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"Mich kann niemand mehr brechen"

Marvin Stefaniak ist zurück bei Dynamo in Dresden. Im ersten Interview spricht er über Erfahrungen, Familie und seine Hoffnung.

Marvin Stefaniak präsentiert sich stolz vor dem Dynamo-Logo. Nach drei Jahren ist der Mittelfeldspieler nach Dresden zurückgekehrt.
Marvin Stefaniak präsentiert sich stolz vor dem Dynamo-Logo. Nach drei Jahren ist der Mittelfeldspieler nach Dresden zurückgekehrt. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Dienstagvormittag, punkt 10 Uhr, Messering Dresden. Dynamos Profis kommen auf den Trainingsplatz, mittendrin tatsächlich Marvin Stefaniak. Erst am Abend zuvor, eine Stunde nach dem offiziellen Transferschluss, hatte der Verein die Rückkehr des einstigen Königs der Vorlagen vermeldet. Für diese Saison wird der 25 Jahre alte offensive Mittelfeldspieler vom VfL Wolfsburg ausgeliehen. Dorthin war der in Hoyerswerda geborene Stefaniak im Sommer 2017 gewechselt, Dynamo erhielt rund zwei Millionen Euro Ablöse für das Talent.

Seine Hoffnung, Bundesliga spielen zu können, erfüllte sich jedoch nicht, zumindest für den Moment. Stefaniak gibt sich in seiner ersten Übungseinheit mit den neuen Kollegen ehrgeizig und einsatzstark, bei einer Grätsche zerschmettert er sogar eine Fahnenstange. Er  fordert den Ball, spielt schnell, schließt selbst ab. Zu einem ersten Erfolgserlebnis fehlen wenige Zentimeter.

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Nach den 120 Minuten sitzt er auf dem Podium im Presseraum der Trainingsakademie und gibt sein erstes Interview für die Dresdner Medien. Stefaniak wirkt dabei demütig, geerdet, vielleicht auch desillusioniert, auf jeden Fall aber dankbar.

Herr Stefaniak, als Sie Dynamo verlassen haben, wurde im Großen Garten trainiert - trotzdem: Wie fühlt es sich an, wieder hier zu sein?

Verrückt. Ich bin erst mal ins Maritim-Hotel gefahren und mir war irgendwie schwindelig. Ich konnte es selbst nicht glauben, dass ich wirklich zurückkomme. Wenn ich sehe, was hier aufgebaut worden ist mit dem neuen Trainingszentrum, ist das der Wahnsinn. Nur in Wolfsburg hatte ich ein ähnliches Gelände. Ich freue mich, hier zu sein und Gas zu geben.

Es wurde in der Vergangenheit öfter darüber spekuliert, ob Sie zu Dynamo zurückkehren. Diesmal war das in der Gerüchteküche kein Thema. Wie kam der Wechsel denn jetzt tatsächlich zustande?

Es ist für mich eine Herzenssache. Es ist dazu gekommen, weil ich den Verantwortlichen vermittelt habe, dass ich für Dynamo brenne und für den Verein alles geben möchte. Das habe ich gleich im ersten Training versucht. In den letzten fünf Tagen wurden die Anrufe immer intensiver - und so haben wir uns endlich wieder hier getroffen.

Also ging die Initiative von Ihnen aus oder vom Verein?

Ich glaube, das Interesse war beiderseitig. Es war ein Miteinander, Dynamo hat mir das Vertrauen gegeben: Du kannst hier wieder von Null starten.

Sie waren von Wolfsburg noch für eine weitere Saison an Greuther Fürth ausgeliehen. Was hat den Ausschlag gegeben, das vorzeitig zu beenden?

Über meine Vergangenheit möchte ich nicht reden. Es ist viel passiert, ich habe viel erlebt in den letzten drei Jahren. Ich möchte mich auf Dynamo konzentrieren, der Mannschaft und dem Verein weiterhelfen. Alles andere zählt für mich nicht.

Von damals sind nicht mehr viele da...

Ja, Wahnsinn. Kristian (Kaderplaner Walter/d. Red.), Henry (Pressesprecher Buschmann), Tobi (Reha-Trainer Lange), Harti (Marco Hartmann) und Wiege (Patrick Wiegers). 

Sebastian Mai kennen Sie aus dem Nachwuchs?

Stimmt. Ich war B-Jugendlicher und habe bei ihm ab und zu in der A-Jugend gespielt. Aber ansonsten war es das schon.

Sie sind auch zu Ihren Beratern zurückgekehrt, welchen Anteil haben die an dem Wechsel?

