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Vom Landstreicher zum Event-Festsaal

Der Landgasthof in Mohorn hat wieder geöffnet. Der neue Betreiber ist überzeugt, dass sein Geschäftsmodell aufgeht.

Von Maik Brückner
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So sieht der zum Event-Festsaal umgebaute frühere Gasthof zum Landstreicher jetzt aus.
So sieht der zum Event-Festsaal umgebaute frühere Gasthof zum Landstreicher jetzt aus. © Archivbild: Karl-Ludwig Oberthür

Wer zwischen Dresden und Freiberg unterwegs ist, dem fällt der Mohorner Gasthof sofort auf. Das mächtige Haus steht direkt an der Straße und ist durch seinen gelben Anstrich nicht zu übersehen. Jahrelang wurden hier unter dem Namen Landstreicher Speisen und Getränke gereicht. 2016 gab Familie Diener das Haus aus gesundheitlichen Gründen auf.

Nun heißt das Lokal „Amara Event - Festsaal & Gasthaus“. „Amara bedeutet Ewigkeit“, sagt Harun Caliskan. Er ist seit Ende 2016 Inhaber des Gasthofes. Langfristig war das nicht geplant, Besitzer eines sächsischen Landgasthofes zu werden. Es war eine spontane Idee, sagt Caliskan.

Er stammt aus Kurdistan, wuchs im türkischen Antalya am Mittelmeer auf und erlernte dort den Beruf des Masseurs. 2003 kam er nach Dresden und eröffnete im Hotel Maritim ein Wellness- und Massagesalon, in dem sechs Mitarbeiter beschäftigt sind. Eines Tages las er in der SZ, dass das Mohorner Gasthaus einen neuen Eigentümer sucht. Caliskan überlegte nicht lange. „Ich bin ein verrückter Unternehmer“, erklärt er und lächelt dabei. Er schaute sich das Haus an und entschied sich, es zu kaufen. Die Lage auf halben Weg zwischen Dresden und Freiberg sei ideal. Er sieht gute Chancen für einen erfolgreichen Betrieb.

In den letzten Jahren sei ihm aufgefallen, dass immer mehr Familien Dresden den Rücken kehren und ins Umland der Großstadt ziehen. Dörfer wie Mohorn und andere profitieren davon. Davon zeugen nicht nur die neuen Eigenheime, die hier entstehen, sondern auch die Firmen und Ansiedlungen wie die von Rossmann in Grumbach. Auch die Nähe zu Herzogswalde, wo es einen Golfplatz gibt, habe ihn motiviert, in Mohorn als Investor einzusteigen. Kurz nach dem Kauf des Gasthofes begann er mit dem Umbau.

Das Inventar des Vorgängers ließ er ausbauen. Dann begann er mit der Sanierung des Gebäudes, zu dem neben dem Gastraum mit 100 Plätzen auch ein großer Saal im Obergeschoss mit bis zu 180 Sitzplätzen und sowie fünf Pensionszimmer gehören.

„Vieles habe ich selbst gemacht“, sagt Caliskan. Wie viel er investiert hat, möchte er nicht sagen. Er könne sich noch an die Fragen einiger Leute erinnern. Unter anderem wurde er gefragt, ob jetzt ein großer Döner-Imbiss hier herkomme. Doch das sei zu keiner Zeit geplant gewesen. Mit der Übernahme stand für ihn fest, dass das Haus ein Landgasthof bleiben wird. Und so ist es auch gekommen. Auf der Speisekarte finden sich typische Gerichte der gut-bürgerlichen Küche. Doch nicht nur die. „Wir spannen einen Bogen von der deutschen zur mediterranen Küche“, sagt Caliskan. Deshalb bietet er auch griechische, spanische und italienische Gerichte an.

In seinem Gasthaus sollen sich Pendler genauso wohl fühlen wie die Einheimischen und die Menschen, die hierhergezogen sind. Deshalb lädt er sonntags zum Brunch ein. Zudem öffnet er sein Haus nicht nur für Geburtstage und Hochzeiten. Er lädt auch zu einer Silvestergala. Im kommenden Jahr gibt es hier ein Krimidinner, ein Mai- und ein Oktoberfest. Außerdem soll das Gasthaus noch einen Biergarten und eine Terrasse bekommen.

Um das Haus zu bewirtschaften, hat Caliskan fünf Mitarbeiter eingestellt. Doch das reicht nicht: „Ich suche noch Personal fürs Marketing und für den Service.“ Für sein Engagement hat Caliskan viel Lob bekommen – vor allem aus Mohorn, dennoch möchte er als ausländischer Investor vorsichtig sein. Deshalb möchte Caliskan kein Foto von sich in der Zeitung sehen. „Das Haus können sie gern fotografieren.“