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Walpurgis kritisiert Spieler und kämpft gegen Komfortzone

Dynamos Trainer redet sich vorm letzten Spiel des Jahres in Rage. Er beklagt die Einstellung der Profis.

Von Tino Meyer
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Er macht noch halbwegs gute Miene zum schlechten Spiel. Maik Walpurgis ist aktuell maximal unzufrieden.
Er macht noch halbwegs gute Miene zum schlechten Spiel. Maik Walpurgis ist aktuell maximal unzufrieden. © Robert Michael

Die Schonfrist ist abgelaufen. Maik Walpurgis ist jetzt hundert Tage im Amt - und damit eine erste Bilanz fällig. Was für Dynamos Cheftrainer gilt, der am 11. September einen Vertrag bis Juni 2020 unterschrieben hat, trifft allerdings aus seiner Sicht umso mehr auch auf die Mannschaft zu. Und nimmt man die wortgewaltige Wachrüttel-Rede so kurz vorm letzten Spiel des Jahres zum Maßstab, hat sich offenbar einiges eingeschleift bei den Profis. 

Walpurgis spricht von Faktoren, die gegen die Gesetze des Erfolgs verstoßen. Und deshalb greift er jetzt durch. Die Suspendierung von Philip Heise bis zum Jahresende dürfte demnach nur eine erste beziehungsweise die einzige bislang öffentlich gemachte Maßnahme gewesen sein. "Es gab ein paar Vorfälle, rein disziplinarischen Natur", erklärt der Trainer bei der Spieltagspressekonferenz vor der Partie am Sonntag in Duisburg, "wo für mich als Trainer eine Grenze erreicht ist. Deshalb habe ich Philip eine Denkpause gegeben." 

Es soll und darf, das macht der 45-Jährige sehr deutlich, auch als Zeichen gewertet werden - nach innen und außen. "Letztlich sind für uns Disziplin, Ordnung und der Fokus auf die tägliche Arbeit das Entscheidende. Das haben wir mit der Mannschaft in dieser Woche noch einmal intensivst besprochen", betont Walpurgis, und er verteidigt Heises Suspendierung. "Eine solche Maßnahme trifft man als Trainer sehr ungern - und als allerletztes. Ich hoffe, das bleibt ein Einzelfall. Denn ich bin da, um die Spieler zu fördern und zu entwickeln."

Die Sinne seien geschärft, meint er - und das eigentlich bezogen auf die Partie beim MSV Duisburg, der zuletzt dreimal hintereinander nicht gewonnen hat. Es steht also einiges auf dem Spiel, vor allem für Dynamo. Der Trugschluss des Vorjahres, mit einem einigermaßen beruhigenden Vorsprung zu den Abstiegsplätzen in die Winterpause zu gehen, um sich danach doch irgendwann und schließlich bis zuletzt im Abstiegskampf zu befinden, soll sich nicht wiederholen. Es gehe also jetzt darum, so Walpurgis, einen guten Jahresabschluss zu schaffen und damit für die gute Basis im Hinblick auf die Rückrundenvorbereitung zu sorgen.

Doch im Prinzip geht es in dieser Woche inklusive der bevorstehenden Partie in Duisburg um viel mehr, wie in Walpurgis' Worten schnell klar wird. Er habe unter anderem ausführlich mit Sportchef Ralf Minge und dessen Assistenten Kristian Walter gesprochen. "Es gibt ja Gründe dafür, warum man in der vergangenen Saison nur sehr knapp am Abstieg vorbeigerauscht ist und warum man zu Saisonbeginn den Trainer gewechselt hat", sagt Walpurgis und ergänzt, dass nach seinem Amtsantritt "die Verhaltensweisen der Spieler wieder sehr gut waren. Und jetzt müssen wir einfach darauf achten, dass sich in dieser Mannschaft nicht wieder eine Komfortzone einrichtet". Routinen aus der Vergangenheit müssten aufgebrochen werden, die eben nicht den Gesetzen des Erfolgs folgen. "Da gehört eine klare Disziplin dazu. Ich bin dabei, diese Komfortzone zu durchschlagen. Das sage ich auch so deutlich", meint Walpurgis, dessen Gesichts- und Haarfarbe sich längst Ton in Ton zeigen.

Sich selbst nimmt der Trainer angesichts der besorgniserregenden Tendenz nach den ernüchternden Niederlagen gegen Kiel (0:2) und in Paderborn (0:3) ebenfalls in die Pflicht. "Ich stehe in der absoluten Verantwortung - und die nehme ich auch auf mich", bekräftigt er. In den 14 Spielen unter seiner Regie hat Dynamo jeweils fünf Mal gewonnen und verloren sowie vier Partien unentschieden beendet - macht, bezogen auf die Walpurgis-Amtszeit, Tabellenplatz neun. "Das ist in Ordnung, aber wir wollen mehr", sagt der Trainer und kündigt an, nach einer trainingsintensiven Vorbereitung in der Rückrunde wieder anzugreifen - zumal dann auch die vier Langzeitverletzten mit Kapitän Marco Hartmann an der Spitze wieder zur Verfügung stehen.

Vorher aber wartet Duisburg als aktueller Gradmesser. "Das ist das letzte Spiel des Jahres - wir werden es mit maximaler Motivation bestreiten", sagt Walpurgis. Nicht zuletzt könnte das Ergebnis auch Einfluss auf den Urlaub haben. Ein Straftraining am 24. Dezember schließt der Trainer aus, "da gehören alle zu ihren Familien", aber den einen oder anderen zusätzlichen freien Tag könne sich die Mannschaft mit einem guten Spiel erarbeiten.