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Vor 40 Jahren war Winterkampf

Extremwinter herrscht derzeit in Bayern und Österreich. 1979 war er auch in und um Großenhain. Es kam sogar die Schneefräse von Rügen in unsere Region.

Von Kathrin Krüger
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Auf den Bahnhöfen mussten die „Frauen und Männer mit dem Flügelrad“ die Gleise freilegen und die Weichen auftauen.
Auf den Bahnhöfen mussten die „Frauen und Männer mit dem Flügelrad“ die Gleise freilegen und die Weichen auftauen. © Archiv SZ

Großenhain. Viele errinnern sich noch an die Schneemassen, die Anfang 2010 die Stadt zustopften und nach außerhalb gebracht werden mussten. Einen extremen Kälteeinbruch gab es auch Anfang 1979, an den man sich jetzt wieder erinnert beim Anblick der aktuellen Schneemassen in Bayern und Österreich. Der extreme Schneefall vor 40 Jahren spiegelte sich auch in den Lokalausgaben der SZ wider.

Wie damals die SZ Großenhain berichtete, schlug das Wetter zu Silvester rapide um, sodass die letzte Nacht des Jahres mit minus 21 Grad zu den kältesten der letzten Jahrzehnte gehörte. Im Kampf gegen Schnee und Kälte verlangten diese Tage große Einsatzbereitschaft von den Kräften des Winterdienstes ab. 

„Mitarbeiter der Energieversorgung, der Bahnmeisterei und der Freiwilligen Feuerwehr waren ständig im Einsatz“, schrieb die Zeitung am 3. Januar. „Es gab etliche Verspätungen im Zugverkehr und beim Kraftverkehr. Im Bereich der Fernmeldedienststelle Großenhain waren am 2. Januar viele Telefonanschlüsse gestört.“

Beschäftigte aus den Großenhainer Betrieben begannen am 5. Januar 1979, den Schnee von den wichtigsten Straßen und Plätzen zu räumen und aus der Stadt zu bringen. Dies war im Interesse von Sicherheit und Ordnung wichtig. Gleichzeitig war es ein Vorgriff auf wärmere Tage, um keine Wassermassen in der Stadt zu haben. Die Kinder freuten sich über den reichlichen Schnee. Hauptanziehungspunkt war für sie der Kupferberg. Die Skier und Schlitten, die einige Jahre kaum aus dem Keller geholt werden konnten, wurden wieder getestet.

 Der Wetterbericht kündigte auch für die nächsten Januartage weitere Schneefälle und ein Anhalten der Kälteperiode an. An der Käthe-Kollwitz-Straße bauten die Bauleute trotz eisiger Temperaturen am Wohnblock drei weiter, schrieb die SZ am 6. Januar. „Der warme Mörtel, der für diese Arbeiten gebraucht wurde, kam aus zwei Kartoffeldämpfern.“

Am 19. Januar dann der Clou: „Nachdem die Schneefräse auf der Insel Rügen für befahrbare Straßen sorgte, wurde sie am 18. und 19. Januar im Kreis Großenhain zur Beseitigung der Schneemassen eingesetzt.“ 25 bis 35 Meter weit konnte diese Fräse den Schnee auf die Felder schleudern und Verwehungen bis zu drei Meter Höhe beseitigen. 

Am gleichen Tag gab es eine Beratung der Volkssolidaritätshelfer im Wohnbezirk neun, zu dem die Straßen Feldfrieden, Becherstraße, Preuskerstraße und Erich-Weinert-Straße gehörten. „Gerade den älteren Menschen brachten Frost und Schnee einige Probleme“ hieß es. Gute Beispiele der Nachbarschaftshilfe wurden bekannt gegeben.

Ende Januar zog die SZ noch mal Bilanz: „Das Jahr 1979 begrüßte uns mit Temperaturen um minus 20 Grad und Schneesturm. Besonders die erste Woche reichte mit ihrem Mittelwert von minus neun Grad an die tiefsten Werte von 1963 und 1940 heran. Die folgenden Wochen brachten eine erhebliche Frostmilderung. Das Monatsmittel lag aber trotzdem um 3,5 bis vier Grad unter dem Normalwert. 

Seit 1970 war erstmals wieder das gesamte Gebiet der DDR unter einer geschlossenen Schneedecke von 15 bis 100 Zentimeter. Verkehrsbehinderungen und Wetterschäden traten durch stürmischen Wind, Eisregen, Glatteis und Schneeverwehungen auf.“