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Besichtigungstour in Böhmen trotz Corona

Schaubergwerke sind in Tschechien geschlossen. Zwei UNESCO-Objekte öffnen jetzt auf andere Weise.

Der Eingang zum Gelobtes-Land-Stollen in Medenec (Kupferberg). Die virtuelle Tour durch das Schaubergwerk gibt auch Blicke in bislang unbekannte Ecken frei.
Der Eingang zum Gelobtes-Land-Stollen in Medenec (Kupferberg). Die virtuelle Tour durch das Schaubergwerk gibt auch Blicke in bislang unbekannte Ecken frei. © Virtual Tour Erzgebirge

Der Eingang zum Schaubergwerk Gelobtes-Land-Stollen (štola Země zaslíbená) bei Meděnec (Kupferberg) ist niedrig. Man zieht unweigerlich den Kopf ein. Aber das Gitter steht tatsächlich offen und ein Bergführer hat lässig seinen Arm darüber gelegt. Weiter hinein in die Tiefen des Bergwerks geht es jedoch allein. Man braucht auch keinen Helm oder eine Lampe. Man klickt sich einfach nur immer weiter oder sorgt mit der Maus für einen Rundumblick. Dank der 360-Grad-Virtual Tour Erzgebirge ist der Stollen unterhalb des 910 Meter hohen Mědník (Kupferhübel) auch in Pandemiezeiten erlebbar. Das gleiche gilt für den benachbarten Maria-Hilf-Stollen (štola Marie Pomocná). Über ein Menü kann man sich an jede beliebige Stelle des Stollens klicken oder ganz klassisch vom Eingang aus den Gängen folgen. An grünen Punkten ploppen Erklärkästchen auf, in tschechischer und englischer, leider nicht in deutscher Sprache.

Abseits der erlaubten Wege

Auch wenn das Angebot für den Lockdown wie geschaffen scheint, liegt die Idee dafür schon etwas weiter zurück. Den Anfang nahm es mit der Verleihung des UNESCO-Welterbetitels für die deutsch-tschechische Montanregion Erzgebirge vor fast zwei Jahren. „Damals überlegten wir, wie wir die ganzen Objekte verbinden können“, erzählt Zbyněk Jakš, Direktor des Technischen Erzgebirgsmuseums in Most (Brüx), welche die virtuelle Bergbautour entwickelt hat.

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Die Technologie erinnert etwas an Google-Street-View. Die Bergwerke werden komplett in 3D erfasst. Die beauftragte Firma Ponte records aus Most verwendete dafür die Technologie der amerikanischen Firma Matterport. Diese dient zum Beispiel Immobilienfirmen, um ihre Objekte anschaulich auf dem Markt zu platzieren. Allerdings ist ein Bergwerk keine Wohnung. Allein die Erfassung des Maria-Hilf-Stollens dauerte zwei Mitarbeitern drei Tage. Denn mit Hilfe dieser Technik können Besucher nun auch in Teile des Bergwerks vordringen, wohin sie im Rahmen einer gewöhnlichen Besichtigung gar nicht dürfen. Das sind enge Gänge auf der zweiten und dritten Ebene. Um diesen Teil des Stollens aufzunehmen, mussten die zwei Mitarbeiter teils auf dem Boden kriechen und sich durch schmale Öffnungen zwängen.

Zwei weitere Stollen geplant

Finanziert wurde das Vorhaben über ein Kleinprojekt der Euroregion Erzgebirge. Eingebunden war auch die deutsche Seite mit der Stadt Marienberg. Neben den beiden Besucherbergwerken sind nun auch der Pferdegöpel auf dem Rudolphschacht und die Altstadt von Marienberg virtuell zu besichtigen.

Doch von einer Erfassung aller UNESCO-Objekte ist das Projekt noch weit entfernt. Direktor Jakš nennt die Virtuelle Tour denn auch ein Pilotprogramm. Um das Angebot auszuweiten, sind weitere Mittel nötig. „Wir haben bereits Zusagen vom Bezirk Ústí und die Stadt Hora Svaté Kateřiny (Sankt Katharinenberg) unterstützt uns“, informiert Jakš. Damit konnten weitere Bergwerke wie der Nikolausstollen (Štola svatého Mikuláše) in Hora Svaté Kateřiny sowie der Alte-Martins-Stollen (štola Starý Martin) in Krupka (Graupen) erfasst werden.

„Auf tschechischer Seite sind insgesamt weniger Objekte, so dass wir da schon weit sind. Das nächste Ziel ist Jáchymov (Joachimsthal). Wir verhandeln mit dem Bezirk Karlovy Vary (Karlsbad) über eine Finanzierung“, sagt Zbyněk Jakš. Wie so vieles ist es auch bei diesem für die Pandemie eigentlich wie geschaffenen Projekt nicht einfach, in Lockdown-Zeiten voranzukommen. Das gilt auch für die deutsche Seite. Jakš hofft, dass dort ein ähnliches Projekt gestartet wird, um weitere virtuelle Erkundungen zu ergänzen.

Ein großes Manko an der virtuellen Tour ist, dass sie im Internet nur schwer zu finden ist. Beim Erzgebirgsmuseum in Most ist sie auf der Webseite nur für Eingeweihte und Tschechisch-Kundige zu finden. Dazu ist der Link zur Webseite lang und schwer einzuprägen. Aber auch das soll sich ändern. „Um die Bekanntmachung dieses Angebots werden wir uns noch kümmern“, verspricht Jakš.

Mehr Infos gibt es im Internet.

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