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Nach dem Monarchs-Triumph: Der Titel, die Feier, die Pläne

Die Dresdner Footballer gewinnen als erster Verein aus dem Osten die deutsche Meisterschaft. Wie das gefeiert, was dahintersteckt und wie es weitergeht.

So feiern die Dresden Monarchs ihren ersten Meistertitel bereits im Frankfurter Stadion, danach geht es in eine Pizzeria und einen angesagten Club.
So feiern die Dresden Monarchs ihren ersten Meistertitel bereits im Frankfurter Stadion, danach geht es in eine Pizzeria und einen angesagten Club. © Lutz Hentschel

Frankfurt am Main. Mächtige Schulterpolster, die unmerklich zittern, riesige Kerle, die in ihren martialisch wirkenden Rüstungen Freudentränen weinen oder lange auf ihren Lippen kauen, um aufzuhalten, was nicht mehr aufzuhalten ist. Nach dem Endspiel um den German Bowl ließen die Footballer der Dresden Monarchs ihren Emotionen freien Lauf. Schreiend, jubelnd, singend, winkend, umarmend – und eben auch weinend. „Ich kann es nicht in Worte fassen, es ist unglaublich – für uns und für Dresden“, sagte Robin Wilzeck anschließend beim übertragenden TV-Sender Sport1.

Die „zwei, drei großen Fehler“, die sie im Finale gemacht hatten, fielen schon nicht mehr ins Gewicht, denn „wir haben zusammengehalten und das Ding rumgerissen. Die Jungs werden ausrasten, die werden in den nächsten zwei Wochen keine Feier auslassen“, sagte Wilczek. Vor 14.378 Zuschauern im Frankfurter Fußball-Stadion hatten die Monarchs das Endspiel um den German Bowl gegen die Schwäbisch Hall Unicorns nach 7:12 zur Pause noch souverän mit 28:19 gewonnen – und der Geschichte des American Football in Deutschland ein Kapitel hinzugefügt.

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Der erste Titel für eine Mannschaft aus dem Osten

Zum ersten Mal holte sich eine Mannschaft aus dem Osten den Titel in der stärksten Liga Europas. Seit der Wiedervereinigung hatten bislang ausschließlich westdeutsche oder im Westteil Berlins ansässige Teams diesen Titel unter sich aufgeteilt. Der Triumph der Dresdner könnte in dieser Entwicklung als Wendepunkt verstanden werden – oder als wichtiger Schritt zur Normalität.

Die Zigarre danach: Anthony Brooks (l.) und Darrell Stewart lassen es nach dem Erfolg so richtig qualmen.
Die Zigarre danach: Anthony Brooks (l.) und Darrell Stewart lassen es nach dem Erfolg so richtig qualmen. © Lutz Hentschel

„Darüber“, sagte der überglückliche Monarchs-Präsident Sören Glöckner, „habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Es stimmt, das ist ein gutes Signal an die anderen Vereine im Osten. Aber in erster Linie ein wichtiges Signal für uns“, unterstrich er. Denn der erste deutsche Meistertitel soll keine Eintagsfliege bleiben.

Die Voraussetzungen dafür sind nicht die schlechtesten. Einerseits hat es der gebürtige Würzburger Ulrich Däuber als Cheftrainer mit seinem Trainerstab wie noch nie vorher verstanden, aus exzellenten Importspielern und einem starken und tiefen deutschen Kader eine homogene Einheit zu formen. „Das ist sicherlich das stärkste Team, das wir je hatten“, sagte der 51 Jahre alte Chefcoach bereits vor dem denkwürdigen Finale. Neben den US-Stars KJ Carta Samuels, Darrell Stewart oder Devwah Whaley waren eben auch regionale Spieler wie Kicker Florian Finke oder Robin Wilzeck die Helden des Titelabends.

In der Corona-Pandemie sogar Mitglieder gewonnen

Andererseits verfügen die Monarchs über eine Infrastruktur, die in der deutschen Football-Landschaft ihresgleichen sucht. Vor knapp einem Monat wurde das für 1,3 Millionen Euro erbaute Nachwuchszentrum an der Bärnsdorfer Straße eingeweiht. Der Grundstein für die Förderung weiterer Talente. Auch deshalb gehören die Monarchs zu den wenigen Dresdner Sportvereinen, die während der Corona-Pandemie sogar Mitglieder gewonnen haben.

