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Ein Dresdner feiert mit 15 ein Debüt auf großer Bühne

Das Motorrad-Talent Lennox Lehmann fährt erstmals in der WM mit – als Jüngster im Feld und einziger Deutscher. Daneben muss er die Schule managen.

Lennox Lehmann kurz vor dem Start auf seiner KTM RC 390R. Die Reifen werden gewärmt und so auf Betriebstemperatur gebracht.
Lennox Lehmann kurz vor dem Start auf seiner KTM RC 390R. Die Reifen werden gewärmt und so auf Betriebstemperatur gebracht. © Foto: IDM/Dino Eisele

Bischofswerda/Dresden. Plätze 17 und 21 – das klingt nicht nach großem Erfolg oder Durchbruch. Für Lennox Lehmann aber waren die beiden Einsätze in Barcelona am vergangenen Wochenende genau das: ein riesiger Schritt in seiner Karriere als Motorrad-Pilot. „So richtig zufrieden bin ich trotzdem nicht. Beim ersten Rennen hat mich ein Verbremser in der letzten Runde vier Plätze gekostet“, sagt er selbstkritisch.

Für ein Debüt war es dennoch beachtlich. Lennox ist 15 und damit der Jüngste in der 44 Fahrer umfassenden Konkurrenz. Und der einzige Deutsche. Neue Strecke, neue Gegner, neues Umfeld – daran muss man sich erst mal gewöhnen. „Für das erste Mal war das mehr als ordentlich“, findet sein Vater Tobias. Bei den Rundenzeiten konnte Lennox ebenso mithalten wie bei der Höchstgeschwindigkeit. 215 Stundenkilometer war er mit seiner 50 PS starken KTM in der Spitze schnell. Auf einer öffentlichen Straße dürfte er nicht mal mit Schritttempo fahren – er besitzt noch keinen Führerschein.

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Gas gibt Lennox regelmäßig in der Internationalen deutschen Motorrad-Meisterschaft (IDM), eine Klasse unter der WM. Dort fährt er nicht nur mit, sondern meist vornweg. Vergangene Saison gewann er den Titel in der kleinsten, der 300er-Klasse, nun liegt er vor dem Saisonfinale erneut an der Spitze, die Titelverteidigung ist das große Ziel. Als Belohnung für den Meisterpokal spendierte der Reifenhersteller einen Gaststart in der WM. Das ist eine durchaus großzügige Geste, schließlich kostete der Einsatz in Barcelona rund 8.000 Euro.

Ausgezahlt hat es sich für Lennox definitiv. „Ich konnte viel mitnehmen. Die Zweikämpfe zum Beispiel sind was ganz anderes. Da sind 30 Fahrer auf einem Niveau unterwegs, in der IDM sind es sieben oder acht“, vergleicht er. Der Ausflug in die höhere Motorsportklasse bleibt aber ein einmaliger – zumindest in dieser Saison. Das nächste Rennen in Jerez kollidiert zeitlich mit dem IDM-Finale am kommenden Wochenende auf dem Hockenheimring. Und danach gibt es nur noch einen WM-Start im Südwestzipfel von Portugal „Das ist weit weg und logistisch schwierig“, erklärt Vater Tobias.

Noch dazu ist es eine finanzielle Herausforderung. Das wird es auch in der nächsten Saison. Dann soll Lennox permanent in der WM antreten. „Noch ein Jahr in der IDM würde keinen Sinn machen. Es muss jetzt der nächste Schritt kommen“, findet Tobias Lehmann.

Stemmen müssen den vor allem die Sponsoren, der ADAC, der Lennox als Förderkader unterstützt, das Team Freudenberg aus Bischofswerda, für das er fährt, und nicht zuletzt die Eltern. Mutter und Vater investieren schon jetzt einen vierstelligen Betrag pro Saison. „Es muss ein Paket geschnürt werden, das für alle passt“, findet Tobias Lehmann. Die Wochenendausflüge gehen dann nicht mehr nach Hockenheim, Oschersleben oder Schleiz, sondern nach Italien, England, Frankreich, Spanien und Portugal.

Nach einem Sieg zeigt Lennox Lehmann auch gerne mal ein Kunststück auf zwei Rädern - oder einem.
Nach einem Sieg zeigt Lennox Lehmann auch gerne mal ein Kunststück auf zwei Rädern - oder einem. © Highside-PR

Das ist finanziell ein Unterschied, aber auch logistisch. Lennox, der mit sieben Jahren das erste Mal auf einem Pocket-Motorrad saß, geht schließlich noch in die Schule, in die 10. Klasse am Gymnasium Bühlau. Durch den WM-Ausflug verpasste er vier Unterrichtstage. „Die Aufgaben habe ich abends im Hotel gemacht“, erzählt er. Am Sonntag ging es direkt nach dem Rennen mit dem Auto zurück in die Heimat – 17 Stunden nonstop.

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Die Sicherheit ist ein anderes Thema. Im Mai verunglückte der 19-jährige Belgier Jason Dupasquier vom sächsischen Team Prüstel beim Großen Preis von Italien tödlich, am Sonntag wurde ein Fahrer aus Wales mit Rippenbrüchen ins Krankenhaus in Barcelona gebracht. Beide wurden nach Stürzen von anderen Piloten überfahren. „Natürlich reden wir darüber“, sagt Vater Tobias. „Ein Risiko bleibt immer. Aber wenn man ständig darüber nachdenken würde, könnte man diesen Sport nicht machen – weder als Fahrer noch als Eltern.“

Das sieht sein Sohn ähnlich. „Im Fahrerlager ist jedem bewusst, was passieren kann. Aber man zerbricht sich nicht permanent den Kopf darüber“, sagt er.

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