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Das sind die vier Verlierer bei Dynamo

Sie hatten einen großen Anteil am Aufstieg, spielen in der zweiten Liga bislang aber selten. Wie ihre Chancen jetzt stehen - eine Bestandsaufnahme.

Sebastian Mai, Paul Will, Philipp Hosiner und Pascal Sohm (v. l.) sind derzeit bei Dynamo hintendran. Bekommen sie ihre Chance?
Sebastian Mai, Paul Will, Philipp Hosiner und Pascal Sohm (v. l.) sind derzeit bei Dynamo hintendran. Bekommen sie ihre Chance? © Fotos: dpa, Lutz Hentschel (2), Picture Point; Mon

Dresden. Der Kapitän spielt eigentlich immer, und diesen Anspruch formuliert Sebastian Mai auch: „Ich bin jemand, der Stammspieler sein will.“ Doch das ist der 27 Jahre alte Dresdner bei Dynamo in dieser Saison bislang nicht. Anfangs fehlte er nach einer Muskelverletzung, die Mannschaft startete ohne ihn gut. „Dann bist du ein bisschen hinten dran, na klar ist das doof, aber so ist der Sport“, meinte er. „Ich weiß, dass es etwas dauert, wieder rein zu rutschen.“ Er müsse arbeiten und liefern, wenn der Trainer sagt: Jetzt bist du dran.

Das hat Mai am dritten Spieltag umgesetzt, als er gegen Hannover 96 vier Minuten nach seiner Einwechslung per Kopf das Tor zum 2:0-Endstand erzielte. Einen Platz in der Startelf bekam er dafür aber nicht, sondern blieb zunächst auch draußen, nachdem sich Tim Knipping schwer am Knie verletzt hatte. Alexander Schmidt setzte gegen Paderborn zunächst auf Michael Akoto, weil der Gegner „zwei Pfeile vorne drin“ hat, wie der Trainer erklärte – ein Fingerzeig auf die mutmaßliche Schwachstelle von Mai: das Tempo.

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Allerdings musste sich der Chefcoach in dem Spiel nach einem frühen 0:3-Rückstand korrigieren, Mai brachte Stabilität in die letzte Reihe, Dynamo kassierte keinen weiteren Gegentreffer. Jetzt war er drin, verschuldete aber in Heidenheim prompt mit einem Querpass das 0:1, wackelte anschließend bei der Niederlage in Darmstadt. Schmidt änderte erneut seine Abwehrreihe, vermasselte Mai damit gegen Werder Bremen sogar das Duell mit seinem Bruder Lukas. Das habe er ohne Murren akzeptiert. „Ich kann mich an keinen Sportsmann erinnern, der das so sportlich aufgenommen hat“, erklärte Schmidt. „Er ist ja schließlich der Kapitän.“

Philipp Hosiner fühlt sich körperlich topfit

Eben. Aber die zweite Liga ist für Mai eine neue Stufe in seiner Karriere, auch das erwähnte Schmidt. Für Philipp Hosiner gilt das jedoch nicht. Der Österreicher ist einer der erfahrensten Profis in Dynamos durchschnittlich jungem Kader, war in seiner Heimat mit Austria Wien 2013 Meister und zudem Torschützenkönig, hat in Frankreich bei Stade Rennes und beim 1. FC Köln in der ersten sowie unter anderem für Union Berlin in der zweiten Liga gespielt.

Bei Dynamos Aufstieg war der jetzt 32 Jahre alte Angreifer mit zehn Toren und neun Vorlagen der zweitbeste Offensivmann nur knapp hinter Christoph Daferner mit zwölf Treffern und sieben Beteiligungen. Trotzdem kommt er in dieser Saison erst auf 187 Einsatzminuten, verteilt auf sechs Spiele als vermeintlicher Joker.

„Ich habe schon viel erlebt im Fußball – bessere und viel schlechtere Zeiten. Derzeit habe ich nicht das Gefühl, weit weg zu sein von der Startelf – ganz im Gegenteil“, sagte er Ende August im Gespräch mit der SZ – seitdem hat sich seine Situation kaum verbessert, zuletzt blieb Hosiner zweimal draußen. Dabei fühlt sich der junge Papa – Anfang Juni brachte seine Frau Julia ihren Sohn Aaron zur Welt – körperlich topfit.

