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Warum der Start nicht einfach wird

Zu jung, zu unerfahren, und überhaupt: Kathrin Kondaurow bekam viel Gegenwind als neue Chefin der Staatsoperette.

Kathrin Kondaurow © dpa

Sie fühle sich von den Mitarbeitern toll getragen, sagt Kathrin Kondaurow. Sie nennt die Zusammenarbeit mit allen Abteilungen außergewöhnlich. Der Wechsel zwischen alter und neuer Intendanz sei gut vorbereitet worden, meint Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch: „Es ist nicht gelogen, dass beide Seiten aufeinander zugingen.“ Es wird viel Harmonie verströmt an diesem Mittwoch beim Pressegespräch. Das macht die Disharmonie nicht vergessen. 38 Interessenten hatten sich um den Chefposten der Staatsoperette beworben, neun wurden in die Stadtverwaltung zum Gespräch gebeten. Kathrin Kondaurow gewann. Sie ist 1983 in Berlin geboren, hat Klavierspiel gelernt und studierte ab 2005 in Weimar und Jena Musikwissenschaft, Kulturmanagement und französische Literaturwissenschaft. Sie arbeitete in der hochschuleigenen Künstleragentur, kuratierte eine Konzertreihe und war ab 2011 Musiktheaterdramaturgin am Deutschen Nationaltheater Weimar.

Als bekannt wurde, dass sie ab September 2019 die einzige originäre Operettenbühne Deutschlands leiten soll, gab es einigen Aufruhr in der Stadt. Sie sei zu jung und zu unerfahren, hieß es, um ein großes Musiktheater zu führen. Kritik gab es auch am Verfahren. Die Anforderungen in der Stellenausschreibung seien zu allgemein gewesen. Wichtige Mitglieder der Findungskommission hätten am Tag der Entscheidung gefehlt. Die Vorwürfe setzten sich fort, als die künftige Intendantin ihre Arbeit im Haus begann – sie kündigte der Sängerin Olivia Delauré, die doch in zahllosen Aufführungen das Ensemble trägt.

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Der Chefdirigent Andreas Schüller wird das Theater 2020 verlassen. Es sei eine Trennung im beiderseitigen Einverständnis, so Kathrin Kondaurow. Die Bewerbungsfrist für den Nachfolger ist eben abgelaufen. Nächste Woche stellen sich die ersten von 80 Bewerbern bei Orchesterproben vor. Sie sollen den Broadway nach Dresden holen mit Revue, Operette, Musical und Performance – die Oper kommt im neuen Logo nicht vor. Aber das sei nicht für immer auszuschließen, sagt die designierte Intendantin, und in gewisser Weise gehörten ja komische Oper und Spieloper zur Operette. Zum „glanzvollen Unterhaltungstheater“, das sie plant, gehört auch ein Sommernachtsball. „Ich tanze gern.“

Die Frage nach dem Geld fürs Ganze muss sie an die Verwaltungsdirektorin weitergeben. Sieglinde Schlüter beziffert den Zuschuss von der Stadt mit 17 Millionen Euro. Einnahmen von 2,5 Millionen Euro kommen hinzu. Der Haustarifvertrag, der den Neu- und Umbau im Kraftwerk Mitte mitfinanzierte, gilt noch bis 2021.

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Der Kartenvorverkauf für die Saison 2019/20 beginnt am 7. Mai, 10 Uhr.

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