merken
PLUS Weißwasser

Abschied von der großen politischen Bühne

Thomas Jurk zieht sich aus der Bundespolitik zurück. Viele sind dem Weißkeißeler dankbar – auch in der Oberlausitz.

Über große Anerkennung und Wertschätzung durfte sich der (noch) Bundestagsabgeordnete Thomas Jurk am Sonnabend im Alten Schloss Kromlau freuen. Dankesworte kamen vom Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU), seinem Stellvertreter und Wirtschaftsmi
Über große Anerkennung und Wertschätzung durfte sich der (noch) Bundestagsabgeordnete Thomas Jurk am Sonnabend im Alten Schloss Kromlau freuen. Dankesworte kamen vom Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU), seinem Stellvertreter und Wirtschaftsmi © Joachim Rehle

Mit einem kleinen Empfang im Alten Schloss Kromlau hat Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Sonnabend den früheren sächsischen Wirtschaftsminister sowie langjährigen Landtags- und Bundestagsabgeordneten Thomas Jurk (SPD) aus der aktiven Politik verabschiedet. Als der Landeschef mit diesem Ansinnen drei Tage zuvor auf Jurk zuging, war dieser nach eigener Aussage „sehr gerührt“. Weil er zum einen nicht damit gerechnet hatte und zum anderen nicht wusste, wie er damit umgehen soll. „Es läuft mir ein Schauer über den Rücken“, sagte Thomas Jurk am Sonnabend tief bewegt. Nach den Standing Ovations am Sonntag zuvor auf dem Landesparteitag der sächsischen SPD, deren Vorsitzender er zwischen 2004 und 2009 war, war der Empfang am Sonnabend nun quasi der Schlusspunkt einer langen politischen Karriere.

Immer mit dem Herzen dabei

Kretschmer, selber bis 2017 im Bundestag, kämpfte ab 2015 zusammen mit dem Parlamentarierkollegen aus SPD-Reihen dafür, dass Bundesmittel aus dem Förderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ in den Kromlauer Park flossen. Er dankte Jurk „für viele persönliche Momente trotz unterschiedlicher politischer Ansichten“. Wenn es um seine Heimat, die Oberlausitz, um Sachsen und die neuen Länder ging, habe Jurk immer nach Lösungen gesucht, erklärte er. Auch deshalb waren zu der Verabschiedung die CDU-Bürgermeister aus dem Nordkreis gekommen. Jurk habe im Landkreis Görlitz viele Steine aus dem Weg geräumt. Es sei mit ihm nicht immer angenehm und nervenschonend gewesen, aber er habe dem Land Stabilität gegeben, betonte Kretschmer. Und: „Danke, Thomas!“

Anzeige
Volljurist (m/w/d) gesucht
Volljurist (m/w/d) gesucht

Die Bundespolizeidirektion Pirna sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt Unterstützung für die Leitungsposition eines Sachbereiches.

Auch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) äußerte seine große Wertschätzung für Thomas Jurk. Was er getan habe, werde gesehen und gewürdigt. Mancher habe im Gedanken an das Wirken dieser ersten Generation in Sachsen Tränen in den Augen. „Damals ging noch was, was heute in der sehr verrechtlichten Zeit gar nicht mehr so möglich wäre“, erklärte Dulig. Jurk sei Eisbrecher gewesen, als die sächsische SPD lernen musste, in einer Koalition zurechtzukommen, und er habe die Partei geprägt. Vor allem aber ist er „immer mit dem Herzen dabei gewesen“. An Jurk gewandt fügt er hinzu, dass man seinen Rat und Tat auch weiterhin brauche. Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Integrität seien die Eigenschaften, die Jurk ausmachen, hieß es derweil aus der Landtagsfraktion. Und dass es wichtig ist, dass Politiker Menschen sind. So wie Thomas Jurk eben.

Auf Platz 30 in die Politik

Gleich zur Wende 1990 hatte der einstige, damals in Weißwasser tätige Funkmechaniker den Sprung in den Landtag geschafft. Auf Platz 30 der Landesliste, so erinnert sich Thomas Jurk noch. „Dass daraus ein Leben wurde, hätte ich mir nie träumen lassen“, sagte er jetzt. Viele hätten ihm als jungem Menschen geholfen, in der Politik Fuß zu fassen. Bei seiner Spitzenkandidatur 2004 war es „ein Drama, als die NPD mit 9,3 Prozent“ in den Landtag einzog. Als er dann Staatsminister wurde, habe er sich nicht nur in den ersten 100 Tagen gefragt, wie er das überhaupt schafft. Da war er zugleich stellvertretender Ministerpräsident, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr und Parteivorsitzender der sächsischen SPD. Mühsam habe man die ersten Projekte durchgekriegt – wie beispielsweise die Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur und die Gemeinschaftsschule.

Bis 2013 gehörte er dem Landtag an. Danach ging‘s schnurstracks in den Bundestag. Dass er sogleich in den Haushaltsausschuss aufrückte, sei ein Glücksfall für ihn und für die Region gewesen, betonte Jurk. So sei er beim Geldverteilen dabei gewesen und habe einen Einblick in die Arbeit der Fachministerien bekommen. Thomas Jurk setzte sich für die Görlitzer Stadthalle ebenso ein wie für den Dresdener Fernsehturm – aber ganz besonders dafür, dass die Millionen aus dem Kohleausstiegstopf auch im Lausitzer Revier den Strukturwandel abfedern. Noch vor einem Jahr habe er intensiv für die Anerkennung der Kernbetroffenheit gerungen. Umso mehr hoffe er jetzt, „dass die Region hier einen Löwenanteil des Geldes kriegt“, wie er am Sonnabend sagte. Viele Projekte in der Lausitz hat Thomas Jurk angeschoben. „Unter dem Strich bin ich zufrieden“, stellte er fest.

In Sorge um die Gesellschaft

Im Herbst 2020 hatte er den Rückzug aus der großen Politik angekündigt. Nun sagte er, dass er auch ohne Mandat ein politischer Mensch bleiben werde. Große Sorge bereite ihm die Zerrissenheit der Gesellschaft – zwischen denen, die an die Wissenschaft glauben und den Querdenkern; aber auch hinsichtlich der Klimapolitik. „Ich werde mich nicht ungefragt einmischen, aber wenn ich gefragt werde, meinen Senf dazugeben“, zog er definitiv den Schlussstrich. In seinen letzten Abschiedstagen bekam der 59-Jährige noch etliche Mails von Leuten, die schnell noch etwas geregelt haben wollen. Doch für ihn ist nun endgültig Schluss. Gemeinderat in Weißkeißel will Thomas Jurk aber bleiben.

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Weißwasser