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Das sind Dynamos fünf Baustellen

Die 0:3-Schlappe gegen die Amateure des FC Bayern zeigt, dass die Mannschaft nicht so stark ist, wie viele dachten. Oder ist alles nur eine Frage der Zeit?

Handgreiflicher Trost: Philipp Hosiner hilft Patrick Weihrauch auf.
Handgreiflicher Trost: Philipp Hosiner hilft Patrick Weihrauch auf. © Fotostand

Dresden. Die Tendenz ist eindeutig: Sieg, Unentschieden, Niederlage. Nach dem erkämpften 1:0 in Kaiserslautern und dem eher schmeichelhaften 1:1 gegen Mannheim folgte am Freitagabend das ernüchternde 0:3 bei den Amateuren des FC Bayern. Nicht allein die Höhe der Niederlage gibt zu denken, es war vor allem die Art und Weise, wie Dynamo in der ersten Halbzeit von der im Schnitt 20,4 Jahre jungen zweiten Mannschaft der Münchner – zumindest streckenweise – vorgeführt wurde. Auch wenn sich die Dresdner nach der Pause erheblich steigerten und zu Chancen kamen: Drehen konnten sie die Partie nicht mehr.

Vier Punkte nach drei Spielen ist kein Fehlstart, aber doch eine ernüchternde Ausbeute. Sächsische.de nennt fünf Gründe, warum der Aufstiegsfavorit noch nicht richtig in der 3. Liga angekommen ist.

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Leistungen sind zu schwankend

Größer kann ein Gegensatz kaum sein. Die Pokalpartie zum Auftakt in die neue Saison hatte Dynamo mit 4:1 gegen den Hamburger SV gewonnen, weil der Einsatz stimmte, jeder um jeden Ball kämpfte, die Gegenspieler aggressiv angelaufen und zu Fehlern gezwungen wurden. Und am Freitag? Bis zur Pause nichts von alledem, nicht mal ansatzweise. Es wirkte alles behäbig und pomadig, die Bayern-Bubis hatten viel Platz und Zeit für ihre Kombinationen und Dribblings. Weil es in der zweiten Halbzeit deutlich besser lief, hatte Trainer Markus Kauczinski dafür nur eine Erklärung: „Das war eine Einstellungssache, es stand ja dieselbe Mannschaft auf dem Platz.“ Torhüter Kevin Broll formulierte es noch drastischer: „Vorher reden wir noch von Männer-Fußball, aber das war nur Kindergarten.“

Wie kann das passieren? Die Atmosphäre im leeren Stadion an der Grünwalder Straße war eine ganz andere als im – mit 10.000 Zuschauern gefüllten – Harbig-Stadion gegen den HSV. Fällt es der Mannschaft also schwer, sich im tristen Drittliga-Alltag gegen weniger prominente Gegner zu motivieren? Der Verdacht liegt zumindest nahe. Kauczinski hält es auch für möglich, dass durch die beiden Siege zum Auftakt „eine gewisse Euphorie und ein gewisser Glaube entstanden sind, sodass man denkt: Es geht auch mal mit weniger.“ Vieles finde im Unterbewusstsein statt, sagte der Trainer und kündigte an: „Wir werden das ergründen.“

Nur einer gibt Kommandos

Die Rufe von Sebastian Mai waren selbst auf den Balkons der umliegenden Häuser zu hören. Fast ununterbrochen dirigierte Dynamos Kapitän seine Neben- und Vorderleute, gab Kommandos. Allerdings war er auch der Einzige, der sich zumindest verbal gegen die drohende Niederlage zu stemmen versuchte. Sonst blieb es erstaunlich ruhig in den schwarz-gelben Reihen.

Dabei betonen sowohl Kauczinski als auch Sport-Geschäftsführer Ralf Becker, bei der Zusammenstellung des Kaders auf ausreichend Führungspersonal geachtet zu haben. Wenn es aber mal nicht rund läuft, tauchen zu viele ab. Yannick Stark etwa als erfahrener Zweitliga-Profi müsste deutlich präsenter sein. Aber auch Routinier Chris Löwe und Panagiotis Vlachodimos treten kaum als Antreiber in Erscheinung.

Zu viele individuelle Fehler

Die Aussetzer häufen sich, nun werden sie auch bestraft. Die Unterzahl nach der Hinausstellung von Paul Will in Kaiserslautern kompensierte die Mannschaft noch mit enormem Kampf. Der Fehler von Broll gegen Mannheim wurde durch den späten Ausgleich zumindest teilweise korrigiert. In München klappte das nicht mehr.

Und wieder machte der Torhüter keine glückliche Figur. Beim 0:1, einem sehenswerten Freistoßtreffer von Jann-Fiete Arp aus 18 Metern, war er mit den Fingerspitzen zwar dran, konnte den Treffer aber nicht verhindern. Beim 0:2 schoss er sich den Ball selbst ins Netz. „Das nehme ich auf meine Kappe“, sagte er. Kurz vor der Pause verhinderte er mit einem parierten Elfmeter zwar das 0:3, die Niederlage konnte er damit aber nicht abwenden.

Kauczinski stellte sich nach der Partie schützend vor seinen Keeper. Es seien immer alle verantwortlich, betonte er. „Man kann Dinge vorher verhindern, da können sich andere anders verhalten.“ Vor dem zweiten Gegentreffer hatte Nicolas-Gerrit Kühn im Dribbling vier Dresdner genarrt, Brolls unglückliche Aktion stand nur am Ende einer ganzen Fehlerkette.

Wie schon gegen Kaiserslautern beendete Dynamo die Partie zu zehnt. Tim Knipping sah Gelb-Rot und fehlt damit am Samstag gegen den 1. FC Magdeburg. Die Art des Vergehens macht die Sache doppelt ärgerlich: Der Innenverteidiger wollte mit einer Schwalbe einen Elfmeter schinden.

Die zweite Reihe muss aufholen

Die ersten beiden Treffer der Münchner wurden über Dynamos rechte Abwehrseite eingeleitet. Dort fehlte der verletzte Robin Becker, Max Kulke vertrat ihn. Und der hatte einige Probleme mit den technisch starken und schnellen Bayern-Bubis, lief zu oft – wie vor den Gegentreffern – nur hinterher. Wirklich ersetzen kann er Becker noch nicht. Überhaupt sind die Alternativen in der Defensive, ganz im Gegensatz zur Offensive, nicht üppig. Die Frage nach weiteren Verstärkungen stellt sich also, zumal das Transferfenster erst am Montagabend schließt.

„Wir schließen nichts aus, aber geplant ist nichts“, erklärte Becker am Freitagabend. Kauczinski wurde bei diesem Thema prinzipieller. „Nach einer durchschnittlichen Leistung gegen Mannheim und einer schlechten Halbzeit jetzt bin ich nicht bereit, alles in Sack und Asche zu hauen“, erklärte der Trainer. „Wir haben junge Spieler, die aus Pausen kommen und sich noch finden müssen. Deshalb möchte ich niemanden abschreiben.“ Damit könnte er auch den erst 19-jährigen Kulke meinen, der in der vergangenen Saison nur sechs Mal zum Einsatz gekommen war. „Ich glaube, dass es wichtig ist, die Jungs stark zu machen“, meinte Kauczinski.

Im Abschluss zu harmlos

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