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Stolpen: Wohnwagen des Weihnachtsmanns gesprengt

Vandalen haben den DDR-Anhänger zerstört. Es ist nicht der einzige Sprengstoffvorfall in der Region. Die Polizei hofft auf Zeugen.

Von Anja Weber
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Frank Kramer von der Firma Capron in Neustadt vor dem zerstörten Wohnwagen. Ob er wieder aufgebaut werden kann, ist fraglich.
Frank Kramer von der Firma Capron in Neustadt vor dem zerstörten Wohnwagen. Ob er wieder aufgebaut werden kann, ist fraglich. © Marko Förster

Immer wenn der Qek Junior am 1. Dezember auf den Marktplatz in Stolpen gezogen wurde, dann war klar: In Stolpen weihnachtet es. Denn in dem Wohnanhänger ist in der Adventszeit an bestimmten Tagen der Weihnachtsmann anzutreffen. Gemeinsam mit der Firma Capron in Neustadt und dem City-Management ist das ein Teil der vorweihnachtlichen Aktionen für die Stolpener Kinder. Alles musste ausfallen, nur der Wohnwagen ist den Kindern geblieben. Jetzt haben Unbekannte mit Sprengstoff diesen komplett zerstört. Trauer, Wut und Bestürzung in Stolpen sind groß. Und es war nicht der erste Anschlag.

Am Abend des 14. Dezember gegen 22 Uhr hatte eine Explosion die Stolpener Innenstadt erschüttert. So richtig realisieren, was da eigentlich passiert war, konnte anfangs wohl niemand. Doch dann war klar, Unbekannte haben den Wohnwagen des Weihnachtsmannes gesprengt.

Durch die Explosion sei der Caravan so schwer beschädigt, dass er leider abtransportiert werden müsse, heißt es aus der Firma Capron. Unklar sei, ob er auch jemals wieder aufgebaut werden könnte. Bei dem Wohnwagen handelt es sich um ein echtes Unikat aus DDR-Zeiten, einem Qek Junior. Jedes Jahr wird er liebevoll weihnachtlich dekoriert. Daneben steht der Briefkasten für den Weihnachtsmann.

Der wurde auch in diesem Jahr schon rege von den Kindern genutzt. Über 100 Briefe und Wunschzettel von Kindern wurden dort bereits eingeworfen. Gern hat der Weihnachtsmann diese auch beantwortet, wenn die Briefe mit einer Adresse versehen waren. Eine schöne Tradition in Stolpen.

Johanna, Theo und Antonia (v.l.n.r.) sind wie alle Stolpener Kinder traurig, dass der Weihnachtsmann-Wagen zerstört wurde.
Johanna, Theo und Antonia (v.l.n.r.) sind wie alle Stolpener Kinder traurig, dass der Weihnachtsmann-Wagen zerstört wurde. © Marko Förster

City-Managerin Simone Schöne ist fassungslos und schockiert. "Es ist einfach nur traurig, wie hier praktisch das Einzige, was an Weihnachtsaktionen möglich war, zerstört wurde. Dieser Anblick ist für uns alle ganz schrecklich", sagt sie. Auch die Stolpener Kinder sind erschüttert. In der Schule haben sie am nächsten Tag darüber gesprochen. Niemand kann verstehen, weshalb irgendwelche Chaoten den Wohnwagen sprengen konnten.

Sprengsatz auch in Neustadt gezündet

In Stolpen ist das allerdings nicht der einzige Vorfall. Schon vor einigen Tagen wurde an der Bushaltestelle Ärztehaus und am Parkplatz Birkenweg randaliert. Hier wurde unter anderem wiederholt die Elektroladesäule zerstört. Auch die öffentliche Toilette am Parkplatz wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die Explosion unter dem Wohnwagen jetzt ist allerdings der Gipfel der blinden Zerstörungswut. Der Schaden wird auf etwa 2.000 Euro geschätzt. Viel schlimmer sind jedoch die traurigen Kinder. Für sie war der Wohnanhänger wohl auch in Corona-Zeiten so etwas wie ein Hoffnungsschimmer. Wenigstens der stand auf dem Marktplatz wie immer neben dem Weihnachtsbaum.

Am selben Tag, dem 14. Dezember, aber bereits in den frühen Morgenstunden, explodierte ein Einkaufswagenunterstand an der Wilhelm-Kaulisch-Straße in Neustadt. Das soll 2.40 Uhr gewesen sein. 25 Einkaufswagen wurden dabei unter anderem zerstört. Der Schaden dort beläuft sich auf etwa 5.500 Euro.

Die Polizei ermittelt in beiden Fällen jeweils wegen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und Sachbeschädigung. Als Ursache wird in beiden Fällen davon ausgegangen, dass Pyrotechnik gezündet wurde. Obwohl der laute Knall sowohl in Neustadt als auch in Stolpen sicherlich weithin hörbar war, ist es offenbar nicht einfach, Zeugen zu finden.

Immerhin sind um diese Uhrzeiten kaum Menschen unterwegs. Die Polizei hofft nun dennoch auf Zeugenaussagen und Hinweise. Wer etwas bemerkt hat, was mit den Sprengungen im Zusammenhang stehen kann oder Angaben zu den Tätern hat, sollte sich bei der Polizei melden.