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Warum ist der Rasen im Dynamo-Stadion so schlecht?

Nach dem 2:1-Sieg gegen 1860 München beschwert sich der Trainer über den Zustand des Platzes. Doch für den gibt es Erklärungen – und eine ernsthafte Option.

Von unten sieht der Rasen noch schön grün aus, aber beim von Marvin Stefaniak getretenen Eckball fliegt ein Batzen raus – es ist nicht das einzige Loch.
Von unten sieht der Rasen noch schön grün aus, aber beim von Marvin Stefaniak getretenen Eckball fliegt ein Batzen raus – es ist nicht das einzige Loch. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Das Krisengespräch wurde sofort anberaumt. Dabei wird es nicht um die sportliche Situation bei Dynamo gehen, die hat sich mit dem 2:1-Sieg gegen 1860 München am Sonntag erst einmal entspannt. Kritikwürdig bleibt dagegen der Rasen im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion. Trainer Markus Kauczinski sprach von „sehr, sehr schlechten Platzverhältnissen“ und erklärte die schwächere Anfangsphase auch damit.

„Wir wollten zu viel Fußball spielen, haben aber immer besser gemerkt, was man auf dem Boden spielen kann und was nicht.“ So seien kurze Anspiele im Mittelfeld unmöglich gewesen, weil, und das wiederholte er, „der Platz zu schlecht war“. So wurde es ein harter Kampf, in dem sich Dynamo den Sieg verdiente.

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Verantwortlich für den Zustand der Spielfläche ist die Projektgesellschaft, kurz PG, als Betreiber des Stadions. Direkt nach dem Spiel habe man mit dem Verein einen Termin vereinbart, teilt die PG auf Anfrage mit. Am Donnerstag treffen sich demnach die Verantwortlichen beider Seiten, um die Kompetenzen zu bündeln, Entscheidungen zu treffen und Maßnahmen einzuleiten. „Vorab ist aber zu sagen, dass wir als Stadiongesellschaft mit dem aktuellen Rasenzustand nicht zufrieden sind“, heißt es.

Kauczinski fragt sich, wie es erst im Dezember oder Januar sein wird, wenn das Wetter schlechter ist. Der Herbst zeigt sich bislang doch von der sonnigen Seite, für den November ist es außergewöhnlich mild und trocken. Zudem trainiert Dynamo seit dem Umzug der Profis in die neue Trainingsakademie so gut wie nicht mehr im Stadion, zuletzt laut PG am 11. September, also vor dem Saisonstart mit dem DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV.

Stadionbetreiber hat bereits Erklärungen

Warum also ist der Platz derart mitgenommen? Schon jetzt gibt es dafür Erklärungen vonseiten des Stadionbetreibers, der für die Rasenpflege zwei Greenkeeper fest angestellt hat sowie insgesamt drei Teilzeitkräfte beschäftigt und zudem mit dem städtischen Eigenbetrieb für Sportstätten kooperiert.

Was das Wetter betrifft, trügt offenbar der schöne Schein. So bekomme der Rasen durch den Höhenstand der Sonne im Herbst und Winter nur ein Viertel der Strahlkraft ab, die für das Wachstum der Grashalme benötigt wird. Außerdem seien im Oktober in Dresden insgesamt 105 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen, davon aber 95 Liter vor Dynamos Heimspielen gegen Zwickau am 20. sowie Meppen am 31. Oktober. Auf nassem und tiefem Boden hinterlassen die Stollen der Kicker tiefere Spuren bei Sprints und Zweikämpfen.

Das eigentliche Problem des Dresdner Rasens liegt jedoch weiter zurück – und mit an der Corona-Krise. Erstens hat die Mannschaft nach dem Stillstand wegen der Hygieneauflagen von Anfang April bis Anfang Mai ausschließlich im Stadion trainiert, das waren 36 Einheiten binnen eines Monats. Anschließend kamen weitere zehn und vier Spiele in den vier Juni-Wochen hinzu. Die Belastung war also außergewöhnlich hoch. Offensichtlich hat sich der Rasen davon über den Sommer nur unzureichend erholt.

Normalerweise wäre die Spielfläche vor der neuen Saison ausgetauscht worden nach den Konzerten von Udo Lindenberg und Peter Maffay. Beide Veranstaltungen fielen aus – und damit auch der geplante Rasenwechsel. Zuletzt erneuert wurde er im Januar dieses Jahres – wie seit 2016 immer nach dem Adventskonzert des Kreuzchores im Stadion sowie auch im Sommer nach Auftritten wie dem von Herbert Grönemeyer oder Rammstein. Die Veranstalter, Dynamo und die Projektgesellschaft beteiligen sich an den Kosten in Höhe von rund 120.000 Euro.

Klopp meckerte schon 2015

In diesem Jahr wurde darauf verzichtet und darauf gehofft, den Platz mit den bewährten Mitteln aufpäppeln zu können. Der ist aber nicht zum ersten Mal in der Kritik. Bereits 2015 hatte sich Jürgen Klopp, damals Trainer von Borussia Dortmund, nach einem Pokalspiel heftig beschwert. „Die Leute wundern sich, dass die Spieler auf einmal nicht mehr kicken können, die Bälle ins Aus stoppen“, schimpfte er. „Das liegt am Platz. Wer will, dass Dresden aufsteigt, muss dafür sorgen, dass hier ein anderer Platz herkommt. So einfach ist das.“

Und auch wieder nicht, denn Dynamo ist zwar 2016 in die zweite Liga auf-, nun aber wieder abgestiegen – was nicht am Rasen lag. Trotzdem sollte der kein Ärgernis mehr sein. Dafür wurde auch eine Belichtungseinheit „MU 50“ angeschafft: Die acht 1.000-Watt-Natriumhochdrucklampen sorgen für eine „punktuelle künstliche Besonnung“ und regen in der dunklen Jahreszeit zur Fotosynthese an, aber auf einer begrenzten Fläche.
Die Projektgesellschaft listet außerdem ständige Maßnahmen auf, wie dem Rasen überschüssige Feuchtigkeit entzogen oder durch Düngen, Nachsäen und Austausch beschädigter Stellen ein möglichst glattes Grün geschaffen werden soll. Die sicht- und spürbaren Abnutzungserscheinungen seien angesichts der hohen Belastung in sehr kurzen Zeiträumen bei widrigen Witterungsverhältnissen normal.

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Doch es ist weder besseres Wetter noch eine Schonzeit für den Platz zu erwarten. Bis Weihnachten spielt Dynamo dreimal in der 3. Liga zu Hause und dann am 22. Dezember im DFB-Pokal gegen Darmstadt. Danach blieben bis zum ersten Heimspiel der Rückrunde gegen Wiesbaden Mitte Januar gut drei Wochen für einen Rasentausch. Das, heißt es bereits vorm Krisengespräch, sei nun „eine ernsthafte Option“.

Vom 2:1-Sieg gegen 1860 München gibt es den Liveticker zum Nachlesen hier.

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