merken
PLUS Dynamo

Dynamos Kapitän: „Wir dürfen uns nicht zerfleischen“

Nach der vierten Niederlage in dieser Saison: Sebastian Mai erklärt im Interview, was den Dresdnern derzeit fehlt und warum er trotzdem positiv denkt.

Dynamos Kapitän Sebastian Mai ist auf dem Platz ein Lautsprecher. Im Interview erklärt er, warum es jetzt besonders wichtig ist, sich gegenseitig zu pushen.
Dynamos Kapitän Sebastian Mai ist auf dem Platz ein Lautsprecher. Im Interview erklärt er, warum es jetzt besonders wichtig ist, sich gegenseitig zu pushen. © dpa/Robert Michael

Dresden. Dynamo gilt als der Aufstiegsfavorit in der 3. Fußball-Liga, doch nach einem Viertel der Saison stehen die Dresdner nur auf Platz acht nur im Mittelfeld der Tabelle. Von den letzten vier Spielen gingen drei verloren, die Leistungen waren zu oft unbefriedigend wie zuletzt beim 1:2 in Saarbrücken. Im Interview mit der SZ analysiert Kapitän Sebastian Mai die Situation und sagt, wie es besser werden soll.

Herr Mai, die Auslosung im DFB-Pokal beschert Ihnen ein Duell mit Ihrem Bruder Lars Lukas, der bei Darmstadt spielt. Wie haben Sie reagiert?

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Wir freuen uns darauf, besonders auch unsere Eltern, weil Lukas mal in Dresden spielen wird. Sie wissen natürlich, dass ein Sohn nach dem Spiel ein bisschen bessere Laune haben wird als der andere, aber damit können wir umgehen.

Wie ist Ihre Bilanz?
Lukas hat vorige Saison beide Spiele mit Bayern München II gegen Halle und mich gewonnen.

Es gilt also für Sie, etwas gutzumachen?
Jein. Natürlich will ich gerne nachziehen. Aber es kommt nicht auf unsere private Bilanz an, sondern ich will mit Dynamo in die nächste Runde kommen. Das allein zählt, es ist kein Spiel Mai gegen Mai, sondern Dresden gegen Darmstadt.

Lukas hat für die Bayern schon bei den Profis gespielt, ist jetzt an Darmstadt in die zweite Liga ausgeliehen. Was trauen Sie ihm in seiner Karriere noch zu?

Viel. Ich denke, er hat alle Voraussetzungen, noch einiges zu erreichen, wenn er vom Kopf her klar bleibt. Das wird er.

Der Dresdner Lars Lukas Mai, Bruder von Dynamo-Kapitän Sebastian, hat für den FC Bayern zweimal in der Bundesliga gespielt und mit der zweiten Mannschaft der Münchner vorige Saison die Meisterschaft in der 3. Liga gewonnen. Jetzt ist er an Darmstadt ausge
Der Dresdner Lars Lukas Mai, Bruder von Dynamo-Kapitän Sebastian, hat für den FC Bayern zweimal in der Bundesliga gespielt und mit der zweiten Mannschaft der Münchner vorige Saison die Meisterschaft in der 3. Liga gewonnen. Jetzt ist er an Darmstadt ausge © dpa/Uwe Anspach

Sie selber wollen mit Dynamo in die zweite Liga aufsteigen. Bleibt es nach dem eher mäßigen Start bei dem Ziel?

Wir haben das Ziel nicht direkt ausgegeben. Ich will so viele Punkte wie möglich holen. Der Rest wird sich zeigen. Es ist noch nichts verloren. Wir sind nicht supergut gestartet, aber auch nicht superschlecht.

Von den letzten vier Spielen wurden drei verloren. Ist diese Tendenz besorgniserregend, sogar schon eine Krise?

Wir haben uns zuletzt wirklich nicht gut geschlagen. Aber wir sind ein neu zusammengewürfelter Haufen, manches passt nicht sofort, braucht einfach Zeit. Wir haben aber schon gezeigt, was wir können, wenn wir alle auf dem Platz voll da sind. Das müssen wir konstanter bringen.

Haben Sie eine Erklärung für die Leistungsschwankungen?

Ja, wie gesagt, wir sind neu zusammen. Das muss sich aufeinander einspielen.

Was auffällt: Am Anfang hat die Mannschaft im Pokal gegen den Hamburger SV und zum Ligastart in Kaiserslautern pure Leidenschaft gezeigt. Vermissen Sie die jetzt auch?

Es waren noch Zuschauer dabei, die Fans fehlen uns zweifellos. Diese Emotionalität ist etwas, was Dynamo auszeichnet. Leider ist es jetzt so, dass wir wegen der Pandemie vor leeren Rängen spielen müssen. Aber das soll und darf keine Ausrede sein.

Wie kann man das kompensieren?

Indem man selber mehr kommuniziert miteinander und die Stimmung auf den Platz bringt.

Sie sind derjenige, der auf dem Platz den Ton angibt. Was erwarten Sie von Ihren Mitspielern?

