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Die Tabelle? Interessiert mich nicht, sagt Dynamos Torwart

Die Dresdner stehen nach dem 2:0 gegen Hannover auf einem Aufstiegsplatz in der zweiten Liga. Kevin Broll sagt im Interview, wie die Mannschaft damit umgeht.

Torwart Kevin Broll (l.) jubelt nach Dynamos Sieg gegen Hannover mit Sebastian Mai, dem Torschützen zum 2:0.
Torwart Kevin Broll (l.) jubelt nach Dynamos Sieg gegen Hannover mit Sebastian Mai, dem Torschützen zum 2:0. ©  dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Kevin Broll hatte durchaus schon stressigere Arbeitstage, als den Samstagabend gegen Hannover 96. Beim 2:0-Heimsieg seiner Dynamos ist der Torwart nahezu beschäftigungslos. Im Interview spricht der 25-Jährige daher nicht nur über die Qualität seiner Vorderleute, sondern auch über die Euphorie im Umfeld und die Notwendigkeit, gerade jetzt, wo die Schwarz-Gelben nach drei Spieltagen auf einem Aufstiegsplatz in der 2. Fußball-Bundesliga stehen, die Ruhe zu bewahren.

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Kevin Broll, Glückwunsch zum 2:0-Sieg gegen Hannover 96. Sind Ihnen der derzeitige Lauf oder die Tabellenkonstellation fast schon unheimlich?

Die Tabellensituation interessiert mich aktuell überhaupt nicht, wir haben erst den dritten Spieltag hinter uns. Ich sage es immer wieder: Wir müssen die Kirche im Dorf lassen, einfach weiter so hart arbeiten, wie die letzten Spiele, und alles raushauen. Auf dem Platz dazu höchste Disziplin bringen, vorne knipsen und dann gewinnst du auch mal solche Spiele ganz dreckig. War aber auch verdient heute, das muss man so sagen.

Es gab schon Spiele, in denen Sie mehr Arbeit hatten als gegen Hannover. Ist die Anspannung dann noch ein Stück größer, weil an diesem Samstagabend die komplette Liga zugesehen haben wird?

Ich habe irgendwann mal hochgeguckt, es war die 27. Minute, und habe mir gedacht: Hattest du überhaupt schon mal einen Ball in der Hand, außer bei einem Kopfball-Rückpass? Es ist schwer, die Spannung hochzuhalten und im Moment da zu sein. Das kennt aber jeder Torhüter. Manchmal bist du 90 Minuten nicht gefragt, und dann muss es klatschen. Deshalb bist du immer im Spiel und versuchst auch, verbal Stimmung zu machen. Es war ruhig und trotzdem nicht einfach.

Glauben Sie, dass Hannover nach dem klaren Ergebnis nun etwas geschockt ist? Oder weiß die Konkurrenz inzwischen um die Qualität des Drittliga-Meisters?

Ich würde nicht sagen, dass sie geschockt waren. Die haben es heute einfach nicht auf die Kette gebracht. Sie haben ihre Momente bekommen, aber wir haben es brutal gut verteidigt. Absolutes Kompliment an meine Vorderleute, was sie abblocken und ablaufen. Das ist nicht selbstverständlich, damit machst du schon Eindruck in der Liga. Trotzdem müssen wir immer bescheiden und demütig sein, nicht groß feiern, bloß, weil wir noch ungeschlagen in der Liga sind. Es kommen noch viele harte Spiele, es kommt der Winter, wenn die Plätze schwerer werden. Dann schauen wir weiter.

In Dresden braucht es manchmal nur einen kleinen Funken, damit das Umfeld beginnt zu träumen. Ist Ihnen bewusst, dass die Menschen hier der Mannschaft viel zutrauen, weil sie in den ersten vier Saisonspielen so gute Leistungen gezeigt hat?

Ja, wir haben willige Spieler und Leute, die sich über die Jahre hochgearbeitet haben, weil sie mehr Wille als Talent besitzen. Deswegen ist das für sie etwas Besonderes, jedes Wochenende in der zweiten Liga zu spielen, in so einem Stadion vor fast 15.000 Fans. Ich will mir gar nicht ausmalen, wenn das Ding voll wäre, was das noch machen würde. Wir behalten trotzdem die Füße am Boden, sind ganz demütig und bescheiden.

Martin Pieckenhagen, ehemaliger Torwart und heutiger Sportchef von Hansa Rostock, saß auf der Tribüne und hat Dresden beobachtet. Wie sehr freuen Sie sich auf die Partie am kommenden Samstag?

Das wird eine geile Kiste. Ich freue mich sehr auf das Derby. Die haben auch einen guten Lauf, sind im Pokal weitergekommen und haben gegen Hannover 3:0 gewonnen. Mal schauen, was dabei rumkommt. Wird auf jeden Fall ein interessantes Spiel.

Hat Dynamo nun etwas Druck, weil es inzwischen auch etwas zu verlieren gibt und die Erwartungshaltung gestiegen ist?

Das hat man hier in Dresden: entweder schwarz oder weiß. Damit muss man umgehen können. Es wird zu Leistungsschwankungen kommen. Die Intensität, die wir jedes Wochenende reinlegen, wird nicht jedes Mal da sein. Vielleicht muss man auch mal die letzten 20 Minuten einfach dreckig hinten stehen und die Kiste sauber halten. Man muss beharrlich bleiben und darf nicht die Nerven verlieren. Auch nicht hier in der Stadt.

Notiert von: Jens Maßlich.

Die Fragen wurden von Dynamo-Pressesprecher Henry Buschmann gestellt. Wegen der Auflagen im Hygienekonzept gibt es derzeit nach Spielen für Journalisten keine Möglichkeit, Interviews mit Trainern und Spielern zu führen.

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