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So macht Dynamo kurzen Prozess

Die Dresdner entscheiden das Spiel in Duisburg mit zwei schnellen Toren nach der Pause. Das 3:0 ist der vierte Sieg in Folge - die Analyse mit den Reaktionen.

Dynamo jubelt – und das sind die Torschützen (v. r.): Christoph Daferner, Patrick Weihrauch und Philipp Hosiner. Die Dresdner gewinnen in Duisburg souverän.
Dynamo jubelt – und das sind die Torschützen (v. r.): Christoph Daferner, Patrick Weihrauch und Philipp Hosiner. Die Dresdner gewinnen in Duisburg souverän. © osnapix

Defensiv beeindruckend stabil, offensiv höchst effektiv. Das ist die Mischung, die derzeit in der 3. Liga den Unterschied macht. Das ist die Dynamo-Mischung, mit der die Dresdner von Sieg zu Sieg eilen. 3:0 gewinnen sie am Sonntagmittag beim MSV Duisburg. Philipp Hosiner leitet den vierten Sieg hintereinander mit dem 1:0 in der 25. Minute ein, ehe Patrick Weihrauch und Christoph Daferner kurz nach der Pause mit einem Doppelschlag (53., 55.) für die endgültige Entscheidung sorgen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Es sind drei Standardsituationen, zwei Einwürfe und ein Eckball, die den auch in dieser Höhe verdienten Sieg besiegeln und Dynamo danach tanzen und singen lassen.

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Den Schlachtruf, den Markus Kauczinski seinen Spielern nach dem Schlusspfiff im Mannschaftskreis mehrmals entgegenbrüllt, will der Trainer danach nicht verraten. „Das bleibt geheim“, meint er. Dass in der Kabine das unerwartet deutliche wie souveräne 3:0 gefeiert wird, ist allerdings nicht zu überhören. „Du musst das rauslassen, musst das genießen. Da kann jeder auch mal ein bisschen durchdrehen. Diese Freude gibt Energie, wenn es am Dienstag im Training wieder weitergeht“, sagt Marco Hartmann, seines Zeichens nicht unbedingt als Feierbiest bekannt.

Hartmann als personifizierter Erfolgsgarant

Für kurze Zeit sind die Dresdner diese Saison sogar erstmals Spitzenreiter (weil Saarbrücken erst kurz vor Schluss den Ausgleich schafft), wobei sie die Tabelle momentan am wenigsten interessiert – behauptet zumindest Hartmann, der personifizierte Erfolgsgarant. „Nicht so viel auf die Tabelle gucken, sondern weitermachen“, sagt er. Seit der 32-Jährige nach seiner x-ten Verletzung in die Anfangsformation zurückgekehrt ist und Dynamo die Gelegenheit genutzt hat, in der Abwehr auf Dreierkette mit ihm als Organisator umzustellen, reiht sich Sieg an Sieg. In Zahlen ausgedrückt: zwölf Punkte in 14 Tagen mit 10:2 Toren. Viel besser geht es nicht.

Trainer Markus Kauczinski darf seinem Team applaudieren.
Trainer Markus Kauczinski darf seinem Team applaudieren. © Eibner-Pressefoto

Zugleich hat sich, begünstigt durch die Erfolge, eine Stammelf herausgebildet. Rotation in dieser englischen Woche mit dem Samstag-Mittwoch-Sonntag-Rhythmus wie sie auch die Duisburger praktizieren – bei Dynamo kein Thema. Nachgedacht hat Kauczinski natürlich darüber. Er sei sogar hin- und hergerissen gewesen, ob er nicht doch den einen oder anderen frischen Spieler in die Anfangsformation stellen soll.

Am Ende hat er sich aus gutem Grund dagegen entschieden. Vier Tage Pause, findet Kauczinski, müssen reichen. Die Jungs, sagt er und meint seine Spieler, hätten sich die Aufstellung verdient mit guten Leistungen und auch im Training nach dem Unterhaching-Spiel einen guten Eindruck hinterlassen. Nicht zuletzt habe sein Bauchgefühl den Ausschlag gegeben, und es hat ihn nicht getäuscht. „Unterm Strich steht für mich eine geschlossene Mannschaftsleistung, in der jeder seinen Job gemacht hat“, sagt der Trainer.

