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Dynamos Schnellster braucht keine Anlaufzeit

Morris Schröter galt bei seiner Verpflichtung als Mann für die zweite Reihe. Ein großer Irrtum. Flexibler als er ist keiner.

Ist in Dresden angekommen, sportlich und privat: Morris Schröter (r.).
Ist in Dresden angekommen, sportlich und privat: Morris Schröter (r.). © Lutz Hentschel

Dresden. Die Missverständnisse beginnen schon beim Vornamen. Morris wird gar nicht Morris gerufen – zumindest nicht von seinen Eltern, Oma und Opa. Die sagen Maurice zu ihm, was die französische Form von Morris ist, Moritz wäre die deutsche. Warum die Eltern diesen ungewöhnlichen Namen ausgesucht haben und ihn dann anders aussprechen, damit habe er sich noch nicht beschäftigt, gesteht Morris Schröter, obwohl er immer mal wieder darauf angesprochen wird. Es ist einfach so.

Der Neuzugang von Dynamo beschäftigt sich lieber mit Dingen, die er verändern kann. Am vergangenen Sonntag zum Beispiel schoss er sein erstes Tor für Dynamo und in der 2. Bundesliga, den Treffer zum 3:0-Endstand gegen Werder Bremen. „Natürlich fühlt sich das gut an“, sagt Schröter und erzählt, dass er „die eine oder andere Nachricht“ bekommen habe. Damit ist aber auch gut.

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Wichtiger ist ihm, dass er nach zwei Spielen, bei denen er seine Leistung unter „durchwachsen“ einordnet, wieder überzeugen konnte. „Das gibt mir einen Selbstvertrauensschub, den ich hoffentlich ein bisschen konservieren kann“. Nötig hätte er das eigentlich nicht.

Als Schröter Mitte Juni von Dynamo als erster Neuzugang verpflichtet wurde, hielt sich die Begeisterung unter den Fans in überschaubarem Rahmen. Ein Mann für die zweite Reihe, Ergänzungsspieler, nicht mehr. FSV Zwickau, 3. Liga – das klingt eben nicht nach großer Fußballbühne. Da half es auch wenig, dass er in den beiden vergangenen Jahren zu den besten und auffälligsten Profis der 3. Liga gehörte.

Knapp vier Monate später steht fest: Ihn als Mann für die zweite Reihe einzuordnen, war ebenfalls ein Missverständnis. Bisher hat Schröter noch kein Pflichtspiel bei den Schwarz-Gelben verpasst, stand immer in der Startelf, in der ersten Reihe also. Und nun taucht er auch noch in der Torschützenliste auf. Überrascht ist er davon nicht wirklich. „Ich bin nach diesen zwei guten Jahren mit Selbstvertrauen, aber auch mit Demut nach Dresden gekommen“, erzählt er. „Für mich war der Sprung in die zweite Liga der logische Schritt. Und ich wusste von meinen bisherigen Stationen, dass ich meine Chance nutzen werde, wenn ich sie bekomme. Ein bisschen Anlaufzeit ist normal, das gehört dazu.“ In Dresden ist die nicht nötig.

Wobei es so viele Stationen noch gar nicht gab, nach seinem Heimatverein Grün-Weiß Wolfen waren es nur zwei: 1. FC Magdeburg, wo er den Sprung zum Männerbereich schaffte, und FSV Zwickau. Bei beiden Vereinen war er jeweils sechs Jahre, was in diesen Fußball-Zeiten ungewöhnlich ist und für eine gewisse Kontinuität spricht. Und dafür, dass er nicht gleich wegrennt, wenn es mal nicht so läuft.

Schröter sagt selbst, dass er ein Bauchmensch sei, sich auf sein Gefühl verlässt. Als er in der 5. Klasse war und der Hallesche FC anklopfte, fühlte er sich noch zu jung für den Sprung auf die Sportschule. Er wechselte später – und lieber nach Magdeburg, weil dort die Bedingungen für den Nachwuchs besser waren. Am Ende seiner Zeit in Zwickau hatte er Angebote aus Aue und Rostock, entschied sich letztlich aber auch für Dresden, weil die Infrastruktur mit dem neuen Trainingszentrum seiner Meinung nach hier am besten war. „Bis jetzt kann ich sagen, dass ich nicht viel verkehrt gemacht habe“, findet er.

Schon in der Schule einer der Schnellsten

Und Dynamo nicht mit ihm. Bei den neun Pflichtspielen bisher kam Schröter schon auf drei Positionen zum Einsatz: als rechter Verteidiger, in einer Mittelfeld-Raute und zuletzt als Außenstürmer. „Wenn mich der Trainer demnächst mal ins Tor stellt, spiele ich auch da“, sagt er und grinst. Die Flexibilität ist eine seiner großen Stärken – und ein Vorteil bei Taktikwechseln und langen Verletztenlisten. Einer wie Schröter wird immer gebraucht.

Das liegt auch an seiner Schnelligkeit, bereits zu Schulzeiten gehörte er über 60 und 100 Meter zu den Besten. Im lauf- und sprintintensiven System von Trainer Alexander Schmidt, der die Gegner hoch anlaufen lässt, ist hohes Tempo unabdingbar. Eine Höchstgeschwindigkeit von 34,7 Stundenkilometern wurde bei ihm gemessen.

Angesichts solcher Werte erstaunt, dass Schröter kaum mit Verletzungen ausfällt, die letzte größere war eine Schambeinentzündung 2018. „In dieser Zeit habe ich gelernt, dass ich besser auf meinen Körper hören muss“, sagt er. Außerhalb der Einheiten mit Dynamo macht er deshalb Extra-Übungen, und er rät jüngeren Spielern, immer ehrlich gegenüber dem Trainer zu sein, kleine Verletzungen nicht zu verschweigen. „Als ich das früher gemeldet habe, schmunzelten einige Mitspieler. Aber ich weiß: Das war richtig.“ Wieder so ein Bauchgefühl.

Ob die Verpflichtung von Schröter für Schmidt auch eine Bauchentscheidung war, ist nicht bekannt. Der Trainer argumentiert eher mit den Vorzügen. „Morris ist schnell, torgefährlich, ein guter Vorbereiter, kann intensiv spielen, gut regenerieren – es gibt eigentlich wenig, was gegen ihn spricht“, meint der Trainer. „Deshalb war er auch einer meiner Wunschspieler.“

Ligen unterscheiden sich nur in Kleinigkeiten

Den Sprung von der dritten in die zweite Liga traute er dem Neuzugang absolut zu. Nach mehrwöchiger Praxis empfindet Schröter die Unterschiede als nicht so gravierend, es sind eher Kleinigkeiten, die ihm auffallen. „In der 2. Bundesliga ist mehr mentale Frische nötig, zum Beispiel bei der Vororientierung. Man muss vor der Ballannahme die Situation richtig einschätzen und wissen, was man als Nächstes tun kann. Auch die individuelle Qualität der Spieler ist natürlich höher“, erklärt er.

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Auch privat ist Schröter angekommen. Die geplante Fahrgemeinschaft mit Chris Löwe, mit dem er gemeinsam zwischen Chemnitz und Dresden pendeln wollte, kam nie zustande. „Ich habe eine Wohnung in Dresden gefunden, bin aber auch noch viel in Chemnitz“, sagt er. Vielleicht bleibt er ja wieder sechs Jahre bei seinem neuen Verein. Er wäre dann 32.

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