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Diesen Impulsgeber hat Dynamo in der Hinterhand

Als es für die Dresdner in Rostock nicht gut läuft, kommt Panagiotis Vlachodimos ins Spiel und erzielt ein Tor. Was seine Rolle über die Mannschaft sagt.

Dynamos Panagiotis Vlachodimos (l.) - hier im Zweikampf mit dem Rostocker Thomas Meißner - bringt neuen Schwung und erzielt das Tor zum 2:1..
Dynamos Panagiotis Vlachodimos (l.) - hier im Zweikampf mit dem Rostocker Thomas Meißner - bringt neuen Schwung und erzielt das Tor zum 2:1.. © dpa/Bernd Wüstneck

Rostock/Dresden. Es läuft die 63. Minute im Ost-Duell zwischen Hansa Rostock und Dynamo Dresden, als Christoph Daferner eine Flanke von der rechten Außenbahn in Richtung Strafraum schlägt. Dort steht der zur Halbzeit eingewechselte Panagiotis Vlachodimos. Ein kurzer Antritt, der Gegenspieler folgt, also wieder zwei Schritte nach hinten absetzen und schließlich den Ball freistehend gegen die Laufrichtung des Schlussmannes mit dem Kopf ins Rostocker Tor befördern. „Ich war einfach nur happy. Ich sehe den Ball kommen und köpfe ihn rein“, sagt Vlachodimos nach dem Spiel.

Es ist das 2:1 für die Schwarz-Gelben, aber Hansa in der Phase eigentlich die bessere Mannschaft. Wieder einmal wird der 29 Jahre alte Deutsch-Grieche nur eingewechselt, ersetzt zur zweiten Halbzeit Heinz Mörschel. Der Torschütze zum 1:0 hatte sich laut Trainer Alexander Schmidt „ein Eisbein“ zugezogen – „oder wie man hier, glaube ich, sagt: einen Pferdekuss.“

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Doch Vlachodimos ist mehr als nur ein Ersatzspieler. Auch das betont Schmidt immer wieder. „Ich möchte keine erste Elf deklarieren. Wir sind mehr als nur die Spieler, die am Anfang auf dem Platz stehen“, betonte er schon vor dem Spiel. Nach dem 3:1-Sieg gegen Rostock lobt er seinen Kader erneut: „Wir sind gut besetzt. Ich kann mich nicht erinnern, in dieser Saison einen Spieler eingewechselt zu haben, der nicht performt hat. Wir haben jede Woche ein Luxusproblem.“ Damit meint er die Startelf, in der auch Vlachodimos am liebsten stehen möchte.

"Es ist Kopfsache, wie der Trainer dich vorbereitet"

„Natürlich will ich auch von Anfang an spielen, das steht außer Frage“, erklärt er, aber: „Es ist Kopfsache, wie der Trainer dich darauf vorbereitet. Ich komme nun mal rein und probiere dann, der Mannschaft zu helfen.“ Das lässt sich in Zahlen ausdrücken: Es ist sein erstes Tor in dieser Saison, aber an zwei weiteren war er als Vorbereiter beteiligt. Außerdem leitet er durch seine Tempodribblings etliche Torchancen ein. Zweifellos hätte er es sich verdient, mal von Anfang an ran zu dürfen.

Dieser Luftsprung ist berechtigt. Panagiotis Vlachodimos wird eingewechselt und bringt Dynamo wieder in Führung - von da an läuft es.
Dieser Luftsprung ist berechtigt. Panagiotis Vlachodimos wird eingewechselt und bringt Dynamo wieder in Führung - von da an läuft es. © Picture Point/Gabor Krieg

„Er beweist jede Woche seine Qualität“, sagt Schmidt, aber einen wie ihn hat man als Trainer auch gerne in der Hinterhand. Eben als Impulsgeber, als einen, der den Gegner noch mal vor neue Aufgaben stellt, erst recht, wenn der – wie Hansa am Samstagabend – langsam müde wird. Dabei ist der schnelle und dribbelstarke Vlachodimos eine perfekte Ergänzung zum nimmermüden Christoph Daferner im Angriff.

Damit hat Schmidt für Vlachodimos, der eigentlich als Außenbahnspieler gilt, offenbar auch die perfekte Position gefunden. „Ich fühle ich mich im Sturm superwohl“, sagt er – und begründet: „Dort hast du deine Freiheiten, du kannst entgegenkommen, in die Tiefe gehen, nach rechts oder links ausweichen. Das ist eine Position, die mir liegt.“ Allerdings würden die auch andere gerne einnehmen. Wie Philipp Hosiner, ein weiterer Härtefall im gut besetzten Kader.

Der 32 Jahre alte Österreicher wurde zum dritten Mal in dieser Saison eingewechselt. Mit seinem Kopfball, den Hansa-Torwart Markus Kolke nur nach vorn abwehren konnte, bereitete Hosiner das Abstaubertor von Julius Kade zum 3:1 vor. Damit war die Partie entschieden – und der Chefcoach mal wieder zufrieden mit seinen Bankangestellten. „Heute hat auch Philipp Hosiner einen Impuls gesetzt. Sebastian Mai war sofort im Spiel, hat viele Luftduelle gewonnen. Paul Will kam nahtlos rein“, meint Schmidt. „Das macht es mir als Trainer leichter, wenn ich solche Qualität auf der Bank habe.“

Konkurrenzkampf auf einem hohen Niveau

Obwohl mit Brandon Borello und Luca Herrmann zwei Neuzugänge derzeit verletzt sind, die zum Auftakt beim 3:0 gegen Ingolstadt zur Startelf gehörten, sowie mit Kevin Ehlers, Patrick Weihrauch und Robin Becker drei weitere potenzielle Stammspieler schon länger fehlen, gibt es in der Mannschaft einen Konkurrenzkampf auf hohem Niveau. Das ist es neben dem Teamgeist und der Leidenschaft, was diese Dynamo-Mannschaft derzeit so stark macht.

„Ich könnte jeden nachts um drei Uhr anrufen, jeder würde kommen und mir helfen, wenn ich Probleme hätte“, erzählte Vlachodimos bereits im Trainingslager vor der Saison. Dieser nun schon mehrfach gelobte Zusammenhalt musste noch keine ernsthafte Belastungsprobe bestehen, abgesehen von schwierigen Phasen während der Spiele in Hamburg und nun in Rostock. „Dass jeder an den anderen glaubt, jeder an sich selbst glaubt, auch wenn mal eine Phase kommt, in der es nicht so gut läuft. Das macht uns so stark“, sagt Vlachodimos. Mit jedem Erfolg wird die Basis stärker.

„Wenn man sieht, wie wir spielen, sind es keine glücklichen Punkte, sondern erkämpfte und verdiente Punkte. Deswegen stehen wir zu Recht dort, wo wir stehen“, sagt Dynamos Turbo-Mann. Trotzdem gilt es nun vor allem, nicht zu überdrehen. „Ein toller Start, aber er interessiert uns wirklich nicht. Wichtig ist nur das nächste Spiel gegen Paderborn“, bleibt Schmidt seiner Linie auch nach dem neunten Sieg im elften Pflichtspiel als Dynamo-Trainer treu.

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Und das haben offenbar auch die Spieler verinnerlicht. Morris Schröter will jedenfalls von Träumereien nichts wissen. „Es müssen noch ein paar Monate ins Land gehen, bevor wir uns über andere Dinge Gedanken machen dürfen“, sagt der Mittelfeldspieler. „Jetzt gilt es, so schnell wie möglich die 40-Punkte-Marke zu erreichen.“ Ein Viertel ist schon mal geschafft.

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