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Welches Ziel für Dynamos Sportchef nicht anständig ist

Ralf Becker hat seinen Vertrag als Geschäftsführer Sport bis 2025 verlängert. Im ersten Interview danach spricht er über Ziele und den Saisonstart.

Ralf Becker hat seinen Vertrag als Geschäftsführer Sport bei Dynamo vorzeitig bis zum 30. Juni 2025 verlängert. Der 51-Jährige seit gut 15 Monaten als Nachfolger von Ralf Minge im Amt.
Ralf Becker hat seinen Vertrag als Geschäftsführer Sport bei Dynamo vorzeitig bis zum 30. Juni 2025 verlängert. Der 51-Jährige seit gut 15 Monaten als Nachfolger von Ralf Minge im Amt. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Ralf Becker ist entspannt, was an dem sonnigen Nachmittag liegen kann. Oder an Dynamos Sieg. Mit 4:0 gewann der Zweitligist das Testspiel gegen den Drittliga-Aufsteiger Viktoria Berlin, die Tore erzielten vor rund 200 Zuschauern im Trainingszentrum Philipp Hosiner, Ransford-Yeboah Königsdörffer, Heinz Mörschel und Julius Kade – alle vor der Pause.

Doch das war kein Thema in der anschließenden Presserunde mit dem Sportgeschäftsführer. Vielmehr ging es um seine Ziele mit den Dresdnern. Am Vormittag hatte der Verein bekannt gegeben, dass der Vertrag mit Becker vorzeitig um drei Jahre bis 30. Juni 2025 verlängert worden ist.

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Herr Becker, was hat für Sie den Ausschlag gegeben, sich langfristig an Dynamo zu binden?

Als es vor 15 Monaten anfing, hatten wir einen Zwei-Jahres-Plan aufgestellt, um den Aufstieg von der dritten in die zweite Liga zu schaffen. Dieses Ziel haben wir nach einem Jahr erreicht. Jetzt wollen wir alles dafür tun, um möglichst jedes Spiel zu gewinnen, am besten wieder das nächste gegen Nürnberg, damit wir im nächsten Sommer weiter in der zweiten Liga dabei sind. Mit dem Dreijahresvertrag, der mir auch wichtig war, wollen wir ein Zeichen setzen, dass es der Anfang einer Entwicklung ist, die wir gern weiterführen wollen.

Wohin soll die Entwicklung gehen?

Wir sind ein toller Verein, und ich glaube, wir haben unsere Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft. Ich freue mich, ein Teil dieses Teams sein zu dürfen, das Dynamo weiter nach vorne bringen will.

Können Sie es konkreter machen?

Für diese Saison ist es klar definiert, die Liga zu halten. Ich denke, wir sollten den Anspruch haben, uns am Ende der weiteren drei Jahre im einstelligen Tabellenbereich der zweiten Liga zu bewegen mit der Richtung ins erste Drittel. Aber wenn Hamburg, Bremen und Schalke weiter dabei sind, beeinflusst das für alle anderen eine vernünftige Zielsetzung. Im Fußball muss man mit Formulierungen vorsichtig sein, aber es sollte zu erkennen sein, dass es Schritt für Schritt vorangeht, es eine gute Stabilität gibt. Wir wollen eine feste Größe in dieser Liga werden mit der Tendenz, jedes Jahr weiter nach vorn zu kommen.

Sie vermeiden das Wort Bundesliga – könnte Union Berlin ein Vorbild sein?

Das war eine Entwicklung über zehn Jahre. Der Aufstieg in die Bundesliga kann schon mal funktionieren, aber sie haben dann sehr gute Entscheidungen getroffen, um sich dort zu behaupten und keine Eintagsfliege zu sein. Davon kann man sich sicher etwas abschauen – aber wir versuchen, unseren eigenen Weg zu gehen. Ich möchte mich nicht limitieren in Zielen, aber wenn wir 2025 sagen können, wir sind gut dabei in allem, was wir uns vornehmen, wäre ich wahrscheinlich zufrieden. Jetzt geht es aber nicht darum, was sein wird, sondern alles dafür zu tun, in der Liga zu bleiben.

