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Deshalb gewinnt Dynamo auch in Rostock

Diesmal waren die Dresdner nicht die bessere Mannschaft, doch am Ende gewinnen sie trotzdem und nicht unverdient. Warum - die erste Analyse.

Nach dem Spiel feiert die Mannschaft um Kapitän Sebastian Mai den 3:1-Sieg mit den 1.111 mitgereisten Dynamo-Fans.
Nach dem Spiel feiert die Mannschaft um Kapitän Sebastian Mai den 3:1-Sieg mit den 1.111 mitgereisten Dynamo-Fans. © PICTURE POINT

Von Timotheus Eimert und Jens Maßlich, Rostock

Rostock. Dynamo macht einfach weiter. Im Ost-Duell gegen Hansa Rostock sind die Dresdner keinesfalls so souverän wie zuletzt, aber auch dieses Spiel können sie noch deutlich für sich entscheiden. Mit 3:1 gewinnt die Mannschaft von Alexander Schmidt. Für den Trainer ist es der neunte Sieg im elften Pflichtspiel – den Sachsenpokal ausgeklammert. „Es ist nicht meine Serie, sondern die der Mannschaft“, sagt der Chefcoach dazu.

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Zudem ist es für Dynamo der vierte 3:1-Erfolg in Rostock in Folge. „Wir wollen auf dem Boden bleiben", betont Schmidt jedoch danach. Seine klare Analyse: "Der Gegner war heute hervorragend. Wir sind glücklich, dass wir überhaupt gewonnen haben, ob nun mit einem oder zwei Toren.“

Das sind die fünf wichtigsten Fragen und Antworten nach dem Sieg in Rostock:

Wie bewerten Trainer und Spieler die Partie?

Im 64. Aufeinandertreffen der beiden Klubs, die gemeinsam in die zweite Liga aufgestiegen sind, war Dynamo nur in der Anfangsphase die bessere Mannschaft. „Es war ein rassiges Derby mit zwei gut eingestellten Mannschaften“, schätzt Schmidt das Spiel ein. „Hansa war schwierig zu bespielen, es gab viele Luftduelle.“

Sein Gegenüber Jens Härtel sagte: „Dynamo hat drei Tore gemacht und am Ende präziser gespielt. Das war der Unterschied.“ Mit den Wechseln in der zweiten Halbzeit sei bei seiner Mannschaft die Intensität verloren gegangen, meinte der Hansa-Trainer. „Da fehlte hier und da ein Zentimeter. Das hat Dynamo ausgenutzt.“

Das Ost-Duell ist erwartungsgemäß von vielen Zweikämpfen geprägt: Dynamos Chris Löwe ist vor dem gefährlichen Rostocker Angreifer Streli Mamba am Ball.
Das Ost-Duell ist erwartungsgemäß von vielen Zweikämpfen geprägt: Dynamos Chris Löwe ist vor dem gefährlichen Rostocker Angreifer Streli Mamba am Ball. © dpa-Zentralbild

Panagiotis Vlachodimos, der das 2:1 erzielte, war nach dem Spiel sehr glücklich über den Sieg. „Es war ein hartes Stück Arbeit, aber man sieht bei jedem Spieler, dass es uns tierischen Spaß macht, weite Wege zu gehen, die Läufe zu machen, so Fußball zu spielen. Deswegen gewinnen wir auch die Spiele“, sagte Dynamos starker Joker.

Wie verlief die rasante erste Hälfte?

Christoph Daferner hatte es vorhergesagt: „Ich hoffe, dass wir schnell ein Auswärtstor schießen und das Stadion ruhig ist – außer der Gäste-Block.“ Und nach handgestoppten 35 Sekunden lag der Ball im Rostocker Tor, Dynamo führte, die rund 14.500 Zuschauer im Ostseestadion waren ruhig – mit Ausnahme der 1.111 Dynamo-Anhänger.

