merken
PLUS Dippoldiswalde

Ein Bahnhof für den Lückenschluss

Petr Fišer setzt sich auf tschechischer Seite für die Bahnstrecke Most – Freiberg ein. Jetzt steht ein Großprojekt an.

Der Bahnhof Moldava mit einem Direktzug aus Ústí nad Labem (Aussig). Das Gebäude soll nun saniert werden.
Der Bahnhof Moldava mit einem Direktzug aus Ústí nad Labem (Aussig). Das Gebäude soll nun saniert werden. © Ivan Douša

Seit Monaten ist die Grenze zu Deutschland für fast alle Tschechen geschlossen und auch in die andere Richtung geht es nur in Ausnahmefällen und zurück nur mit Test und Quarantäne. Für Petr Fišer ist das aber nur eine Momentaufnahme. Ihm fehlt zwar der gewohnte Kontakt mit den deutschen Freunden und Partnern.

Aber sein Plan zur Wiedereröffnung der Grenze ist ein langfristiger. Er betrifft die Eisenbahnstrecke aus der nordböhmischen Kohlemetropole Most (Brüx) über den Erzgebirgskamm in die sächsische Bergstadt Freiberg. Diese einst so wichtige Verbindung, die die sächsische Industrie mit nordböhmischer Kohle versorgte, ist seit 1945 unterbrochen. Die Bahnstrecke, die mit ihren Viadukten bei Hrob (Klostergrab), Brücken und dem Wendebahnhof Dubí (Eichwald) auf tschechischer Seite ein Kulturdenkmal ist, endet seitdem in Moldava (Moldau), auf deutscher Seite führt sie sogar nur bis Holzhau.

Anzeige
Der Mythos des Dresdener Barocks
Der Mythos des Dresdener Barocks

Unsere Beilage entführt Sie in die Zeit von Kurfürst Friedrich August II. und verrät dabei viele Hintergründe zum damaligen Leben und dem heutigen Dresden.

Steigende Passagierzahlen zwischen Most und Freiberg

Nachdem Gemeinden und Vereine jahrelang vergeblich den Lückenschluss forderten, ist in letzter Zeit Bewegung in die Sache gekommen. Inzwischen hat es das Ansinnen bis in die sächsische Staatsregierung geschafft. Auch auf tschechischer Seite gibt es Interesse, die Verbindung wiederherzustellen. Doch die meiste Arbeit ist auf sächsischer Seite zu tun. In Tschechien liegen die Gleise wenigstens noch bis zur Grenze. Petr Fišer leitet auf tschechischer Seite die Koordinierung der Interessensgruppe. Die besteht vor allem aus den Anrainergemeinden und vereint mehrere Vereine.

„Seit 2015, als wir den 150. Jahrestag der Bahnstrecke feierten, sind die Passagierzahlen stetig gestiegen. Das ist auch unserer ständigen Aufklärungstätigkeit zu verdanken“, nennt Fišer einen wichtigen Erfolg. Zwar fahren die Züge außerhalb der Sommerferien weiterhin nur an Wochenenden. Aber anders als früher, stellt auf tschechischer Seite niemand mehr die Strecke infrage. Das letzte Mal wurden Befürchtungen einer Stilllegung laut, als es 2017 bei Mikulov (Niklasberg) zu einem Erdrutsch kam und die Strecke lange Monate gesperrt war. Die teure Sanierung in dem anspruchsvollen Gelände war dann ein klares Bekenntnis des tschechischen Staates für die Strecke.

Sachsens Wirtschaftsminister Dulig ist dabei

Dank der Initiative der Interessengruppe begann der Bezirk Ústí Direktzüge aus Ústí nad Labem (Aussig), Teplice (Teplitz) und zuletzt auch Děčín (Tetschen) zu finanzieren. „Als das begann, war gerade schlechtes Wetter und schlechte Sicht. Trotzdem waren die Züge voll und so ist das geblieben“, erzählt Fišer. Im Winter ist die Strecke vor allem bei Skifahrern beliebt. Die Haltepunkte auf dem Kamm sind ein idealer Ausgangspunkt für Langlaufskitouren. Im Sommer wiederum sind mit der Bahn Wanderer und Radfahrer unterwegs, im Herbst Pilzsammler.