Philipp Hosiner erzielte das 1:0 für Dynamo im Testspiel gegen den Drittligisten Viktoria Berlin.
Philipp Hosiner erzielte das 1:0 für Dynamo im Testspiel gegen den Drittligisten Viktoria Berlin. © Foto: Ronald Bonß

Mit Holstein Kiel waren Sie 2018 schon mal nah dran am Aufstieg, sind in der Relegation gegen Wolfsburg gescheitert. Kann es also mal Realität werden?

Wenn wir über eine seriöse Zielsetzung reden, wäre das für die drei Jahre nicht vernünftig und nicht anständig, so etwas zu besprechen. Im Fußball ist manches möglich, aber nicht, indem man sich so etwas auf die Fahne schreibt. Mit Kiel sind wir als Aufsteiger aus einer Außenseiterposition in einen Lauf gekommen. Das lässt sich nicht übertragen. Welche Ziele man sich geben kann, hängt stark von den wirtschaftlichen Möglichkeiten ab, und da müssen wir uns in verschiedenen Einnahmebereichen wieder hocharbeiten.

Ist der Verein in puncto Vertragsverlängerung jetzt auf Sie zugekommen, bereits Nägel mit Köpfen zu machen?

Wir sind beide aufeinander zugegangen. Wir hatten unser ursprüngliches Ziel bereits nach einem Jahr erreicht, deshalb war es mir wichtig, zeitnah mit den Verantwortlichen zu besprechen: Jetzt sind wir hier, wo wollen wir hin? Um dann einen relativ langfristigen Vertrag abzuschließen, was aufgrund der Satzung nur für drei Jahre geht. Aber das ist gut – und wenn man den Rahmen ausschöpft auch ein Zeichen.

Haben Sie in den Gesprächen Wünsche geäußert zum Beispiel in struktureller oder personeller Hinsicht?

Es war nicht so, dass ich eine Liste aufgestellt habe: Wenn ich meinen Vertrag verlängere, muss das, das und das passieren. Aber wir sind uns alle klar, Jürgen Wehlend und ich als Geschäftsführer jeder in seinem Bereich, dass wir jetzt für diese Situation gut aufgestellt sind, uns aber immer wieder hinterfragen müssen. Natürlich müssen wir uns auch im sportlichen Bereich weiterentwickeln, inhaltlich wie personell, ohne dass das jetzt klar zu definieren ist.

Was hat Ihre Frau gesagt?

Meine Familie, meine Frau steht immer hinter mir. Sie freut sich, dass ich mich hier so wohlfühle und das Arbeiten bislang so gut funktioniert.

Wie schätzen Sie den Saisonstart ein?

Grundsätzlich sind wir zufrieden. Der direkte Start war super, danach haben die Ergebnisse nicht so gestimmt. Wir hatten allerdings auch Themen, die man weniger beeinflussen kann mit den vielen Verletzten. Es ist noch ein langer Weg.

Die Verpflichtung von Ibrahima Traoré hat sich zerschlagen. Passiert noch was?

Wir machen jetzt nichts mehr. Es hätte passen können, auch wenn wir wussten, er braucht vier bis sechs Wochen, um uns zu helfen. Wir haben gute Gespräche geführt, aber am Ende war es nicht darstellbar. Wir wollen auch keine Dinge tun, die nicht zu uns passen, oder etwas Verrücktes tun. Wir vertrauen jetzt der Gruppe, die uns schon viel Freude gemacht hat. Im Winter muss man schauen, wie die Situation ist.

Nicht darstellbar heißt finanziell?

Genau.

Haben Sie so viele schwere Verletzungen in so kurzer Zeit schon mal erlebt, wie es sie bei Dynamo gerade gibt?

Nein. Das ist super ärgerlich vor allem für die Jungs, aber auch für uns, weil es eine Kaderplanung durcheinander schmeißt. Das analysieren wir im Hintergrund, ob man daraus etwas für die Zukunft ableiten kann und ob wir uns hinterfragen müssen.

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Gibt es dafür einen Ansatz?

Es gibt gar keinen Ansatz dafür, aber wir analysieren die Situation, dass relativ viele Spieler zeitgleich lange ausfallen. Trotzdem haben wir Spieler, von denen wir überzeugt sind. Sie werden es auch richten.

Das Gespräch notierte Sven Geisler.

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