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Vorbild: Schwester Agnes

Ein neues Pflegeteam startet im Rödertal durch. Der Bedarf ist da.

© René Plaul

Von Reiner Hanke

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Großröhrsdorf. Über dem Schaufenster steht noch Frisiersalon auf den Putz gespachtelt. Drin schwang Ringo Gornig am Freitag noch den Putzlappen. Denn am Wochenende wurde es ernst. Da ging sein Pflegedienst, das Pflegeteam Rödertal, an den Start. Am Sonnabend besuchte Ringo Gornig seinen ersten Patienten, einen älteren Herrn in Bretnig. Mit dem Kleinwagen. Das soll sich aber ändern. Der Fachgesundheits- und Krankenpfleger will sich eine Schwalbe anschaffen, aber eine moderne mit Elektroantrieb. Und wie die legendäre Gemeindeschwester Agnes Kraus aus dem DDR-Fernsehen durch das Rödertal zu den Patienten touren.

Aber erst einmal muss sein Pflegedienst in Fahrt kommen. Mit dem ging es jetzt schneller als gedacht. Noch am Jahresanfang war es eher noch ein Zukunftstraum. Den trug Ringo Gornig seit der Weiterbildung vor vier Jahren zum Pflegedienstleiter in sich. Also seit er die nötige Qualifikation in der Tasche hatte. Am Jahresanfang erzählte der 30-Jährige über die Arbeit als freiberuflicher Pfleger. Über weite Wege zu Einsätzen bis ins Erzgebirge und die Lage auf dem Pflegesektor. Der Bericht brachte wohl auch Schwung in die Zukunftspläne und zeigte den Bedarf in der häuslichen Pflege. „Wenn der so groß ist, musst du loslegen.“ Es machte ihm auch Mut, den Schritt zu wagen. Schließlich hängt einiges dran, die Verantwortung für vier Mitarbeiterinnen, ein Kredit. Denn ohne Anschubfinanzierung ist das Projekt nicht zu stemmen. Weniger, um die Station einzurichten. Aber es mussten drei Autos angeschafft werden. Auch seien die Löhne vorzufinanzieren, bis die ersten Zahlungen über die Krankenkassen eintreffen.

Bretnig sollte auf jeden Fall der Standort für den Pflegedienst Rödertal werden. „Ich bin von Hause aus Bretniger, und direkt hier im Ort gibt es auch noch keinen Pflegedienst.“ In der Stadt Großröhrsdorf sei er jetzt der vierte Anbieter. Der Arbeitsweg sei endlich kürzer und es einfach schön, in der Heimat zu pflegen. Mit dem Zusatz Rödertal hat er das Einzugsgebiet umrissen. Das soll schon über Bretnig hinaus gehen bis Ohorn, Frankenthal, Rammenau, Burkau und Kleinröhrsdorf in der anderen Richtung.

Basis ist jetzt ein früherer Friseursalon an der Bischofswerdaer Straße. In den 1990er-Jahren unter anderem auch Jeansladen und seit 2000 leer stehend. Ein Bretniger habe ihn auf die Räume aufmerksam gemacht. Zentral sollte der künftige Stützpunkt liegen und über Parkplätze verfügen. Beides sei der Fall. Dort ist Platz für einen Gemeinschaftsraum für die Schwestern und für ein Büro. An der Küche wird derzeit noch gebaut. Die anderen Räume sind frisch renoviert. In den neuen Fußboden habe er selbst investiert. Gemeinsam mit seiner Frau zimmerte Ringo Gornig das Laminat in die Räume, baute die Möbel auf und brachte frische Farbe an die Wände. Ein paar Bilder fehlen noch und Grünpflanzen.

Bürokratischer Aufwand

Weit schwieriger als das Renovieren war es, den Überblick im bürokratischen Dschungel zu behalten. Das Prozedere der Krankenkassen zur Anmeldung sei aufwendig und habe am längsten gedauert. Mehrseitige „Hausaufgabenzettel“ habe er abgearbeitet. Für das offizielle Zulassungsverfahren mit den deutschen Sozialkassen habe er Material abgegeben, das fünf große Ordner füllt: Urkunden, Arbeitszeugnisse, Anmeldungen bei Behörden oder Versicherungen, Zulassungen, Fragebögen, Beglaubigungen, Konzepte, Leitbilder. „Es hat Monate gedauert, und eine Unterschrift fehlt da und dort immer noch.“ Die Mannschaft musste ebenfalls vor der Zulassung stehen.

Zum Glück sei er Bürokratie schon aus seiner Zeit bei der Bundeswehr und als freiberuflicher Pfleger gewöhnt. Aber es sei jetzt alles soweit, dass der Pflegedienst loslegen kann. Die Tätigkeit als freiberuflicher Krankenpfleger habe er beendet, sagt der Chef.

Dokumentation per Tablet

Vier Altenpflegerinnen holte Ringo Gornig mit ins Boot. 30 Bewerber interessierten sich für den Job. Es gebe also durchaus Fachkräfte. Der Mangel sei mancherorts durchaus hausgemacht, weil zu wenig oder gar nicht ausgebildet werde. Er wolle im kommenden Jahr einen Azubi aufnehmen. Und einiges anders machen. Dazu gehöre ein Dienstplan, der sich an den Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen orientiere und ein Arbeitszeitmodell mit Fünftagewoche. Er werde außerdem den Papierkram reduzieren, und sei damit bestimmt der erste in der Region. Die Pflegedokumentationen und der Tourenplan werden elektronisch geführt – alles per Tablet und PC.

Genieße das Leben – steht auf dem Pflegedienst-Flyer fürs Rödertalteam. Den Spruch habe seine Tochter ein bisschen geprägt, erzählt Ringo Gornig. Er wolle nun mit seiner kleinen Mannschaft die Zeit der Senioren lebenswerter machen. Nur die Schwalbe für seine Touren zu den Patienten ist noch Zukunftsmusik. Aber vielleicht geht’s ja auch mit der schneller als gedacht – wie mit dem eigenen Pflegedienst.