Frank Lieberam und Steffen Heidrich haben einen enormen Teil dazu beigetragen. Als es endlich durch war, habe ich sie direkt zum Essen eingeladen. Was sie veranstaltet haben... Für mich geht damit ein Traum in Erfüllung. Ich bin wieder zu Hause, etwas Besseres gibt es nicht.

Im Frühjahr 2013 erhielt Marvin Stefaniak als 18-Jähriger seinen ersten Profivertrag bei Dynamo und gab am 15. Februar 2014 beim Auswärtsspiel gegen den FSV Frankfurt in der zweiten Liga sein Debüt. Bis zum Sommer 2017 absolvierte er insgesamt 107 Partien
Im Frühjahr 2013 erhielt Marvin Stefaniak als 18-Jähriger seinen ersten Profivertrag bei Dynamo und gab am 15. Februar 2014 beim Auswärtsspiel gegen den FSV Frankfurt in der zweiten Liga sein Debüt. Bis zum Sommer 2017 absolvierte er insgesamt 107 Partien © Archiv: dpa/Thomas Eisenhuth

Würden Sie die Zeit seit Ihrem Weggang als Lehrjahre bezeichnen?

Ja, intensiv. Ich hatte viele Tiefen, einige Höhen. Ich habe viel im physischen Bereich gearbeitet, aber vor allem habe ich als Mensch viel dazugelernt. Ich habe so einen harten Kern in mir entwickelt und glaube, niemand kann mich mehr brechen. Es ist schon schwer, mich aus der Bahn zu werfen.

Was hat Sie so stark gemacht?

Das ist sicher eine spannende Frage. Sie wollen also wissen, was in den drei Jahren passiert ist.

Anders gefragt: Wer hat Ihnen geholfen, diese Tiefen durchzustehen?

Vor allem meine Familie. Ich bin seit einem Jahr verheiratet, meine Tochter ist jetzt zwei Jahre alt. Wenn mich jemand ärgern möchte, denke ich an sie und an das Lied aus dem Musical Tarzan, das wir jeden Abend singen, wenn sie ins Bett geht. 

Welche Rolle wollen Sie jetzt bei Dynamo einnehmen?

Ich habe alles auf Null gedreht. Ich stelle keine Ansprüche, ich muss nicht spielen. Es wird nach Leistung abgerechnet und wenn ich die bringe, wird es der Trainer entscheiden. Ich bin da, um der Mannschaft zu helfen: auf und neben dem Platz, auch, wenn ich von der Bank komme. Ich brenne einfach. Ich möchte Dresden helfen, dorthin zu kommen, wo es hingehört. 

Auf welcher Position wollen Sie spielen?

Ich habe links gespielt, rechts gespielt, im zentralen Mittelfeld. Der Trainer hat mir gesagt, dass er möchte, dass ich variabel einsetzbar bin. Darauf lasse ich mich ein, ich bin bereit und habe Lust, überall zu spielen - offensiv zumindest (lacht).

Die Fotos vom ersten Training - hier klicken:

Gleich Tempo machen: Marvin Stefaniak trainiert am Dienstagvormittag zum ersten Mal nach seiner Rückkehr zu Dynamo in Dresden. 
Gleich Tempo machen: Marvin Stefaniak trainiert am Dienstagvormittag zum ersten Mal nach seiner Rückkehr zu Dynamo in Dresden.  © dpa/Robert Michael
Dehnen an der Bande mit Fitnesscoach Matthias Grahé: Marvin Stefaniak (M.) steht rechts neben Kapitän Sebastian Mai. Beide haben schon in der Jugend Dynamo zusammengespielt. 
Dehnen an der Bande mit Fitnesscoach Matthias Grahé: Marvin Stefaniak (M.) steht rechts neben Kapitän Sebastian Mai. Beide haben schon in der Jugend Dynamo zusammengespielt.  © dpa/Robert Michael
Im Trainingsspiel setzt Marvin Stefaniak gleich erste Akzente, bekommt das erste Lob von Co-Trainer Heiko Scholz: "Sehr gut gelaufen." Eine Flanke, zwei Torschüsse - auffällig. 
Im Trainingsspiel setzt Marvin Stefaniak gleich erste Akzente, bekommt das erste Lob von Co-Trainer Heiko Scholz: "Sehr gut gelaufen." Eine Flanke, zwei Torschüsse - auffällig.  © dpa/Robert Michael
Auf seinem rechten Schienbein trägt Marvin Stefaniak ein Tattoo mit seiner alten Rückennummer. Doch die 34 hat er abgelegt und vertraut nun auf die 13 als Glückszahl. 
Auf seinem rechten Schienbein trägt Marvin Stefaniak ein Tattoo mit seiner alten Rückennummer. Doch die 34 hat er abgelegt und vertraut nun auf die 13 als Glückszahl.  © dpa/Robert Michael
Die Haare trägt Marvin Stefaniak wieder länger, hinten zu einem kleinen Zopf gebunden. Seine Ballfertigkeit hat der Mittelfeldspieler auch in den drei für ihn schwierigen Jahren nicht eingebüßt. 
Die Haare trägt Marvin Stefaniak wieder länger, hinten zu einem kleinen Zopf gebunden. Seine Ballfertigkeit hat der Mittelfeldspieler auch in den drei für ihn schwierigen Jahren nicht eingebüßt.  © dpa/Robert Michael