Pascal Sohm verletzt sich und verpasst das Testspiel

„Ich habe keine Wehwehchen, ändert sich das nicht, spiele ich noch einige Jahre“, sagte er jetzt der Bild-Zeitung. Sein Vertrag bei Dynamo läuft im Juni aus, er kann sich eine Verlängerung vorstellen. Für ein Angebot müsste er aber wohl öfter sein nach wie vor vorhandenes Können zeigen dürfen. „Ich weiß, dass ich mit meiner Erfahrung und meinen Qualitäten dem Team immer helfen kann“, meint er selbstbewusst.

Schmidt verweist auf den „gewaltigen Konkurrenzkampf“ in der Offensive. Hosiner verbreite keine schlechte Stimmung, sondern versuche, sich im Training aufzudrängen. Beim 4:0-Sieg im Testspiel gegen Viktoria Berlin erzielte er zudem den ersten Treffer, aber ob das wirklich ein Argument ist? Oder traut ihm der Trainer das hohe Laufpensum, das sein taktisches System erfordert, doch nicht richtig zu? Nachdem sowohl Ransford-Yeboah Königsdörffer als auch Heinz Mörschel zuletzt schwächelten, könnte Hosiner durchaus eine Option fürs Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg am Sonntag sein.

Pascal Sohm dagegen weniger, denn der andere Angreifer auf Abruf verpasste das Testspiel, weil er zuvor im Training umgeknickt war. Die Schonung sei zwar nur eine Vorsichtsmaßnahme gewesen, wie Schmidt betonte, aber dadurch hatte der 29-Jährige keine Chance, sich in einem Wettkampf zu empfehlen. Sohm bringt es in dieser Saison auf 137 Minuten bei sechs Einwechslungen. Im Aufstiegsjahr war er zwar meist auch Joker, erzielte aber sieben Tore. Allerdings ist für ihn wie für Mai die zweite Liga Neuland. Für einen Stürmer ist das eine echte Schwelle, die man freilich nur überwinden kann, wenn man spielt.

Paul Will war schon stark, aber noch fehlt die Konstanz

Das gilt genauso für Paul Will, wobei er mit 22 Jahren im allerbesten Entwicklungsalter für einen Fußballer ist. Dennoch schien der Defensivmann schon weiter zu sein, in der Vorbereitung hatte er quasi einen Stammplatz in der Abwehr. Doch als Schmidt auf Viererkette umstellte, war der Ex-Bayer plötzlich draußen, im defensiven Mittelfeld sind Yannick Stark und Julius Kade die erste Wahl.

Will sei „derzeit etwas hintendran“, meinte Dynamos Chefscout und Kaderplaner Kristian Walter bereits Ende August, aber: „Wir setzen große Hoffnungen in ihn, deshalb wollen wir mit ihm arbeiten.“ Einmal durfte Will seitdem von Anfang an ran, konnte aber trotz des 3:0-Sieges gegen Bremen nicht restlos überzeugen: gut im Zweikampf, zu ungenau im Passspiel. Von Sächsische.de gab es dafür die Note 4. In der Vorsaison erhielt er für seine Leistung beim 3:1 gegen Lübeck, als er sein bislang einziges Tor für Dynamo schoss, eine glatte Eins.

„Der nächste Schritt für die jungen Spieler ist es, konstant zu werden“, meinte der damalige Trainer Markus Kauczinski anschließend: „Jeder ist in der Lage, mal ein gutes Spiel zu machen, aber was ein Talent von einem gestandenen Spieler unterscheidet, ist, eine ähnliche Leistung draufzusetzen.“ Diese Konstanz fehlt Will bislang.

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Bei Schmidt ist dennoch keiner abgeschrieben, soll sich im Team niemand als Verlierer fühlen. „Man muss den Spielern immer das Gefühl geben: Okay, du bist wichtig, warte auf deine Chance“, betont der 52 Jahre alte Fußball-Lehrer. „Ich glaube, das vermittle ich ihnen. Sie wissen, dass Leistung wichtig ist.“ Ausnahmen gibt es keine, auch nicht für den Kapitän.

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