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Nächster Bürgermeister zieht sich zurück

Stolpens Stadtchef Uwe Steglich (FDP) wird 2022 nicht mehr kandidieren. Seine Entscheidung hat er sich nicht einfach gemacht.

Bürgermeister Uwe Steglich (rechts) hier mit Gunnar Schneider, ENSO Leiter Kommunalvertrieb bei der Inbetriebnahme der Ladesäule für Elektro-Fahrzeuge.
Bürgermeister Uwe Steglich (rechts) hier mit Gunnar Schneider, ENSO Leiter Kommunalvertrieb bei der Inbetriebnahme der Ladesäule für Elektro-Fahrzeuge. © Daniel Schäfer

Nur durch Zufall kam heraus, dass Stolpens Bürgermeister Uwe Steglich (FDP) bei der nächsten Bürgermeisterwahl im Juni 2022 nicht mehr antreten wird. Gewusst haben es offenbar seine Familie, seine Mitarbeiter. Den Stadtrat hat er ebenfalls in einem Brief intern informiert. Und für eben dieses Schreiben dankte Stadtrat Michael Walther in der jüngsten öffentlichen Ratssitzung und sorgte für gespitzte Ohren bei Nichteingeweihten.

Uwe Steglich steht tatsächlich für dieses Amt nicht mehr zur Verfügung. Er dürfte damit in jüngster Zeit der vierte Bürgermeister im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sein, der auf seinem bisherigen Posten nicht mehr will oder kann. Vor ihm hatte dies bereits der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) kund getan. Er wird zum 1. Januar 2022 Geschäftsführer einer aus 346 Gemeinden bestehenden Beteiligungsgesellschaft am Ostdeutschen Regionalversorger EnviaM. Der Bannewitzer Bürgermeister Christoph Fröse (Freie Wähler) darf 2022 wegen der Altersgrenze nicht mehr antreten. Dafür kandidiert er dieses Jahr für den Bundestag. Knapp vor dem Wechsel steht Glashüttes Bürgermeister Markus Dreßler (CDU). Er tritt dort ab und wechselt als Beigeordneter des Oberbürgermeisters ins Pirnaer Rathaus.

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Ruhestand oder neuer Job für den FDP-Bürgermeister?

Im Stolpener Stadtrat wurde ihm viel Spaß im Ruhestand gewünscht. Doch soweit ist es für den 58-Jährigen noch lange nicht. Einen neuen Job hat er zwar noch nicht, aber bis dahin ist ja auch noch etwas Zeit. "Nein, in den Ruhestand gehe ich nicht und ich werde nicht von 120 auf 0 herunterschalten. Das geht auch gar nicht", sagt er. Sein neues Ziel wäre, die Erfahrungen die er in seiner 21-jährigen Tätigkeit als Bürgermeister gesammelt habe, so weiterzuvermitteln, dass sich aus politischer Sicht auch einiges ändere. Und eben das hängt unter anderem auch damit zusammen, dass er sich nicht mehr als Bürgermeister bewerben will.

Vieles sei komplizierter, bürokratischer für die Kommunalverwaltungen geworden. Und schon öfters kritisierte er die Hürden bei Fördermittelvergaben, Beihilfen und anderen. Und so hofft er, in Zukunft seine Erkenntnisse einbringen zu können, um eben Förderstrategien zu vereinfachen, etwas Bürokratie abzubauen und es damit seinen Amtskollegen eben auch etwas leichter zu machen. Ein weiteres Beispiel sei sie das Thema Breitband. Seit Jahren bemühen sich die Kommunen darum und noch immer gehe nichts vorwärts. Die Bürgermeister wären aber diejenigen, die dafür die Kritik der Bürger einstecken müssten. Als Kommune müsse man jetzt Laptops für die Lehrer kaufen. "Man kann nicht immer alles auf die kommunale Ebene abdrücken, das geht nicht", kritisiert er. Er fordert mehr Selbstverwaltungshoheit für die Kommunen. Ihm gehe es ganz einfach darum, sich künftig auch dafür einzusetzen, dass für die untere Ebene Hürden abgebaut und nicht immer wieder neu aufgebaut würden. Und Erkenntnisse habe er in seinen insgesamt 28 Jahren Arbeit in der Verwaltung genug sammeln können.

Bürgermeister brauchen ein dickes Fell

Es gibt aber auch noch einen anderen Beweggrund, sich zurückzuziehen. Bürgermeister sei er immer gerne gewesen. Doch die Zeiten seien nicht einfacher geworden in einem so öffentlichen Job. Denn auch er musste sich ein dickes Fell zu legen. Und manchmal sei das nicht ganz so einfach und belaste das private Leben ebenfalls. Außerdem musste er, wie andere seiner Bürgermeisterkollegen feststellen, dass die Aggressivität einiger Menschen zugenommen hätte und die Verwaltungen der Prellbock für alles seien würden.

Uwe Steglich wird aber nicht von heute auf morgen gehen. Seine Amtszeit endet am 21. Juli 2022. Bis dahin hat er auch noch einiges zu erledigen. So stehen aktuell die Fertigstellung des Gerätehauses in Stolpen an, der Schulanbau an die Basaltus-Grundschule, die Sanierung der Sanitäranlagen in der Oberschule. Klar hätte er sagen können, ich trete wieder an, um dann nach zwei Jahren zu sagen "Jetzt ist Schluss". Das allerdings hätte er als unehrlich gegenüber seinen Wählern angesehen. Und Unehrlichkeit ist nicht sein Ding. Und deshalb bleibt er auch weiter im Kreistag.

Nicht zuletzt sieht er in einem Wechsel an der Rathausspitze vielleicht auch eine neue Chance auf Stolpen zukommen. Wer künftig Bürgermeister wird oder zumindest ein Kandidat für das Amt sein könnte, ist noch völlig offen. Auf jeden Fall finde der oder diejenige im Rathaus eine funktionierende Verwaltung und noch dazu eine der jüngsten im Landkreis vor.

Die Parteien haben jetzt Zeit, ihre Kandidaten aufzustellen. Auch Einzelkandidaten können sich bewerben, brauchen dann aber die nötigen Unterstützungsunterschriften. Etwa im Dezember oder Januar müsste dann feststehen, wer für das Amt kandidieren möchte. Die Wahlen werden aller Voraussicht nach am 12. Juni 2022 sein. Für einen zweiten Wahlgang stünde dann der 3. Juli zur Verfügung. Allerdings muss sich der Stolpener Stadtrat noch auf die Modalitäten verständigen.

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