merken
PLUS Sebnitz

Stolpen: Ferkelmast soll abspecken

Ein weiterer Entwurf für die Anlage im Ortsteil Langenwolmsdorf ist fertig. Der Stolpener Stadtrat hat einiges daran auszusetzen. Das sind die Gründe.

Fast 4.500 Ferkel stehen in den Ställen der Stolpen Agro GmbH und sorgen für Gestank.
Fast 4.500 Ferkel stehen in den Ställen der Stolpen Agro GmbH und sorgen für Gestank. © Marko Förster

Das Thema Ferkelmastanlage wird wohl bald in die Geschichtsbücher der Stadt Stolpen eingehen. Ein neues Kapitel wurde am Montag aufgeschlagen. Die Planer konnten einen weiteren Entwurf für den Bebauungsplan einer großen Ferkelaufzuchtanlage vorlegen. Nicht der erste. Schon seine Vorgänger standen in harter Kritik. Was Eigentümer und Planer vorhaben, was der Stolpener Stadtrat dazu sagt.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Bereits seit 2017 wird um die Ferkelmastanlage im Ortsteil Langenwolmsdorf gerungen, besser gesagt gestritten. Zum einen geht es um den Gestank der jetzigen kleinen Anlage. Zum anderen geht es um die geplante massive Vergrößerung der Anlage. Derzeit stehen 4.488 Ferkel in den Ställen. Werden diese saniert, hätten darin insgesamt 9.272 Ferkel Platz. Darüber hinaus plant der Eigentümer Marten Tigchelar noch einen neuen großen Stall mit 5.000 Aufzuchtplätzen. Damit wären es dann 14.272 Plätze. (Zulässig wären gar 14.480 Ferkel). Da die Ferkel drei Monate im Stall stehen und dann weitertransportiert werden, würden so pro Jahr an die 57.088 Ferkel in der Anlage der Stolpen Agro GmbH in Langenwolmsdorf gemästet. Um das zu erreichen, muss ein Bebauungsplan vorliegen und verschiedene Gutachten wie zu Lärm und Gestank.

Das haben Eigentümer und Planer vor

Im Jahr 2018 wurde ein erster Entwurf für den Bebauungsplan der Ferkelmastanlage der Stolpen Agro GmbH vorgelegt. Der wurde damals abgelehnt. In der Folge haben Eigentümer und Planer immer wieder nachgebessert. Am Montag lag den Stadträten ein überarbeiteter Entwurf vor. Mit dem wollten die Planer punkten.

Das Baufeld wurde verkleinert. Damit würden nun nicht mehr die zulässigen 80 Prozent der Baufläche versiegelt, sondern nur 70 Prozent. Außerdem will man sich bei der Gebäudehöhe einschränken. Die Firsthöhe wird auf sieben Meter, statt acht Meter gedeckelt. Außerdem sollen alle Ställe mit einem zertifizierten Abluftsystem ausgestattet werden. Die Getreidesilos haben eine Höhe zwischen zwölf und 20 Metern. Auch das ist laut sächsischer Bauordnung zulässig. Neu ist auch, dass die Löschwasserversorgung auf dem Grundstück mit einem Regenrückhaltebecken erfolgt.

Umstrittenes Thema ist das Güllebecken. Vorher waren zwei geplant, jetzt soll es ein größeres an einem neuen Standort werden. Damit würde die jetzige kritisierte ortsnahe Güllelagune entfallen. Das Becken soll abgedeckt werden. Dadurch könne eine 85 prozentige Geruchsminderung gegenüber jetzt erreicht werden.

Geprüft wurde auch das Verkehrskommen. Immerhin müssen Laster mit Getreide die Anlage anfahren. Gülle muss abgefahren werden und die Ferkel werden nach drei Monaten ausgetauscht. Insgesamt kommen so 827 Fahrten pro Jahr zusammen, das wären zwei bis drei pro Tag.

Das sind die Forderungen des Stadtrates

Dem Stolpener Stadtrat waren die zahlreichen Änderungen noch nicht genug. Aus diesem Grund stellten CDU, Wählervereinigung und FDP einen gemeinsamen Antrag, den Entwurf des Bebauungsplanes abzulehnen. Im September sollen die Planer einen neuen Entwurf vorlegen. Darüber hinaus wurden Forderungen nach Gesetzesänderungen bei Bund und Land laut. "Es ist ein Skandal, das Sachsen als einziges Bundesland noch offene Güllelagunen zulässt", sagt CDU-Fraktionschef Roman Lesch. Eben diese offene Lagune sorgt für die enorme jetzige Geruchsbelästigung. Außerdem sollen die Anzahl der Ferkelplätze auf maximal 10.000 Stück begrenzt werden.

FDP-Fraktionschef Hans-Jürgen Friedrich ging auf die Bedenken des Stadtrates aus technischer Sicht ein. So sollen alle und nicht nur einige Anlagen mit Luftwäschern ausgerüstet werden. Die Reinigung soll transparent dargestellt werden, also auch nachvollziehbar. Das Betanken der Güllelaster soll mittels einer elektrisch betriebenen Pumpe erfolgen und nicht mit einer Dieselpumpe, die auch nachts lautstark zu hören ist. Darüber hinaus soll die Geruchsbelästigung in einem Radius von 1,5 Kilometern in die Berechnung einfließen und nicht nur die unmittelbare Umgebung. Auch der Verladebereich für die Ferkel soll schall- und geruchsgeschützt sein. Das waren nur einige Forderungen aus einem umfangreichen Katalog.

Henry Ruhland (Grüne) brachte dann noch ein weiteres Argument ein. "Der Standort ist nach wie vor der falsche. Da kann man am Plan ändern wie man will", sagt er.

So soll es weiter gehen

Stolpens Bürgermeister Uwe Steglich (FDP) forderte schnelle Konsequenzen für den Betrieb der jetzigen Anlage. Der Gestank für die Anwohner sei unerträglich. Um den zu minimieren hatte das Landratsamt den Betreiber zwar aufgefordert, die offene Güllelagune mit Stroh abzudecken. Das ist zum einen noch nicht geschehen, zum anderen befürchten die Anwohner, dass dies auch nichts bringe.

Die Planer haben sich mit Vertretern des Bauamtes im Landratsamt Pirna an einen Tisch gesetzt, um schnelle Veränderungen in der jetzigen Anlage umsetzen zu können. So habe das Landratsamt zugesichert, dass unbürokratisch eine Abluftanlage errichtet werden könnte. Bei Veränderungen an der Güllelagune müsste jedoch ein Bauantrag gestellt werden. Dafür gibt es verschiedene Auflagen. Und eben an diesem Punkt werden sich wohl die Geister auch künftig scheiden. Denn es ist kaum davon auszugehen, dass der Eigentümer der Ferkelmast einen auflagenbelasteten Bauantrag stellen wird.

Fazit: Unklar ist zum jetzigen Stand, ob der Eigentümer auf die Forderungen des Stadtrates eingehen wird. Tut er das nicht, bleibt das Verfahren weiter offen. Damit zieht den Anwohnern auch weiter der Gestank von 4.488 Ferkeln durch die Nase.

Wird der B-Plan geändert und der Stadtrat stimmt nächstes Mal zu, dann wird der Entwurf öffentlich ausgelegt. Jeder Anwohner, alle Bürger und Behörden können dann ihre Hinweise und Bedenken abgeben.

Mehr zum Thema Sebnitz