Es sind alle gefordert, mitzumachen. Es ist enorm wichtig, erst recht in der Situation ohne Fans, sich gegenseitig zu pushen.

Wurde die Mannschaft am Anfang vielleicht überschätzt?
Das glaube ich nicht. Wir haben einen ziemlich guten Kader, noch mal: Es braucht noch etwas Zeit, uns die Mechanismen und Abläufe zusammen zu erarbeiten.

Das tut weh: Meppens Dejan Bozic foult Dynamos Kapitän Sebastian Mai. Das Heimspiel haben die Dresdner mit 3:0 gewonnen, doch danach gab es in Saabrücken bereits die vierte Saison-Niederlage im neunten Spiel.
Das tut weh: Meppens Dejan Bozic foult Dynamos Kapitän Sebastian Mai. Das Heimspiel haben die Dresdner mit 3:0 gewonnen, doch danach gab es in Saabrücken bereits die vierte Saison-Niederlage im neunten Spiel. ©  dpa/Matthias Rietschel

Sie sagten selbst nach dem HSV-Spiel, es sei erstaunlich, wie schnell sich die Truppe gefunden habe. War das ein falscher Eindruck?

Beim Spiel gegen den HSV war eine große Euphorie, es hat alles sehr, sehr gut geklappt. Auch wenn uns die Konstanz fehlt, bleibe ich dabei, dass es eine starke Teamleistung war, genauso wie wir danach in Kaiserslautern in Unterzahl gemeinsam gut verteidigt haben. Wir wissen, wozu wir in der Lage sind, aber das müssen wir konstanter hinbekommen.

Wie bekommt man das hin?

Daran tüfteln wir gerade, aber es gibt prinzipiell nur einen Weg: Training.

Wie reagieren Sie als Kapitän, müssten Sie einen Mannschaftsabend ansetzen?

Das ist schwierig, leider. Ich glaube, das wäre ziemlich gut für uns, geht aber wegen der Corona-Bestimmungen derzeit eben nicht. Wir müssen uns einfach zusammenraufen, dürfen uns nicht zerfleischen.

Suchen Sie jetzt öfter das Gespräch mit den Mitspielern?

Nein, das ist nicht meine Aufgabe. Ich versuche zu helfen, wo ich kann, auch mal Tipps zu geben. Aber entscheidend ist, dass ich vorangehe, meine Leistung bringe und die anderen mitziehe.

Wie schätzen Sie Ihre Leistung ein?

Mittelmäßig. Es geht besser. Wir sind gerade alle nicht auf unserem Maximum, und das müssen wir wieder erreichen und dafür alles geben. Es ist wichtig, positiv zu bleiben. Das sollten wir beherzigen. Es war nicht alles negativ.

Was ist denn positiv?
Dass wir trotzdem 13 Punkte haben, obwohl viele sagen, dass wir schlecht spielen und schlecht gestartet sind. Wir sind nicht so weit weg von den Mannschaften, die derzeit besser dastehen.

Und wo sehen Sie jetzt Dynamos größte Probleme?

Das kann man so nicht sagen. Ich würde nicht von Problemen sprechen, wir setzen einiges nicht gut genug und vor allem zu wenig konstant um. Das gilt es zu beheben.

Weiterführende Artikel

Dynamo meldet sich mit Heimsieg zurück

Dynamo meldet sich mit Heimsieg zurück

Nach Rückstand gewinnt Dynamo gegen den Tabellenzweiten 1860 München. Die Reaktionen auf den hart erkämpften Erfolg, und der Liveticker zum Nachlesen.

Bei Dynamo vom Präsidenten abgeschoben

Bei Dynamo vom Präsidenten abgeschoben

Miroslav Stevic ist Dynamos erster ausländischer Profi in der Bundesliga, sein Sohn wird in Dresden geboren. Trotzdem wird er an 1860 München verkauft.

Dynamos Co-Trainer für Heimspiel gesperrt

Dynamos Co-Trainer für Heimspiel gesperrt

Heiko Scholz hatte in Saarbrücken die Rote Karte gesehen. Obwohl die Entscheidung umstritten war, sprach das Sportgericht ein Innenraum-Verbot aus.

Wie ein Dresdner zum FC Bayern kommt

Wie ein Dresdner zum FC Bayern kommt

Lars Lukas Mai verlässt mit 14 Jahren seine Heimatstadt Dresden - jetzt redet er über den damals schweren Abschied und seinen Bruder, den Dynamo-Kapitän.

Warum wird es am Sonntag gegen 1860 München besser?
Weil wir hoffentlich aus unseren Fehlern lernen und es besser machen.

Das Gespräch führte Sven Geisler.

Alles Wichtige und Wissenswerte rund um Dynamo - kompakt jeden Donnerstagabend im Newsletter SCHWARZ-GELB, und immer mit Gewinnspiel. Jetzt hier kostenlos anmelden.

Mehr zum Thema Dynamo