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Mein Haustier für die Ewigkeit

Tierbesitzer erhoffen sich vom Präparieren, dass sich weniger um den toten Liebling trauern. Doch Psychologen warnen.

Das Auge muss sitzen: Für ihre Arbeit braucht Maria Bette viel Fingerspitzengefühl.
Das Auge muss sitzen: Für ihre Arbeit braucht Maria Bette viel Fingerspitzengefühl. © Uwe Anspach/dpa

Von Fabian Busch

Manche Menschen möchten ihr Haustier auch nach seinem Tod bei sich haben. Tierpräparatorin Maria Bette kann ihnen diesen Wunsch erfüllen. „Eine Frau wollte zum Beispiel, dass ihr Mischling weiterhin neben ihrem Bett liegt. Also habe ich das Tier in einer liegenden Position mit geschlossenen Augen modelliert“, sagt sie.

Bette hat eine Werkstatt im hessischen Birkenau. Zwei Drittel ihrer Kunden sind Jäger, doch inzwischen melden sich vermehrt Besitzer von Haustieren. „Ich habe schon Hunde, Katzen, Wellensittiche und Meerschweinchen präpariert – aber auch acht Schildkröten“, sagt sie. Die Kunden seien häufig Großstädter, die meist sehr emotional mit ihrem Tier verbunden sind.

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Wer mit dem Gedanken spielt, seinen Liebling präparieren zu lassen, sollte sich vor dessen Tod über den Ablauf informieren. „Das Wichtigste ist: Das Tier muss nach dem Tod sofort eingefroren oder direkt zu mir gebracht werden“, sagt Maria Bette. Besitzer sollten zudem nachweisen können, dass das Tier wirklich ihnen gehört hat, etwa über einen Chip, Tierpass oder ein anderes Dokument.

Fachleute sprechen von einer Dermoplastik, den Begriff Ausstopfen lehnen Präparatoren ab. Verwendet werden vom toten Tier in der Regel lediglich die Haut mit Fell und Krallen, nicht aber Organe, Fleisch und Knochen. Eine Ausnahme sind besonders ungewöhnlich geformte Köpfe wie etwa bei Möpsen. Bei ihnen kann der Schädel in das Präparat eingearbeitet werden.

Welche Details verkraftet der frühere Besitzer?

Maria Bette bittet ihre Kunden stets um Fotos des lebenden Tieres, denn Haustiere sind für sie eine Herausforderung. Im Gegensatz zum Beispiel zu Füchsen gibt es für sie keine Fertigkörper als Basis. Bette muss sie selbst aus Schaumstoff schnitzen oder aus Holzwolle auf Draht wickeln. Die Haut wird gesalzen, dann zu einem Gerber geschickt und auf den Kunstkörper gezogen.

In vielerlei Hinsicht ist Fingerspitzengefühl gefragt, auch im Umgang mit den Kunden. „Die Besitzer kannten ihr Tier meistens mehr als zehn Jahre“, sagt Bette. Deswegen sei es wichtig, einen authentischen Gesichtsausdruck nachzustellen. „Es ist auch wichtig herauszufinden, wie viele Details der Arbeitsschritte man dem Haustierbesitzer beschreiben kann.“ Nicht jeder will sich anhören, dass Präparatoren dem toten Liebling im wahrsten Wortsinne das Fell über die Ohren ziehen müssen.

Der Deutsche Tierschutzbund hat zwar eine sehr kritische Haltung zum Präparieren von gejagten Wildtieren. „Denn Jäger wollen so sie die vermeintlichen Erfolge ihres fragwürdigen Hobbys zur Schau stellen“, sagt Sprecherin Lea Schmitz. Im Präparieren von Haustieren, die auf natürliche Weise gestorben sind, sieht sie aber kein Problem. „Es spricht nichts dagegen, wenn dem Tierbesitzer dadurch die Trauerarbeit erleichtert wird und es ihm ästhetisch gefällt“, sagt Schmitz.

Im Umgang mit Trauer gebe es kein Richtig oder Falsch, betont Eva Dempewolf, die eine Praxis für Coaching, Supervision und Psychotherapie führt und außerdem zertifizierte Trauerbegleiterin und Autorin eines Buchs über Tiertrauer ist. Ein Tier präparieren zu lassen, hält sie gleichwohl für höchst problematisch: „Um einen Verlust überwinden zu können, muss man die Tatsache anerkennen, dass der Verstorbene nicht mehr da ist.“ Eine Dermoplastik diene oft dazu, dies zu verdrängen. „Doch damit wird leider zumeist auch verdrängt, dass die Seele, die ja ein Lebewesen ausmacht, nicht mehr da ist. Wird die Hülle zum Ersatz, vielleicht sogar zum Kuscheltier, ist die Gefahr groß, im Trauerprozess gefangen zu bleiben und emotionale Probleme zu befördern.“

Viel Geduld und viel Geld notwendig

Wenn Besitzer etwas Greifbares behalten wollen, gibt es laut Dempewolf andere Möglichkeiten: eine Gartenkugel-Urne, ein Medaillon als Aschebehältnis, ein aus der Krematoriumsasche gepresster Diamant oder ein dreidimensionaler Pfoten- oder Nasenabdruck, für die erste intensive Trauerphase auch eine Kerze mit einem Foto.

Wer die Hülle seines Haustieres trotzdem lange behalten möchte, muss sich bewusst sein, dass das Präparieren teuer und zeitaufwendig ist. Die Preise variieren je nach Gewicht und Rassemerkmalen. Bei Meerschweinchen etwa kann man mit durchschnittlich 300 Euro rechnen, bei größeren Hunden wird der Betrag häufig deutlich vierstellig. Weil viele Einzelschritte nötig sind und sie parallel an vielen verschiedenen Aufträgen arbeitet, weist Maria Bette Interessenten darauf hin, dass sie Geduld mitbringen müssen: Es kann länger als ein Jahr dauern, bis sie zum Beispiel einen Hund vollständig präpariert hat.

Ist die Dermoplastik fertig, kommt es auf den richtigen Standort und Umgang an: Das präparierte Tier darf nicht gewaschen und nicht im Freien untergebracht werden. „Der Raum sollte nicht zu warm und nicht zu feucht sein“, erklärt Bette. „Und das Präparat sollte keiner permanenten Sonne ausgesetzt werden.“ (dpa)

Buchtipp: Eva Dempewolf: Abschied nehmen – Trauer um ein geliebtes Tier, Fred & Otto Verlag, 14 Euro

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