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Bautzen

Umgebindehaus ist Bauernhaus des Jahres

Mit der Aktion will ein Verein auf den Wert der besonderen Gebäude aufmerksam machen. Das hat einen ernsten Hintergrund.

Dieses Umgebindehaus gehört zum Dreiseitenhof am Veranstaltungshaus Blaue Kugel in Cunewalde. Es ist rundum saniert. Andere Exemplare sind dem Verfall preisgegeben.
Dieses Umgebindehaus gehört zum Dreiseitenhof am Veranstaltungshaus Blaue Kugel in Cunewalde. Es ist rundum saniert. Andere Exemplare sind dem Verfall preisgegeben. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die Interessengemeinschaft Bauernhaus ernennt das in der Oberlausitz beheimatete Umgebindehaus zum Bauernhaus des Jahres 2020. „Mit dieser Aktion macht der Verein auf den baukulturellen Wert und die Schutzbedürftigkeit dieses regionalen Haustyps aufmerksam“, sagt Geschäftsführerin Dr. Julia Ricker.

In den Dörfern südlich von Bautzen bis in die Region rund um Löbau und Zittau bilden die Umgebindehäuser über etwa 50 Kilometer eine einzigartige Architekturlandschaft. Das Umgebindehaus vereint bis zu drei verschiedene, sonst separat auftretende Bauweisen: Blockbau, Massivbau und Fachwerk. Sie verleihen ihm seinen ästhetischen Reiz und machen es konstruktiv einzigartig. Manche Ortskerne besitzen fast 300 dieser Bauten, die einer Rundbogen-Stützenkonstruktion – dem Umgebinde – ihren Namen verdanken.

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Stiftung als Partner

Die Interessengemeinschaft Bauernhaus engagiert sich mit rund 6.000 Mitgliedern deutschlandweit für die Erhaltung der Baukultur auf dem Land und für die Bewahrung von Kulturlandschaften. Als erstes Bauernhaus des Jahres hatte sie das Spreewaldhaus im Südosten von Brandenburg ernannt. Im vergangenen Jahr erhielt das Jurahaus im bayerischen Altmühltal diese Würdigung. „Mit der Stiftung Umgebindehaus in Neugersdorf haben wir in diesem Jahr einen Partner an der Seite, der sich mit einem ebenso hohen fachlichen Anspruch in Theorie und Praxis für die Bewahrung der regionalen Baukultur einsetzt und viele Menschen für sie begeistert“, sagt Julia Ricker.

Zahl sinkt dramatisch

Der Bestand der Umgebindehäuser in der Oberlausitz ging in den letzten 100 Jahren dramatisch zurück. „Umso mehr gilt es, die noch erhaltenen Exemplare zu bewahren und zu pflegen“, betont die Geschäftsführerin der IG Bauernhaus. Über 6.000 Umgebindehäuser wurden in den 1990er-Jahren als Kulturdenkmale erfasst. In den vergangenen 16 Jahren leistete die Stiftung Umgebindehaus einen wichtigen Beitrag für ihre Erhaltung. Aber es warten immer noch rund 40 Prozent auf Instandsetzung. Die Interessengemeinschaft Bauernhaus und die Stiftung Umgebindehaus werben 2020 gemeinsam für das wertvolle Kulturerbe, verbunden mit dem Appell für mehr Rücksicht und Sensibilität im Umgang mit der historischen Bausubstanz. (SZ)

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