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Erstes Wolfsrudel in Böhmischer Schweiz

Fünf bis sechs Tiere gehören dem Rudel an. Auch im böhmischen Teil des Erzgebirges vermehren sie sich.

Der junge Wolf in der Böhmischen Schweiz hatte besonderes Interesse an der Fotofalle.
Der junge Wolf in der Böhmischen Schweiz hatte besonderes Interesse an der Fotofalle. © Hnutí Duha Olomouc

Dieser Wolf hat das Zeug zum Video-Star. Immer wieder greift er die Kamera an, versucht, sie zu beißen. Als ob er ahnte, dass er heimlich beobachtet wird. Die Aufzeichnung, auf der das zu sehen ist, stammt von einer sogenannten Fotofalle. Nicht nur die Aufzeichnung hat den Wolfsangriff unbeschadet überstanden, auch die Kamera hat es „überlebt“. Der Umweltorganisation Hnutí Duha Olomouc (Olmütz), die sich in Tschechien langfristig mit dem Wolfsmonitoring befasst, liegen auf diese Weise einzigartige Aufnahmen vor. Denn bisher waren Fotofallen nur stille Beobachter, aber nicht Ziel eines Angriffs.

Warum der Wolf es auf die Kamera abgesehen hatte, kann nur spekuliert werden. „Es gab schon zwei solcher Angriffe bei einer Kamera an einem völlig anderen Ort. Allerdings stammen sie vom gleichen Hersteller. Es könnte sein, dass diese Kameras die Wölfe durch Geruch, Geschmack oder etwas ähnliches anlocken“, sagt Nationalparksprecher Tomáš Salov.

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Die Aufnahmen sind aber noch aus einem anderen Grund interessant. Sie wurden auf dem Gebiet des Nationalparks Böhmische Schweiz aufgezeichnet und geben einen Einblick in die Wolfspopulation, wie sie in den letzten Monaten beobachtet wurde. Die hat sich nämlich weiter ausgebreitet und stabilisiert. Laut dem aktuellen Bericht, der sich auf das Wolfsjahr von Mai 2019 bis April 2020 bezieht, lebt inzwischen auch in der Böhmischen Schweiz ein Wolfsrudel. „Das Rudel ist aber verhältnismäßig klein. Es handelt sich nicht mehr als um fünf bis sechs Tiere“, ordnet Salov ein.

Bisher war das Wolfsmonitoring nur von einem eigenständigen Rudel ausgegangen, das der böhmischen Lausitz zugeordnet wurde. Die beiden anderen waren die Rudel in Cunewalde und Hohwald mit Überschneidung nach Tschechien hinein.

Offenbar ist die Böhmische Schweiz trotz der fast eine Million Touristen, die den Nationalpark Jahr für Jahr besuchen, für Wölfe attraktiv. „Das setzt voraus, dass jene Gebiete, die zur Ruhezone gehören, tatsächlich nur auf markierten Wanderwegen durchquert werden“, sagt Salov. Auch die Einhaltung weiterer Regeln wie das Verbot, zu zelten oder Lagerfeuer zu machen, sind Voraussetzung, dass sich Wölfe und andere seltene Tiere niederlassen können. Denn die wollen vor allem ihre Ruhe. Eine Begegnung mit Menschen ist indes nicht ausgeschlossen. Für die Wolfsbeobachtung waren sie sogar hilfreich, weil die Touristen die Experten überhaupt auf das Wolfsgebiet aufmerksam gemacht haben.

Aufnahme einige Wochen alt

Das ist auch der Fall der Kamera, die nun die Aufnahmen mit dem Wolfsangriff lieferte. Sie wurde im vergangenen Herbst angebracht. Aktuell sind im Nationalpark knapp zehn Fotofallen angebracht. Nur ein Teil ist vorrangig wegen der Wolfsbeobachtung eingesetzt. Die Aufnahmen mit dem Wolf sind einige Wochen alt. „Die Aufzeichnungen lassen darauf schließen, dass es sich um einen jungen Wolf handelt“, heißt es bei Hnutí Duha, welche sich um die Kamera kümmert. Eine Zuordnung des Geschlechts ist zwar nicht möglich, aber das Alter kann mit großer Sicherheit auf knapp ein Jahr bestimmt werden. Laut Nationalparksprecher Salov ist es sogar sehr wahrscheinlich, dass der Wolf in der Böhmischen Schweiz zur Welt kam. „Wir gehen davon aus, dass sich in dem Gebiet zwei Wölfe befinden“, sagt Salov. Ob es sich um ein Muttertier mit dem einjährigen Nachwuchs oder sogar ein Paar handelt, lässt sich aber nicht bestimmen.

Viel Bewegung in der Wolfsentwicklung herrscht auch im böhmischen Teil des Erzgebirges. Dort kamen in der Saison 2019/20 zwei neue Wolfsterritorien hinzu. Neu leben nun im Gebiet um Hora Svaté Kateříny (Sankt Katharinenberg) und Moldava (Moldau) bei Rehefeld jeweils ein Wolfspaar. Das bereits bestehende Rudel bei Výsluní (Sonnenberg) nordwestlich von Chomutov (Komotau) hat sich weiter stabilisiert. Paare gibt es neu nun auch bei Přebuz (Frühbuß) im Westerzgebirge und im militärischen Sperrgebiet Duppauer Gebirge (Doupovské hory). Neben dem früheren Sperrgebiet Ralsko in der Nähe des Máchasees ist es das einzige Wolfsterritorium, das sich nicht an den Grenzen zu Deutschland, Polen oder der Slowakei befindet.

Dass das Paar im Duppauer Gebirge zur Hälfte von einer mit einem Sender ausgestatteten Wölfin aus Österreich gebildet wird, zeigt laut Aleš Vorel von der Landwirtschaftlichen Universität Prag, „dass Mitteleuropa die Kreuzung mehrerer Fernwanderungen von Wölfen ist.“ Um darüber mehr zu erfahren, sollen auch in Tschechien Wölfe mit Sender ausgestattet werden. Im Böhmerwald konnte eine Wölfin bereits zu diesen Zwecken eingefangen werden.Bis dahin bleiben Fotofallen auch trotz des Angriffs ein wichtiges Beobachtungsmittel.

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