Hoch lebe der Trainer: Der Schweizer Nationalspieler Tim Hagmann hebt Ulrich Däuber hoch, Walther Schönbrodt-Rühl muss nicht eingreifen.
Hoch lebe der Trainer: Der Schweizer Nationalspieler Tim Hagmann hebt Ulrich Däuber hoch, Walther Schönbrodt-Rühl muss nicht eingreifen. © Lutz Hentschel

Der Titel vom Samstag ist der vorläufige Höhepunkt einer stringenten und gesunden Entwicklung. Das sieht auch ein Edelfan so. „Für die Dresden Monarchs geht mit dem Meistertitel ein Traum in Erfüllung. Ein Traum? Eher ein Ergebnis jahrelanger unermüdlicher Arbeit“, postete Sachsens Kultusminister Christian Piwarz auf seinem Facebook-Account. Der 46-jährige Politiker ist seit mehr als einem Jahrzehnt Kommentator des Live-Streams „Radio Monarchs“ – einem Fanprojekt. „Es ist kein Werk eines Einzelnen oder nur weniger, es ist das Werk von ganz, ganz vielen in diesem Verein – im Vorstand, der Geschäftsführung, in den Nachwuchsmannschaften und bei den Cheerleadern – und das Werk von Spielern und Trainern, die zu einer wirklichen Gemeinschaft geworden sind“, schreibt Piwarz und trifft damit den Kern.

Mit einem Saisonetat von knapp 600.000 Euro spielen die Monarchs finanziell zwar im oberen Drittel der semiprofessionellen German Football League (GFL) mit, aber nicht ganz vorn. Über die Frage nach einer Meisterprämie, wie in professionellen Teamsportarten üblich, kann Glöckner nur müde lächeln. „Die Prämie ist, dass sich jetzt jeder Spieler deutscher Meister nennen kann“, erklärt der Klubchef.

Mit dem Oberbürgermeister in der Pizzeria

Allerdings hat der Vorstand zumindest die Zeche für den Restaurant-Besuch der Mannschaft und einiger treuer Fans in einer Frankfurter L’Osteria übernommen, in der sie vorher reserviert hatten. Die dürfte vermutlich vierstellig ausgefallen sein – bei knapp 70, 80 beteiligten Personen – inklusive Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert. „Wir haben dort gegessen und gefeiert bis zum frühen Morgen“, verriet Assistenztrainer Thomas Stantke. Gegen 1 Uhr nachts ist der Mannschaftsbus wieder in Richtung Heimat aufgebrochen, allerdings nur mit wenigen Spielern an Bord.

Einer von rund 1.000: Die Dresdner Fans sorgten in Frankfurt für eine emotionale Atmosphäre und tröteten das Team zum Titel.
Einer von rund 1.000: Die Dresdner Fans sorgten in Frankfurt für eine emotionale Atmosphäre und tröteten das Team zum Titel. © Lutz Hentschel

Für die meisten hatte Wide Receiver Anthony Brooks alte Kontakte nach Frankfurt genutzt. Der Brite mit amerikanischem Pass spielte 2019 für Frankfurt Universe und hatte für seine Monarchs-Kollegen sowie Cheerleader eine Party im angesagten Gibson-Club organisiert. Auch an die Rückreise am Sonntag per Zug hatte Brooks gedacht. Am Dienstag will der neue deutsche Football-Champion im Trainingszentrum an der Bärnsdorfer Straße gemeinsam mit den Fans die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte feiern.

Anschließend beginnen schon die Vorbereitungen auf die neue Spielzeit, die für die Monarchs eine in zweierlei Hinsicht besondere wird. Erstens wird das Däuber-Team im Europapokal antreten. „Davon gehe ich aus“, sagt Glöckner. Derzeit wird noch diskutiert, in welchem Format der Wettbewerb ausgetragen wird. Zweitens muss die Erstliga-Mannschaft im Nachwuchszentrum auf Kunstrasen spielen. Das Heinz-Steyer-Stadion, seit 2007 Spielstätte der Monarchs, wird bis 2023 modernisiert. Das 1921 eingeweihte Stadion an der Bärnsdorfer Straße mit einer Betonradrennbahn ums Spielfeld versprüht spröden Charme, die Stufen, Geländer und Mauern sind marode.

Fröhliche Unterhaltung: Cheerleader begleiteten das Spiel und sorgten für Stimmung in den Pausen.
Fröhliche Unterhaltung: Cheerleader begleiteten das Spiel und sorgten für Stimmung in den Pausen. © Lutz Hentschel

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Die Stadt hat deshalb für mobile Tribünen, die 1.000 Zuschauer fassen sollen, mehrere Varianten vorgeschlagen. Für eine will sich der Verein in dieser Woche entscheiden. „Die Stadt muss nur noch die Finanzierung sichern. Das muss jetzt schnell gehen“, fordert Göckner. Er geht davon aus, dass maximal 4.500 Besucher in die Ausweichvariante passen würden. Bei der geografischen Lage inmitten eines Wohngebiets im Hechtviertel und einer angrenzenden Kleingartensparte eine logistische Herausforderung. Eine weitere Option wäre es, mehrere Partien im Rudolf-Harbig-Stadion auszutragen, in dem die Monarchs bereits achtmal jeweils ein Event-Game in der Saison veranstalteten. „Dann brauchen wir aber Spieltagssponsoren, sonst ist das für uns finanziell nicht stemmbar.“

Nie waren die Argumente der Monarchs dafür besser als jetzt.

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