Bei so einer Rückkehr wird man an dem gemessen, was man schon mal geleistet hat. Man wird die Statistiken rausholen, macht Ihnen das Sorgen?

Nein, ich will bei mir bleiben und mich auf mich selbst konzentrieren. Ich habe schon gesagt, man kann mich nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen. Wenn ich läuferisch und kämpferisch alles gebe, kann ich in den Spiegel gucken und sagen: Ich habe für die Mannschaft alles getan. Aber natürlich habe ich die Messlatte damals selbst hoch gelegt und will am besten wieder dorthin kommen. Ich hoffe, der Knoten platzt schnell.

Wenn man aus einer Pechsträhne kommt und die Rückennummer 13 nimmt, darf man aber nicht abergläubisch sein?

Meine Frau hat gesagt: Du hattest so viel Pech, vielleicht bringt sie dir Glück.

Bringen Sie Ihre Familie mit nach Dresden?

Ich wohne erst einmal im Hotel, muss die Gedanken ordnen und planen. Meine Familie will am liebsten hierher, meine Frau Michelle ist Dresdnerin. Aber die große Tochter, die sie mit in die Ehe gebracht hat, geht in die vierte Klasse. Deswegen hatte ich in Fürth für zwei Jahre unterschrieben, weil ich wollte, dass sie dort die Grundschule fertigmacht. Aber jetzt ist es anders gekommen und wir müssen schauen, wie wir es regeln.

Sie wissen von 2016, wie man mit Dynamo aufsteigt. Klappt das auch diesmal?

Ich bin den ersten Tag hier. Wir können gerne später noch mal darüber reden. Ich glaube, die Mannschaft hat auf jeden Fall das Potenzial dafür, wenn wir an unsere Leistungsgrenze gehen können.

Auch der Hallesche FC soll Interesse gezeigt haben, stimmt das?

Ja, ich habe mit dem Trainer gesprochen und ehrlich erklärt, warum ich diesen Schritt gehe. Weil ich ein Dresdner Junge bin und hierher gehöre.

Es ist zunächst eine Leihe. Gibt es die Option, nach dem einen Jahr fest bei Dynamo zu bleiben?

Ich bin noch Spieler in Wolfsburg, aber ehrlich, am liebsten würde ich einen lebenslangen Vertrag bei Dynamo unterschreiben. Ich habe so viel erlebt, es war mir jetzt so enorm wichtig. Entscheidend ist die Leistung. Wenn es dem Sportdirektor gefällt, dem Trainer, allen anderen Verantwortlichen, wird es sich ergeben. Natürlich möchte ich bleiben.

Das klingt nach Reue, dass Sie gegangen sind...

Nein, das ist keine Reue. Ich hatte damals eine große Chance, die ich einfach wahrnehmen wollte und musste. Es hätte auch ganz anders laufen können und Stefaniak schlägt in der ersten Liga voll ein, fertig. Durch die Erfahrung, was mit mir passiert ist und was ich erlebt habe, möchte ich, dass fair und ordentlich mit mir umgegangen wird. Jeder weiß, was ich kann, das möchte ich gerne wieder unter Beweis stellen. Ich habe zu mir zurückgefunden. Ich hatte meinen Kopf zu oft in den Sand gesteckt, glaube ich, lange mit mir selbst zu kämpfen. Aber ich bin wieder da, habe in den vergangenen drei Monaten so viel gearbeitet wie noch nie, um physisch so stark zu werden, dass ich robust auf dem Platz stehe.

Nun steht gleich ein Ost-Duell gegen Magdeburg an. Was erwarten Sie von dem Spiel?

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Der Offensivspieler wird vom VfL Wolfsburg ausgeliehen. Außerdem vermelden die Dresdner einen Abgang: Horvath spielt ab sofort wieder in Österreich.

Wir müssen es ziehen. Derby ist Derby, also alles reinhauen. Ich werde die Jungs pushen.

Das Gespräch notierte Sven Geisler.

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