Er setzt auf personelle Kontinuität, vor allem auf die jetzt zunehmend erkennbaren Automatismen, die Selbstverständlichkeiten. Gemeint ist damit nicht die Gewissheit, dass es nach den drei Siegen zuletzt nun so weitergeht. Diese erfolgreichen Partien geben vielmehr die Sicherheit, auf dem richtigen Weg zu sein. „Wir haben Abläufe, die funktionieren, und sind überzeugt von dem, was wir spielen. Und dann gelingen natürlich auch Dinge, die nicht immer gelingen. Das muss man auch sagen“, verdeutlicht Hartmann.

So ist es auch diesmal. Denn Duisburg ist in den ersten Minuten die bessere, die frischere Mannschaft. Dynamo tut sich schwer – aber hat das Spielgeschehen unter Kontrolle. Was auch an den Gastgebern liegt. Dass sie Tabellenvorletzter sind, ist ihnen anzumerken: Flüchtigkeitsfehler im Spielaufbau, umständlich beim Torabschluss, mit Lücken in der Defensive.

Der Doppelschlag nach der Pause entscheidet

Manchmal passt Statistik eben doch genau: Die schlechteste Abwehr der Liga trifft auf die beste. Während Dynamos Verteidiger, allen voran Hartmann und Tim Knipping, notfalls im letzten Moment noch Pässe abfangen, Flanken klären und Eingaben weggrätschen, reicht offensiv wieder die erste echte Chance zur Führung. Und erneut ist es ein lehrbuchreifer Angriff, wie ihn die Dresdner zuletzt häufiger schon gezeigt haben und damit zu Treffern gekommen sind.

Diesmal heißen die Stationen Daferner, Stark und Meier, dessen Pass in den Strafraum wiederum Daferner passieren lässt und Hosiner völlig frei stehend keine Mühe hat, zum 1:0 zu vollenden. Nach dem Seitenwechsel brauchen die Dresdner zwei weitere Chancen, dann ist das Spiel entschieden. Duisburgs Defensivschwäche kommt ihnen dabei entgegen, sie nutzen dies aber auch konsequent aus. Den Einwurf von Meier verlängert Hosiner auf Daferner, der in den Strafraum stürmt und unter Bedrängnis auf Weihrauch passt. Der Spielmacher hat keine Mühe, zum 2:0 einzuschieben. Keine hundert Sekunden später tauschen Vorbereiter und Torschütze die Rollen: Nach Eckball von Weihrauch trifft Daferner per Direktabnahme sehenswert zum 3:0-Endstand.

Danach, es ist die 55. Minute, hätte der Schiedsrichter das ungleiche Duell eigentlich abpfeifen können. Duisburg müht sich die verbleibende gute halbe Stunde vergeblich, ohne zu einer einzigen Torchance zu kommen – dabei beschränkt sich Dresden nur noch aufs Nötigste. Das genügt, und das sagt alles.

„Da ist schon etwas entstanden in den vergangenen Wochen, wir sind als Mannschaft zusammengewachsen“, sagt Weihrauch danach und stellt eine Frage, die mehr Feststellung ist: „Warum soll die Serie jetzt nicht noch weitergehen?“

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Ja, warum eigentlich nicht? In Duisburg macht direkt nach Schlusspfiff jedenfalls schon die Zahl acht die Runde. Acht Siege hintereinander – gab es im Herbst 2015 für Dynamo und am Saisonende den Aufstieg. Doch Hartmann dämpft die Euphorie. „Es macht keinen Sinn, darüber nachzudenken. Und das ist auch keine Zielstellung für uns, weil die viel zu weit weg ist“, erklärt er. Hartmann, der angeschlagen ins Spiel gegangen ist und im wahrsten Sinne des Wortes mit einem blauen Auge diese kraftraubende, intensive Woche beendet, denkt schrittweise. Das heißt: Erst mal ausgiebig regenerieren, und dann kommt am Samstag das Heimspiel gegen Uerdingen.

Hier gibt es den Liveticker von Dynamos Sieg zum Nachlesen.

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