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Von der Hausfrau bis zum Pendler alle motivieren

Das Lokale gewinnt im Zuge der Globalisierung an Bedeutung. Das stellt man auch beim Zukunftsforum des Kreises fest.

Dr. Michael Göbel von "Regionomica" sprach beim Zukunftsforum in Großenhain über den Fachkräftemangel.
Dr. Michael Göbel von "Regionomica" sprach beim Zukunftsforum in Großenhain über den Fachkräftemangel. © Foto: Kristin Richter

Großenhain/Meißen. Die Stema als Gastgeber ist ein gutes Beispiel. Rund 40 000 Anhänger verkauft der Großenhainer Hersteller jährlich in 41 Länder. Doch bis 2025 werden 50 neue Arbeitskräfte gebraucht, weil ältere in den Ruhestand gehen. „Die zu gewinnen, ist nicht leicht“, gibt Geschäftsführer Michael Jursch zu. Zwei Drittel der regionalen Betriebe haben Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Bei 40 Prozent der Ausschreibungen kommen keine oder zu wenig Bewerbungen.

Doch es trifft nicht alle gleich hart. Ein Nord-Süd-Gefälle im Landkreis stellt Dr. Michael Göbel von „Regionomica“ aus Berlin beim Zukunftsforum des Landkreises dar: In Coswig, Radebeul oder Radeburg sieht es besser aus als in Riesa oder Großenhain. Dabei liegt der Landkreis Meißen noch überm Sachsendurchschnitt, wie eine Unternehmensbefragung mit 1.138 Teilnehmern 2017 ergab. Ein rückläufiger Arbeitskräfte-Bedarf wird in der Land- und Forstwirtschaft, im Maschinenbau und auch in der öffentlichen Verwaltung prognostiziert. Weiter aufwärts gehe es dagegen im Handel und der Kfz-Reparatur, bei wirtschaftlichen Dienstleistungen und ganz deutlich im Gesundheits- und Sozialwesen. 

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Arbeitszeitmodelle hoch im Kurs

Die Rahmenbedingungen der Zukunft werden durch hochmoderne Produktion, innovatives Handwerk, papierloses Büro und animierte Realität (AR) gesetzt, so Forscher Michael Göbel. Strategien, unter diesen Umständen Arbeitskräfte zu halten und zu gewinnen, liegen in Arbeitszeitmodellen – 78 Prozent der hiesigen Betriebe bieten das an, in stärkerer Weiterbildung (67 Prozent) und eigener Berufsausbildung (60 Prozent).

Der Regionomica-Geschäftsführer schlägt den „Bereichen im zweiten Ring“ um die Großstadt Dresden drei weitere Lösungsansätze vor: die Attraktivität der Region herausstellen, für die Branchenspezifik sensibilisieren und zielgruppenspezifische Potenziale am Arbeitsmarkt aktivieren: Studienabbrecher, Hausfrauen, Pendler. Die Stadt Großenhain hat sich zudem schon gute Voraussetzungen bei Digitalisierung – Stichwort Breitbandausbau – und Mobilität – öffentlicher Nahverkehr – geschaffen. Allerdings hat Letztere mit der Bahnanbindung nach Dresden auch den Nachteil, dass viele beruflich an die Elbe fahren. Immerhin rund 10 000 Leute pendeln aber auch aus Südbrandenburg in den Landkreis Meißen ein.

Drei Diskussionsbereiche wurden bei diesem ersten Fachforum in der Stema eingerichtet, die von den knapp 100 Teilnehmern rege genutzt wurden: Bildung, Arbeitskräftesicherung und Regionalmarketing. „Wir starten damit eine neue Form der Kommunikation mit den Bürgern“, so die stellvertretende Landrätin Janet Putz. Gekommen war Rüdiger Gelbhaar aus Großenhain. Er wohnt in der Nähe der Stema und war neugierig, wohin der Landkreis in Zukunft steuert und wie Probleme gelöst werden können. Auch Rentner Bernhard Malsch aus Meißen bringt sich ein. „Unsere Stadtentwicklungsziele für Meißen sind abhängig vom Landkreis, deshalb muss auch auf dieser Ebene effizient an Strategien gearbeitet werden“, findet er. Klar heraus kristallisiert hat sich die Erkenntnis, dass bei wachsender Globalisierung das Lokale stark an Bedeutung gewinnt.