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Laufend neue Rekorde im Großen Garten

Das Elite-Rennen in Dresden begeistert nicht nur die Top-Läufer. Dass sie auf einem 2,5-Kilometer-Kurs ihre Runden drehen müssen, erinnert an früher.

Der Elite-Lauf am Sonntag in Dresdens Großem Garten liefert Bilder wie gemalt. Und Bilder, wie sie selten geworden sind in diesem Jahr.
Der Elite-Lauf am Sonntag in Dresdens Großem Garten liefert Bilder wie gemalt. Und Bilder, wie sie selten geworden sind in diesem Jahr. © Jürgen Lösel

Dresden. Alles ist anders an diesem Sonntag, anders als 1982. Regen gibt es nicht, stattdessen viel Sonne – aber eben keine Zuschauer. Lediglich ein paar Neugierige, und mehr hätten es wegen der Corona-Bestimmungen auch nicht sein sollen, haben den Spaziergang im Großen Garten unterbrochen und verfolgen das Geschehen auf dem Asphalt. Denn laute Musik, Absperrgitter und noch dazu Läufer mit Startnummern sind hier gewöhnlich nicht anzutreffen – und an diesem ersten Lockdown-Wochenende im November nun vollkommen unerwartet.

Dass in Dresden ein internationales Einladungsrennen für Spitzenläufer stattfindet, hat sich umso mehr in der Szene rumgesprochen. Insgesamt 76 Athleten sind angetreten, im Marathon, Halbmarathon sowie über 10 Kilometer. Dass sie dafür auf dem amtlich vermessenen 2,5-Kilometer-Rundkurs etliche Runden drehen müssen, mag auf Außenstehende verstörend wirken, für Läufer aber ist das überhaupt kein Problem. Selbst im Großen Garten hat es schon mal einen Marathon gegeben: Es regnete damals in Strömen, doch 6.000 Zuschauer verharrten im Park, als der zweimalige Olympiasieger Waldemar Cierpinski hier bei der DDR-Meisterschaft 1982 in 2:12:59 Stunden gewann.

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Und in diesem Jahr, in dem so gut wie gar nichts lief, ist ohnehin maximale Flexibilität gefragt. „Auch wir müssen das Beste aus der Situation machen und nutzen, was wir kriegen können“, sagt 10-km-Siegerin Deborah Schöneborn aus Berlin – womit der Sinn des, so der offizielle Name, Laufszene Invitational Run geklärt ist. „Wir wollten Top-Athleten eine Möglichkeit für schnelle Zeiten bieten. Manche brauchen so einen Härtetest, manche vor allem eine Norm für Olympia oder den Kaderstatus“, erklärt Rennleiter André Egger von der Laufszene Events GmbH. 

Zwei Schweden laufen sogar Landesrekord

Das Konzept geht auf – und wie. Reihenweise persönliche Bestzeiten stehen im Protokoll, zu dieser Jahreszeit normalerweise ein Unding. 10-Kilometer-Sieger Jonas Glans läuft in 28:08 Minuten sogar schwedischen Landesrekord, seiner Landsfrau Sarah Lahti gelingt das Gleiche in 1:09:52 Stunden im Halbmarathon, wobei sie mit zehn Sekunden Rückstand auf die Regensburgerin Miriam Dattke den zweiten Platz belegt.

Den Halbmarathon bei den Männern gewinnt Richard Ringer. Der zigfache deutsche Meister hat sich auf die Langstrecke spezialisiert und will in vier Wochen beim Valencia-Marathon, der auch als Elite-Lauf ausgetragen wird, ebenso wie Schöneborn die Olympia-Norm unterbieten. „Wirklich cool, das war mein erster Wettkampf in diesem Jahr, und es hat sich super angefühlt. Ich bin mega happy“, sagt Ringer im Ziel. 1:02:26 Stunden hat er benötigt. Marathon-Sieger Jonas Müller wiederum ist extra aus England angereist. Dort promoviert er gerade – und hat sich dieses Jahr bereits auf sieben Marathons vorbereitet. Alle abgesagt! In Dresden kann Müller nun laufen und ist glücklich, auch wenn er letztlich schneller als 2:32:15 Stunden sein wollte.

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Auch Karl Bebendorf, deutscher Meister über 3.000 Meter Hindernis vom Dresdner SC, ist am Start. Die 10-Kilometer-Strecke ist eigentlich zu lang für ihn, das Angebot aber zu verlockend. „Hat echt Spaß gemacht auf dieser Wahnsinnsstrecke in heimischer Umgebung“, sagt Bebendorf. Am Ende, so scheint es, sind alle angetan, selbst die Zuschauer für die ungeahnte Abwechslung beim Sonntagsspaziergang.

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