Ransford-Yeboah Königsdörffer war über die rechte Seite mit Ball frei vor dem Tor, seinen Schuss aus zwölf Meter konnte Markus Kolke im Rostocker Tor noch parieren. Er ließ den Ball aber in die Mitte springen. Dort grätschten der Rostocker Damian Roßbach und Heinz Mörschel in den Ball. Roßbach, zuerst an der Kugel, schoß seinen Torwart auf die Brust, von dieser sprang der Ball dem Dynamo Angreifer auf den Oberkörper und von dort ins Tor – ein Ping-Pong-Tor aus dem Lehrbuch.

Dynamo jubelt wieder in Rostock wie hier nach dem 1:0 durch Heinz Mörschel.
Dynamo jubelt wieder in Rostock wie hier nach dem 1:0 durch Heinz Mörschel. © dpa-Zentralbild

Nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Tim Knipping (13.) reagierte Dynamo nur noch, Hansa wurde besser und das Spiel kippte. „Wir mussten früh einem Tor hinterherrennen, aber haben uns davon nicht beeindrucken lassen. In der ersten Halbzeit haben wir das Spiel auch dominiert und uns mit dem Ausgleich belohnt“, sagte Rostocks Trainer Härtel.

In der 19. Minute tauchte Hansas Top-Torjäger John Verhoeck frei vor Kevin Broll auf. Im letzten Moment konnte Michael Akoto die Situation noch klären. In der 27. Minute war dann wieder Broll zur Stelle und entschärfte den Schuss von Svante Ingelsson aus 19 Metern. „Wir haben diese kritischen Phasen gut überstanden und hatten manchmal auch das Quäntchen Glück“, sagte Alexander Schmidt.

Zwei Minuten vor der Pause passierte es dann aber doch noch. Streli Mamba knallte aus fünf Meter den Ball in die kurze Ecke. Vorausgegangen war ein Angriff über die rechte Seite, John Verhoeck verlängerte die Hereingabe von Kevin Schumacher per Kopf auf den zweiten Pfosten, wo Mamba freistand.

Warum konnte Dynamo das Spiel noch gewinnen?

Die Halbzeit-Ansprache von Alexander Schmidt hat anscheinend geholfen. Dazu wechselt der Trainer den Sieg ein. Zwar kommt Rostock besser aus der Kabine, aber Dresden ist am Ende die clevere, die eiskalte Mannschaft vor dem Tor. Erst verwandelt der eingewechselte Vlachodimos mit dem Kopf zum 2:1 (63.). Daferner ist plötzlich auf der rechten Außenbahn aufgetaucht und flankt in die Mitte. Dort setzt sich der Deutsch-Grieche von seinem Gegenspieler ab und vollendet mit dem Kopf. „Ich war einfach happy. Ich sehe den Ball kommen und köpfe ihn rein“, sagt Vlachodimos.

Dieser Luftsprung ist berechtigt. Panagiotis Vlachodimos wird eingewechselt und bringt Dynamo wieder in Führung - von da an läuft es.
Dieser Luftsprung ist berechtigt. Panagiotis Vlachodimos wird eingewechselt und bringt Dynamo wieder in Führung - von da an läuft es. © Picture Point/Gabor Krieg

In der 70. Minute erzielt Julius Kade den dritten und entscheidenden Treffer. Chris Löwe hatte den Ball in die Mitte geflankt und Philipp Hosiner, der für den verwarnten Heinz Mörschel in die Partie gekommen war, gefunden. Hosiner scheitert noch an Kolke. Im Nachschuss ist Kade zur Stelle. „Es hat nicht vieles geklappt, mit den Wechseln der zwei Stürmer haben wir eine neue Qualität reingebracht und eiskalt zugeschlagen“, erklärt Schmidt.

Wie geht es den beiden verletzten Spielern?

