielen, weil ich mal wieder einen Elfmeter gehalten habe.

Ihre Quote ist herausragend: In der 3. Liga haben Sie von 13 Strafstößen neun abgewehrt. Wie machen Sie das?

Ja, das hört sich gut an. Für euch Journalisten und Kommentatoren ist es schön, etwas zu erzählen zu haben. Aber letztlich gewinnst du damit eben auch nicht jedes Spiel – das hat man in München gesehen.

Was wird am Samstag im Heimspiel gegen Magdeburg anders sein?

Es ist ein Derby. Es wird Spaß machen, im eigenen Stadion zu spielen, uns von den Fans anspornen zu lassen. Das wird auf jeden Fall für uns ein richtungsweisendes Spiel, um wieder in die Spur zu kommen. Trotzdem dürfen wir uns vorher nicht verrückt machen.

Was macht für Sie als Mannheimer Bub denn den besonderen Charakter dieses Ost-Derbys aus?

Leider fehlen die Gäste-Fans, um eine richtig geile Kiste daraus zu machen. Es sind zwei gute Mannschaften, zwei Vereine mit großer Tradition. Wir haben einige Spieler, die hier aus der Region stammen. Für sie ist es ein Derby wie für mich die Partie gegen Kaiserslautern, die für die anderen eine von vielen war. Letztlich geht es wie in jedem anderen Spiel darum, es zu gewinnen.

Nach einer Leistung wie in München und der klaren Niederlage heißt es: Die Mannschaft muss eine Reaktion zeigen. Wie kann die aussehen?

Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen, die Umschaltaktionen mit Überzeugung ausführen, der letzte Pass muss genau kommen. Die Konzentration muss bei jedem Spielzug, bei jedem Lauf da sein. Wir dürfen uns nicht verrückt machen, wenn etwas nicht läuft. Dann müssen wir uns wieder reinkämpfen.

Gilt also für Sie wie für die Mannschaft: kein Grund für Selbstzweifel?

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Absolut. Es ist der vierte Spieltag. Es kann nicht immer alles klappen, aber deshalb darf man sich nicht in ein Loch verkriechen und denken: Oh Gott, was habe ich da gemacht!? Selbstzweifel sind ein gefährlicher Gegner für jede Mannschaft.

Das Gespräch führte Sven Geisler.

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