Dass die Strecke noch bekannter wird, bleibt die wichtigste Aufgabe von Fišer und seinen Mitstreitern. Dabei arbeitet er eng mit der sächsischen IG Muldentalbahn zusammen, mit der 2018 schon mal ein symbolischer Lückenschluss vollzogen wurde. „Seitdem hatten wir bereits zwei Konferenzen. Die dritte mussten wir wegen Corona verschieben. Sie soll nun diesen Herbst in Teplice stattfinden“, sagt Fišer. Wirtschaftsminister Martin Dulig hat sein Kommen zugesagt. Bis dahin soll auch das Ergebnis der Machbarkeitsstudie vorliegen.

Grenzüberschreitend für den Lückenschluss: Petr Fišer (links) mit CDU-Stadtrat Steve Ittershagen und Generalkonsulin Markéta Meissnerová.
Grenzüberschreitend für den Lückenschluss: Petr Fišer (links) mit CDU-Stadtrat Steve Ittershagen und Generalkonsulin Markéta Meissnerová. © Steffen Ulbricht

Inzwischen hat die IG jedoch ein neues Großprojekt auf dem Tisch: die Sanierung des repräsentativen Bahnhofsgebäudes in Moldava. Die Kosten werden mit über 2 Millionen Euro veranschlagt. Das Problem, das historische Gebäude, das einst als Grenzbahnhof Zoll- und Grenzstation in einem war, gehört der Gemeinde Moldava. Für sie ist die Sanierung eine Nummer zu groß, weshalb sie das Gebäude zwischenzeitlich verkaufen wollte.

„Es ist uns gelungen, die Gemeinde zu überzeugen, das Gebäude zu halten“, sagt Fišer. Überzeugend wirkte die Aussicht auf Fördermittel aus einem Programm zur Umgestaltung von Brownfields, ehemaligen Industrieanlagen. „Wir haben die Empfehlung des Ministeriums, jetzt muss eine Projektdokumentation erstellt und das Geld beantragt werden“, nennt Fišer die nächsten Schritte. Er sieht seine Aufgabe darin, die Gemeinde dabei zu unterstützen. „Letztes Jahr haben wir einen Stiftungsfonds gegründet und eine Spendensammlung gestartet. Bis zum heutigen Tag sind umgerechnet über 3.000 Euro eingegangen“, nennt der 45-jährige einen weiteren Erfolg.

Bahnhof Moldava wieder mit Gaststätte

Nicht wenige Einzahlungen kamen auch von deutschen Spendern. Das Geld wird gesammelt, um den Eigenanteil der Gemeinde von 5 Prozent an den Fördermitteln aufzubringen. Spätestens Ende des Jahres sollen die Fördermittel fließen.

„Der Erhalt des Bahnhofsgebäudes ist ein weiteres starkes Signal auch nach Sachsen, dass wir es mit dem Lückenschluss ernst meinen. Und es wird die Attraktivität der Strecke erhöhen“, sagt Fišer. Nach der Sanierung sollen wieder eine Bahnhofsgaststätte, die Post und ein Infozentrum sowie ein kleines Museum einziehen und zudem Räume für Kleingewerbetreibende geschaffen werden.

Und Fišer denkt noch weiter. Vor wenigen Tagen wurde in Teplice der Teplitzer Verein gegründet. „Wir wollen damit auch etwas an die früheren Erzgebirgsvereine anknüpfen“, sagt Fišer. Vor allem erhofft er sich durch den Sitz in der Kurstadt mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung. Durch den Verein konnte er bereits neue Mitstreiter gewinnen. „Bis der Lückenschluss geschafft ist, werden wir aber noch viel Geduld brauchen“, weiß der Eisenbahn-Fan.

Spendenkonto: IBAN CZ95 2010 000 0000 135 444 135, BIC/SWIFT FIOBCZPPXXX

Mehr zum Thema Dippoldiswalde