In der 13. Minute blockt Tim Knipping einen Schuss von Streli Mamba und bleibt bei der Grätsche im Rasen hängen. Sofort hält er sich das rechte Knie. „Ich habe mein Knie mit meinem Körper erst nach innen und dann wieder nach außen überstreckt“, erklärt der Vize-Kapitän nach dem Spiel. „Ich habe sofort gemerkt, dass es nicht so gewesen ist, wie es sein sollte, dass irgendetwas im Knie sich bewegt hat. Ich hoffe, dass es nicht so schlimm ist.“

Tobias Lange, Leiter der physiotherapeutischen Abteilung, machte noch auf dem Platz einen Kreuzbandfunktionstest des rechten Knies. Dieser habe aber keinen eindeutigen Befund ergeben. Knipping wollte danach weiterspielen. Doch Sebastian Mai kam in die Partie. Knippings Knie schwoll unmittelbar nach seiner Auswechslung an. Er erhielt eine Erstversorgung in der Kabine des Ostseestadions. „Ich hoffe, dass es nicht so schlimm ist. Wir müssen die Diagnose abwarten“, gab sich der 28-Jährige zuversichtlich. Weitere Untersuchungen sollen am Sonntag im Krankenhaus in Dresden erfolgen.

Das ist bitter für Dynamo und für ihn: Tim Knipping (l.) muss mit einer dicken Bandage ums rechte Knie frühzeitig vom Platz. Das ist bitter für Dynamo und für ihn: Tim Knipping (l.) muss mit einer dicken Bandage ums rechte Knie frühzeitig vom Platz
Das ist bitter für Dynamo und für ihn: Tim Knipping (l.) muss mit einer dicken Bandage ums rechte Knie frühzeitig vom Platz. Das ist bitter für Dynamo und für ihn: Tim Knipping (l.) muss mit einer dicken Bandage ums rechte Knie frühzeitig vom Platz © Picture Point/Gabor Krieg

Den zweiten Verletzten hat Hansa Rostock zu beklagen. Calogero Rizzuto bekam in der sechsten Minute den Arm von Heinz Mörschel ins Gesicht und blutete anschließend stark aus der Nase. Sechs Minuten nach seiner Verletzung wurde er ausgewechselt. „Er hat sich die Nase gebrochen. Morgen wird sie operiert und gerichtet. Gegen Bremen wird er definitiv ausfallen. Danach kann er wahrscheinlich mit Maske spielen“, sagte Hansa-Trainer Härtel.

Wie haben sich die Dynamo-Fans verhalten?

Die Dynamo-Fans dürfen wieder reisen. Für die Dresdner Anhänger war es das erste Auswärtsspiel seit der Begegnung in Regensburg am 28. Februar 2020. Das Ost-Duell gegen Rostock wurde von der Polizei auch gleich als Risikospiel eingestuft. Bis zu 1.500 Beamte sicherten die Partie ab. Auch die Dresdner Polizei schickte Einsatzkräfte in die Hansestadt.

Trotz der umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen ist es im Vorfeld der Partie vor dem Hansa-Stadion zu Ausschreitungen verfeindeter Fangruppen gekommen. Eine Sprecherin der Rostocker Polizei sagte dem SID am Samstagabend, mehrere Personen seien zwei Stunden vor dem Anpfiff (20.30 Uhr) bei einem größeren Einsatz festgesetzt worden.

Ein großes Polizei-Aufgebot begleitete die Partie.
Ein großes Polizei-Aufgebot begleitete die Partie. © dpa/Bernd Wüstneck

Bei kontrollierten Dresdner Fans seien „Pyrotechnik und Schutzausrüstung wie Gebissschützer und Handschuhe“ gefunden worden. Welche Seite die Auseinandersetzung provozierte, war am Abend zunächst offen.

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Im Stadion blieb dann alles ruhig. Mit 14.500 Zuschauern war die Partie nach der geltenden Corona-Verordnung ausverkauft, 1.111 Dynamo-Fans unterstützen ihre Mannschaft im Stadion und konnten anschließend feiern. „Wir müssen uns erstmal wieder an volle Stadien und das Feiern danach gewöhnen. Umso schöner mit Lauf, den wir jetzt haben. Fußball macht wieder Spaß“, sagte Chris Löwe beim Fernsehsender Sky.

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